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Hilfe holen ist wichtig, aber nicht einfach
Hilfe holen ist wichtig, aber nicht einfach Bowil:

Ida Gfeller nimmt einmal in der Woche den Betreuungsdienst des Schweizerischen Roten Kreuzes in Anspruch. So kann sie ihre Spaziergänge trotz Schwindelattacken geniessen.

Sichtlich stolz begrüsst Ida Gfeller ihre Tochter Rosmarie, die von der Arbeit nach Hause zurückkehrt, mit folgenden Worten: «Du wirst es kaum glauben, wie weit wir es heute geschafft haben.» Im Gespräch erklärt Rosmarie Gfeller, dass ihre 88-jährige Mutter eigentlich noch recht gut «zwäg sei». Da sie aber seit Längerem an «Altersschwindel» leide, stürze sie leider immer wieder. Dies führte dazu, dass die Tochter am Arbeitsplatz oft sehr beunruhigt war.

«Es geht doch schon noch selber»

Rosmarie Gfeller und ihr Partner zogen vor vier Jahren von Utzigen nach Bowil. Gleichzeitig bezog die Mutter im selben Haus eine Wohnung. Bis der Schwindel schlimmer wurde, half die Mutter in Haus und Garten tatkräftig mit. Als dies dann nicht mehr möglich war und sie Hilfe annehmen musste, wurde es sehr schwierig, erzählt die Tochter: «Da mein Partner und ich beide eine Vollzeitstelle innehaben, ging ich oft mit schlechtem Gefühl von zu Hause fort.» Deshalb recherchierte Rosmarie Gfeller im Internet und stiess dabei auf das Info-Center des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) Region Emmental: «Nach der Schilderung meines Anliegens informierte mich die Fachbereichsleiterin Ursula Hurni, dass sie mir den Betreuungsdienst anbieten könnte.» Mit dieser Dienstleistung ermöglichen geschulte freiwillige Mitarbeitende den Angehörigen eine Verschnaufpause, indem sie vorübergehend die Betreuung betagter Menschen übernehmen. Rosmarie Gfeller sah in diesem Angebot eine Entlastung, doch vorerst lehnte ihre Mutter jegliche Hilfe ab. Doch als die Tochter ein paar Ferientage auswärts verbringen wollte, durfte sie nach viel Überzeugungsarbeit ein Notrufsystem und den Betreuungsdienst organisieren. Wie die Fachleute vom SRK betonen, ist es für alle Beteiligten einfacher, wenn rechtzeitig Hilfe geholt wird.

Ida Gfeller hat es nicht bereut, die Hilfe anzunehmen. Bereits nach dem ersten Besuch der Freiwilligen war sie des Lobes voll. «Sie verstand sich mit der Betreuerin Ursula Räz sofort gut, aber nach den Ferien war meine Mutter überzeugt, dass sie diese Dienstleistung nun nicht mehr brauche», sagt Rosmarie Gfeller.

Dank Hilfe Bewegungsdrang ausleben

«Ich staunte nicht schlecht, als mich meine Mutter Monate später fragte, ob es wohl möglich wäre, dass die Betreuerin jede Woche einen Nachmittag vorbeikommen könnte», erzählt Rosmarie Gfeller und freut sich sehr darüber, dass ihre Mutter nun so weit ist, dass sie Hilfe annehmen kann. Gemeinsam mit Ursula Räz kann die Seniorin, die sich in der Zwischenzeit auch mit dem Rollator angefreundet hat, zweistündige Spaziergänge unternehmen, wodurch sie ihren Bewegungsdrang ausleben kann. «Mir fehlt einfach die Zeit, so lange mit ihr unterwegs zu sein. Deshalb ist es wirklich ein Glücksfall, dass es den Betreuungsdienst gibt», hält Rosmarie Gfeller fest. Nebst dem Spazieren freut sich Ida Gfeller weiter darüber, eine Spielpartnerin zu haben. Bei Bedarf würde die Betreuerin auch das Kochen übernehmen. Doch dies ist bei Ida Gfeller nicht nötig «Ich habe es sehr gut, da mir Rosmarie immer vorkocht», erzählt die Rentnerin zufrieden, bevor sie sich genüsslich, dem von der Tochter zubereiteten Bohnensalat zuwendet.

02.08.2018 :: Christine Mader
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