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Im Dienst von Alpenseglern, Wasseramseln und Co.
Im Dienst von Alpenseglern,  Wasseramseln und Co. Wasen:

Martin Leuenberger, Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Wasen, scheut keine Arbeit, wenn es um seine gefiederten Freunde geht.

Mit spannenden Projekten sorgt der Natur- und Vogelschutzverein Wasen immer wieder für Aufsehen. Momentan zeigt eine grosse Jubiläumsausstellung im Oberstufenschulhaus Wasen einen Überblick über die vergangenen 25 Vereinsjahre. Grosse Beachtung weit über die Kantonsgrenzen hinaus fand die Ansiedlung der Mauer- und Alpensegler in der Gemeinde Sumiswald. Bis das erste Alpenseglerpaar jedoch seine Eier in den Nistkasten legte, musste Vereins-präsident Martin Leuenberger (48) Geduld beweisen. Bereits während der Schulzeit war Leuenberger ein begeisterter Vogelfreund. Und er war schon damals überzeugt, dass sich der Kirchturm in Wasen bestens eignen würde, um Alpen- und Mauersegler anzusiedeln. Doch die Vorstellungen über die Nutzung des Turms gingen auseinander: der Kirchgemeinderat und der knapp 15-jährige Vogelfreund waren zunächst nicht einer Meinung. «Wenn ich aber von einem Projekt überzeugt bin, gebe ich nicht auf.» 

In der Zwischenzeit gründete der mittlerweile 22-jährige Leuenberger den Natur- und Vogelschutzverein Wasen. 20 Personen hatten ihre Aktiv-mitgliedschaft zugesagt. Mit einem Verein im Rücken wären verschiedene Projekte einfacher realisierbar, wusste der begeisterte Vogelkenner und schliesslich ging es auch mit den Seglern einen Schritt vorwärts.

Als die ersten Alpensegler nisteten

Ein Legat war es, das den Kirchgemeinderat zum Umdenken bewog. Martin Leuenberger erinnert sich, wie er und sein Freund Stefan Finger die ersten Kästen am Kirchturm befestigten: einer hielt den anderen an den Beinen und kopfüber wurden die Behausungen montiert. 1998 nistete das erste Alpenseglerpaar. 2017, fast 20 Jahre später, waren es 63 Alpenseglerpaare an drei Standorten in der ganzen Gemeinde Sumiswald. 

Martin Leuenberger und seine Vereinskollegen haben das ganze Jahr zu tun: Hecken werden aufgewertet und gepflegt, Wildblumen gesät. Die Erhaltung des Lebensraumes sei das A und O, betont der gelernte Gärtner. Dank diesen Massnahmen kann er von weiteren Erfolgen berichten: In den dornigeren Hecken ist der Neuntöter wieder häufiger anzutreffen. Der Zugvogel, der im südlichen Teil Afrikas überwintert, spiesst seine Beute an Dornen oder spitzen Seitenästen auf, um sie zu zerteilen oder als Vorrat zu halten. 

2000 Nisthilfen

Daneben kümmern sich die 25 aktiven Vereinsmitglieder um die rund 1000 Nistkästen und 1000 Schwalbennester. Die Nisthilfen werden allesamt in Eigenarbeit hergestellt: jeden Donnerstagabend wird gesägt, gebohrt und gebaut. Die Mehlschwalbe ist besonders dankbar für die zahlreichen Kunstnester. Während der Bestand gesamtschweizerisch abnimmt, nisten in der Umgebung von Wasen immer mehr Schwalben. 94 Prozent der 241 gezählten Mehlschwalben-Paare brüteten ihre Eier in Kunstnestern. Auf zahlreichen Tabellen lassen sich diverse Entwicklungen ablesen. Auch das gehört zur Arbeit der Vereinsmitglieder. Bestände werden regelmässig sorgfältig gezählt, erfasst und ausgewertet. Gerne wieder öfters sehen würde Martin Leuenberger den Gartenrotschwanz. Für den kleinen Fliegenschnäpper ist es eng geworden, ihm fehlen die alten Hochstamm-Obstbäume und Totholzflächen. Auf der Lüdernalp und auf dem Hochänzi hörte Martin Leuenberger letztes Jahr vereinzelte Männchen singen. Mit Hilfe spezieller Doppellochkästen hofft er, den seltenen Gast dort wieder vermehrt anzutreffen. 

Keine Zeit für ein anderes Hobby

Auf die Hauptversammlung im kommenden Februar wird Martin Leuenberger nach 25 Jahren sein Präsidentenamt abgeben. Seine Nachfolge ist noch offen. Ruhestand für Leuenberger? Daran ist nicht zu denken: Bereits wartet ein neues Projekt. Im Estrich des Schlosses in Sumiswald sieht er Potenzial: Fledermäuse und vielleicht ebenfalls Segler am Turm, meint Martin Leuenberger. Zeit für ein weiteres Hobby? Nein, das habe er nicht, sagt er. Wolle man die Arbeit rund um den Vogelschutz recht machen, liege sonst nichts mehr drin. Auch Ferien gibt es bei Leuenbergers bloss drei, vier Tage am Stück. Sonst würde er zu Hause etwas verpassen, sagt Martin Leuenberger. Selbst jetzt in der kalten Jahreszeit hört er bereits wieder den Waldkauz und die Wasseramsel singen, die ihr Revier markieren.

Grosse Jubiläumsausstellung

Noch bis am Samstag, 6. Januar, läuft im Oberstufenschulhaus in Wasen die Jubiläumsausstellung. In aufwändiger Arbeit haben die Vereinsmitglieder und die zahlreichen Helferinnen und Helfer eine faszinierende Wald- und Wasserlandschaft in die Aula gezaubert und verschiedene Vogelpräparate ausgestellt. Auf Plakaten lassen sich Informationen zu den jeweiligen Vögeln ablesen. Am Freitag, 5. Januar um 19.30 Uhr wird in der Turnhalle Wasen der ehemalige Fussballtrainier Hanspeter Latour sein Buch «Das isch doch e Schwalbe» vorstellen. 

 

Freitag, 5. Januar, 10.00 Uhr bis 22.00 Uhr; Samstag, 6. Januar, 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr. 

Weitere Informationen zum Verein: www.nvwasen.ch

 

05.01.2018 :: Sandra Joder
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