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Gnade vor Recht
Auszeit:

Auf die Frage eines Mannes, was er tun müsse, um das ewige Leben zu bekommen, antwortete Jesus: «Du sollst den Herrn deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Denken und deinen Nächsten wie dich selbst!»

Dazu ein praktisches Beispiel: Ein silbergrauer Opel fährt Ihnen schon längere Zeit nahe auf. Endlich überholt Sie der Fahrer hupend, sichtlich genervt und dazu mit überhöhter Geschwindigkeit. Frage: Gelingt es Ihnen in diesem Moment, Gott von ganzem Herzen zu lieben und den Mann im silbergrauen Opel wie sich selbst? Ich muss gestehen, dass ich mir in ähnlichen Situationen schon gewünscht habe, die Polizei möge einen bestimmten Fahrer aus dem Verkehr ziehen. Die Liebe in meinem Herzen war geschmolzen wie der Schnee in der Frühlingssonne. Nach einer gewissen Zeit tauchten allerdings Bilder in meinem Inneren auf, wo ein anderer Verkehrsteilnehmer auf einen Fahrfehler von mir reagieren musste. Ob er sich auch gewünscht hat, die Polizei möge mich aus dem Verkehr ziehen? Das wäre mir ehrlich gesagt gar nicht recht gewesen. 

Noch viel weniger als im Strassenverkehr möchte ich mich auf Gottes Gerechtigkeit berufen. Wenn meine Liebe zu ihm und meinen Mitmenschen der Massstab für seine Gerechtigkeit ist, dann scheitere ich an dieser für mich viel zu hohen Latte. Der einzige Ausweg lautet für mich «Gnade vor Recht». Im Gegensatz zur Polizei kann Gott Gnade walten lassen, weil Jesus meine Schuld, auch mein Schuldigbleiben von Liebe, am Kreuz getragen hat. Weil er mich von ganzem Herzen und mit aller Kraft liebt, habe ich die Hoffnung, dass auch meine Liebe zu ihm und meinem Mitmenschen (im silbergrauen Opel) immer mehr wachsen kann. Gnade vor Recht.  

12.04.2018 :: Herbert Held, reformierter Pfarrer, Röthenbach
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