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«Ich bin erwachsen geworden»
«Ich bin erwachsen geworden» SCL Tigers:

2013 schoss Alexei Dostoinow Langnau in die NLB, heute spielt er selber für die Tigers. Der 28-Jährige hat in seiner Karriere schon viel erlebt.

Der 16. April 2013 ging als schwarzer Tag in die Geschichte der SCL Tigers ein. Sie verloren damals die sechste Partie der Ligaqualifikation in Lausanne mit 2:3 und stiegen in die NLB ab. Die Entscheidung fiel im Mitteldrittel, als Alexei Dostoinow innert 127 Sekunden die Tore zum 2:0 und 3:0 erzielte. Viereinhalb Jahre später ist Langnau längst zurück im Oberhaus. Und Alexei Dostoinow spielt mittlerweile für jenen Verein, welchen er damals in den Abgrund stürzte. «Als meine Verpflichtung vor einem Jahr bekannt wurde, gab es in Langnau vermutlich schon ein paar Sprüche deswegen», sagt der 28-Jährige lachend. «Ich bin aber hier, um alles für den Klub zu geben», stellt er unmissverständlich klar.

Dass er überhaupt jemals in der Schweiz gelandet ist, hat mit seinem Vater, einem Geschäftsmann, zu tun. Als Alexei, der in Moskau geboren wurde, drei Jahre alt war, siedelte die Familie in die USA über. Sieben Jahre später übernahm der Vater eine Firma in der Schweiz.

Langnaus zweitbester Torschütze dieser Saison, der nahezu akzentfrei Schweizerdeutsch spricht, schaffte die Integration hierzulande auch dank dem Eishockey. Er spielte in den Nachwuchsabteilungen von Kloten, Zug und den GCK Lions. Mit 17 wagte er den Sprung nach Nord-amerika. «Dieser Schritt kam aber zu früh für mich», sagt er rückblickend. «Die anderen Spieler waren mir körperlich und mental überlegen. Deshalb kam ich wieder zurück.»

 

Minus 30°C und 16 Stunden im Zug

Nach dem Aufstieg mit Lausanne wechselte Dostoinow zum SC Bern. Ein Kulturschock für den damals 24-Jährigen. «Es war eine ganz andere Mentalität als in Lausanne, alles war viel professioneller», erinnert er sich. Er vermisste die Lockerheit, welche er im Waadtland zuvor schätzte. «Man musste arbeiten, arbeiten und nochmals arbeiten. Keiner hatte Spass. Diese Umstellung war damals zu gross für mich. Heute wäre es wohl anders, ich bin erwachsener geworden.»

Nach einer Saison in Ambri wechselte er für zwei Jahre nach Russland. «Dort geht es sehr schnell. Wenn du einmal kein Tor schiesst, landest du auf der Tribüne.» Minus 30 Grad in Sibirien, das Leben in armen, gefährlichen Gegenden oder bis zu 16-stündige Zugfahrten an Auswärtsspiele bewogen «Dosti» vor einem Jahr zum Wechsel nach Langnau. Die SCL Tigers sind sein 19. (!) Verein. Für ihn ist das aber nichts Spezielles. «Ich bin schon als Kind viel gereist und immer wieder umgezogen. Das ist etwas anderes, als für jemanden, der seine Wurzeln an einem bestimmten Ort hat.»

Am Samstag trifft Alexei Dostoinow mit den SCL Tigers auf seinen Ex-Klub Lausanne. Anders als vor zwei Wochen, als die Emmentaler gegen die Westschweizer nach einer 3:0-Führung noch verloren haben, will der SCL-Stürmer den Ex-Kollegen diesmal hinterher nicht gratulieren müssen.

30.11.2017 :: Christoph Schär
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