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«Ich hatte die Motivation verloren»
«Ich hatte die Motivation verloren» SCL Tigers:

 

Nach einer harten Zeit hat Mikael Johansson den Spass am Eishockey wiedergefunden. Dass er als überzähliger Ausländer auf der Tribüne landen könnte, motiviert ihn zusätzlich.


Mit dem Namen Mikael Johansson verbindet man im Schweizer Eishockey die erfolgreichste Ära der Neuzeit. Der schwedische Center wurde mit dem EHC Kloten von 1993 bis 1996 viermal in Folge Schweizer Meister. Der heute 52-Jährige machte sich am Schluefweg mit 294 Skorerpunkten in 237 Partien zur Legende.

Von so einem Status ist derjenige Mikael Johansson, welcher seit knapp acht Monaten bei den SCL Tigers spielt, zwar noch ein gutes Stück entfernt. Doch auch seine Erfolge lassen sich sehen. Mit dem schwedischen Traditionsverein Färjestad BK gewann er 2006, 2009 und 2011 jeweils den Meistertitel. «Die beste Zeit meiner Karriere», blickt der 33-Jährige zurück. «Ich durfte während gut zehn Jahren bei einem der besten Teams Europas spielen.»

 

Hirnerschütterung mit Folgen

Zu diesen gehören die SCL Tigers zwar nicht. Und doch ist Johansson glücklich, im Emmental spielen zu dürfen. Denn er erlebte in seiner Karriere auch schon ganz schwierige Momente. Die wegen einer Verletzung nicht genutzte Chance in Nordamerika (2009) oder der Abstieg mit den Rapperswil-Jona Lakers (2015 gegen die SCL Tigers) sind dabei nur am Rand gemeint. Richtig heftig wurde es 2016 in Russland. Johansson zog sich bei Lada Togliatti eine Hirnerschütterung zu, wurde vom Verein aber gezwungen zu spielen. Als er sich weigerte, weil er sich um seine Gesundheit sorgte, wurde er entlassen. «Ich hatte die Motivation und den Spass am Eishockey danach komplett verloren», sagt er rückblickend. «Es war eine schwierige Zeit in meinem Leben. Doch ich will nicht mehr ständig daran denken, ich bin jetzt einfach glücklich, hier in Langnau zu sein.»

Das ist er seit Februar dieses Jahres, nachdem ein befristeter Vertrag in Davos nicht verlängert wurde. Dass er nach der letzten Saison – im Gegensatz zu Topskorer Antti Erkinjuntti – bei den Emmentalern bleiben durfte, zeigt dass Trainer Ehlers seine Qualitäten als zuverlässigen Arbeiter schätzt. In den bisherigen acht Partien musste Johansson nur einmal überzählig zuschauen. «Du musst in jedem Training und Spiel dein Bestes zeigen, sonst bist du das nächste Mal Zuschauer. Das ist ein guter Wettbewerb», sagt er.

 

Berge statt Wälder

Von ihm erhoffen sich die Tigers unter anderem, dass er das in den letzten Jahren oft ungenügende Powerplay ankurbelt. Bisher gelang ihm das ziemlich gut, bereits vier Treffer bereitete er in Überzahl vor. Mehr als jeder andere Spieler in der Liga.

Dass er nach Rapperswil und Davos schon zum dritten Mal für einen Schweizer Verein spielt, ist kein Zufall. «Die Liga hier hat in Schweden einen sehr guten Ruf und viele schwedische Spieler wollen hier hinkommen», sagt die Nummer 85 der Tigers. «Und natürlich ist die Schweiz ein wunderschönes Land», fügt er an. In der Natur verbringt der Schwede, der allein in Langnau lebt, denn auch die meiste Freizeit. «Ich versuche möglichst viel von diesem Land zu entdecken.» Berge wie hier, kennt er aus seiner Heimat nicht. «Dort gibt es nur Wälder», sagt er lachend. Wie gut Johansson in der neuen Heimat schon integriert ist, zeigt sich bei der Verabschiedung. «Einen schönen Abend noch», wünscht er dem Journalisten in nahezu akzentfreiem Deutsch. 

11.10.2018 :: Christoph Schär
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