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Herr, Herr...

Welche Anrede benützen Sie, wenn Sie beten – ob laut oder leise? Gott? Vater? Jesus? Herr…? Bei jedem dieser Worte klingt etwas in uns an: Positives, aber auch Abstossendes. Mühe haben viele gerade mit der Anrede «Herr». Die Herren über uns oder die in Bern, die sind uns meist nicht so sympathisch. Von denen wird man von oben herab behandelt, man muss gehorchen, sich fügen und hat nichts zu sagen. Wir möchten doch ein vertrauensvolleres Verhältnis zu Gott haben, oder? Ich möchte trotzdem für diese Anrede eine Lanze brechen. Sie kommt nämlich aus einer Zeit, in der man den irdischen Herren noch viel brutaler ausgeliefert war. Sklaven mussten ihnen bedingungslos dienen, wurden von ihnen ausgenutzt, verkauft, manchmal auch misshandelt und umgebracht. Noch im letzten Jahrhundert in Amerika. Und trotzdem beteten sie zum «Lord». Und sagten damit: Diesem Herrn wollen wir dienen – dem irdischen müssen wir. Christus, dem vertrauen wir, der soll der wirkliche Herr sein über unser Leben, die irdischen Herren können nur unseren Körper besitzen. Und unser wirklicher Herr wird uns erlösen von all den Lasten, die uns auferlegt sind – wenn nicht schon hier, dann wenigstens ennet dem Jordan. Und so war jedes «Herr», an Gott gerichtet, ein Protest gegen die unbarmherzigen Herren dieser Welt. Und gab den Glaubenden in ihrer Situation Hoffnung und ein neues Selbstbewusstsein.

Diese Geschichte stellt uns eindringlich die Frage: Welchen Herren dienen wir? Helfen wir den Mächtigen dabei, Unrecht und Hass zu verbreiten? Oder stellen wir uns auf die Seite jenes Herrn, der Gutes möchte – gerade für alle, die nicht viel zu lachen haben auf der Welt? In diesem Fall kann auch bei uns jedes «Herr» zu einem Protest werden gegen das Unrecht auf der Welt und zu einem kleinen Schritt auf dem Weg zum Guten.

25.01.2018 :: Samuel Burger, reformierter Pfarrer, Konolfingen
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