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Grosse Erwartungen, hohe Hürden – und oft zu wenig Wind
Grosse Erwartungen, hohe Hürden  – und oft zu wenig Wind Emmental: Das Interesse an Windkraftanlagen scheint gross. Dennoch: Im Emmental werden an einst vielversprechenden Lagen keine Windräder gebaut, wie mehrere Beispiele zeigen.  
Auch in der Region Bern sei das Interesse an Windenergie gross und wachse, wie im eben publizierten Richtplan Windenergie der Regionalkonferenz Bern-Mittelland steht. Sechs mögliche Standorte für Windräder sind darin aufgeführt. Geeignete Standorte im dicht besiedelten Gebiet um Bern zu finden, sei nicht einfach gewesen, erklärt Jos Aeschbacher, Leiter Fachbereich Raumplanung. Ein Jahr lang wurde an dem Papier gearbeitet und zig Kriterien geprüft; vom Landschaftsschutz über den Zug der Vögel bis natürlich zum wichtigsten – dem Wind.

Vier Interessenten
Eines der aufgeführten Gebiete wurde bereits 2010 auserkoren, als die Region Emmental ihren Richtplan zum selben Thema erarbeitet hat. Das Gebiet an den Grenzen der Gemeinden Vechigen, Walkringen und Hasle löste damals grosse Erwartungen aus. Sogar die BKW AG zeigte Interesse – mittlerweile ist der Stromkonzern ausgestiegen. Ein Windpark könne nicht rentabel betrieben werden, lautete die Begründung. Was nun? «Wir haben vier Interessenten», erklärt Vechigens Gemeindepräsident Walter Schilt. Er hofft, dass im kommenden Jahr die genauen Messungen, bei denen der Wind in der Höhe der Räder ermittelt wird, durchgeführt werden. «Die Investoren müssen bereit sein, diese teuren Messungen durchführen zu wollen», hält Schilt fest. Ihm ist bewusst, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis auf der Anhöhe an der Grenze der drei Gemeinden Windkraftwerke laufen werden. «Die Voraussetzungen, um dereinst einen Windpark realisieren zu können, sind in diesem Gebiet aber sicher nicht schlecht», ist Walter Schilt überzeugt.

Zu viele Ausschlusskriterien
Gross waren die Erwartungen auch im Emmental, wo der Wind oft und zügig über die Eggen pfeift. Mehrere Private wollten möglichst rasch Windkraftanlagen realisieren. Im 2010 publizierten Richtplan Windkraftanlagen haben die Verfasser nebst Vechigen noch vier weitere Gebiete im Emmental und Oberaargau als mögliche Standorte für künftige Windparks aufgeführt. Einer davon ist das Gebiet Schonegg in der Gemeinde Sumiswald. «Auf den ersten Blick scheint das grossflächige Gebiet ideal zu sein», erklärt Heinrich Luder von der Energie AG Sumiswald, welche das Projekt eines Windparks auf der Schonegg verfolgt hat. «Es gibt aber so viele Ausschlusskriterien, dass am Ende nur an zwei, drei schlecht erschlossenen Stellen eine einzelne Windturbine aufgebaut werden könnte, was schliesslich nicht wirtschaftlich ist.» Die Zufahrt zu einem Windrad muss derart stabil erstellt werden, dass bis zu 40 Tonnen schwere Teile auf den Platz transportiert und dann mit einem Kran aufgebaut werden können. «Ich denke nicht, dass unter diesen Bedingungen auf der Schon­egg je ein Windrad gebaut wird», lautet Luders Fazit. Laut ihm wären die Bedingungen vom Wind her beispielsweise auf der Lüderenalp weit besser. Aber dort dürfen unter anderem wegen des Bundesinventars der Landschaften von nationaler Bedeutung keine Windräder gebaut werden.

Eine Anfrage in vier Jahren
Als zweites Gebiet im oberen Emmental wurde die Region Surmett­len-Gyrsgrat auserkoren. Dies, obwohl die Standortgemeinde Eggiwil bereits beim Mitwirkungsverfahren Bedenken wegen der Erschliessung äusserte. Was ist aus dem Vorschlag im Richtplan geworden? «Wir hatten einmal eine Anfrage von einer Firma, welche den Standort besichtigen wollte», erklärt Gemeindeschreiber Stefan Ruch. Schnell wurde aber klar, dass die Strassen in dieses Gebiet zu schmal und die Kurven zu eng für den Transport der schweren und sehr grossen Teile sind. «Zu den idealen Standorten führen heute nicht einmal Feldwege», hält Ruch fest. Weil sich das Potenzial in Grenzen halte, habe der Gemeinderat das Vorhaben nicht weiter verfolgt.
Bereits im vergangenen Jahr haben die Verantwortlichen der Elektra Linden ihre Pläne eines Windparks begraben, obwohl die Erschliessung des Gebiets gut machbar gewesen wäre. Ursprünglich waren sechs Windturbinen mit einer Höhe von 125 Metern geplant. Das Problem aber war, dass die Windgeschwindigkeit am vorgesehenen Ort schlicht zu tief ist.
Pioniere, aber keine ­grossen Pläne
Im Entlebuch drehen sich bereits drei Windräder, eines der CKW und zwei der Windpower AG. Roland Aregger, Gründer der Windpower AG, baute das erste Windkraftwerk der Schweiz. Ein Ausbau mit einem dritten Windrad sei ein Thema, konkrete Pläne würden aber nicht vorliegen, erklärt Aregger. Er hält aber fest, dass das Potenzial beschränkt sei: «Die Schweiz ist kein typisches Windland.»
Im Standortkonzept Windenergie der Region Luzern-West sind in den Gemeinden Flühli und Escholzmatt-Marbach mehrere Standorte aufgeführt, mit ähnlichem Windaufkommen wie in der Gemeinde Entlebuch. Aber: Anfragen von Investoren gab es sehr wenige, ist bei der Region Luzern-West zu erfahren. Unter anderem weil die Plätze schlecht erschlossen seien.  
06.11.2014 :: Bruno Zürcher
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