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Geschichte einer «zäächen Äntlibucheri»
Geschichte einer «zäächen Äntlibucheri» Marbach:

Mundartschriftsteller Josef Ehrler hat eine Frauenbiografie als Kurzgeschichten über eine gebürtige Marbacherin geschrieben. Ein unterhaltsames und Mut machendes Buch.

«Ich habe immer wieder Geschichten geschrieben», sagt der ehemalige Sekundarlehrer Josef Ehrler aus Marbach. «Die ‹Entlebucher Brattig› und der ‹Alpegruess› haben einige davon abgedruckt.» Im November erschien im Entlebucher Medienhaus sein drittes Buch. Wie seine beiden vorherigen Werke «Weichs und herts Houz» und «Suure Moscht» ist auch dieses in Entlebucher Mundart geschrieben. Die in einem Zeitraum von mehreren Jahren entstandenen Kurzgeschichten hat er chronologisch zusammengestellt zur Biografie «D Ruth – Es Läbe i Gschichte». 

Ruth, eine Nichte von Josef Ehrlers Ehefrau, ist in Marbach geboren, aber schon als Kleinkind mit ihrer Familie nach Kriens gezogen. Trotzdem blieb sie ihrer Heimat verbunden, besuchte regelmässig ihre Verwandten in Marbach und arbeitete auch einige Jahre dort. So erfuhr Onkel Sepp «gäng wider die ungloublechschte Sache us ihrem Läbe».

Ein Leben lang Grenzen ausgelotet 

Im Laufe ihres Lebens lotete Ruth wiederholt Grenzen aus und überschritt sie zuweilen auch. Hauchdünn war die Grenze zwischen Leben und Tod bei ihrer Geburt. Später stiess sie in der Schule an Grenzen. «Öppis Abstrakts het äre nid wöue i ds Hirni iä.» Im Ernstfall wuchs Ruth aber stets über sich hinaus. Auch  wenn vorher nichts zu gehen schien, Prüfungen bestand sie immer. In Paris lernte sie bei katholischen Ordensfrauen Französisch und in England besuchte sie eine englische Sprachschule. Geleitet von ihrer inneren Stimme suchte Ruth ihren eigenen Weg. Gekleidet wie ein Hippie, in einer «Bluse voue Blueme, Glitzerzügs und länge bunte Hose» kehrte sie aus England zurück. Die Mutter habe es fast «hindernuse gschlage», als ihre Tochter mit «söttige Hudle» vor der Türe stand. Das Leben genoss Ruth in vollen Zügen. Mit «ihrem aagebornige Charme» fand sie schnell Zugang zu den Menschen, denen sie durch ihr weiches Herz und eine soziale Ader auffiel. Kunden und Gäste wollte sie zufriedenstellen, und sie zeigte ihnen gegenüber Mitgefühl. Sie konnte aber auch einen Offizier aus einer Bar wegweisen, wenn sie sah, dass der seine Soldaten schlecht behandelte.  

Unglaubliche Geschichten

Die Geschichten sind leicht zu lesen und spannend geschrieben. Dass die Polizei Ruth mal mit einer Gangsterbraut verwechselte, tönt wie ein Krimi, sei aber wahr, so wie alle Geschichten im Buch, bestätigt Josef Ehrler. 

Ältere Leser werden über «D Outo- Fahrprüffig» schmunzeln, wenn sie sich an eigene Erfahrungen mit jenem gefürchteten Luzerner Prüfungsexperten erinnern. Ruth bestand bei ihm die Fahrprüfung im ersten Anlauf, was viele nicht schafften. Da müsse eine höhere Macht dahinter stecken, meint Josef Ehrler. Wahrscheinlich war der Experte aber nur überrascht, weil Ruth sich so resolut gegen seine Sprüche wehrte. Als sich Ruth einmal mit ungeeignetem Schuhwerk auf eine Bergwanderung begab, da habe sie die Grenze überschritten, sagt der Onkel, und «fahrlässig ds Läbe uf ds Spüu gsetzt». Die Folgen waren fatal. Nachdem Ruth Jahre später wegen eines Behandlungsfehlers wieder knapp dem Tod entrann, sagte sie zum behandelnden Arzt: «Dier möit wüsse: ich bin e zäächi Äntlibucheri, mich bringt mer nid so schnöu z Bode.» Was sie zwischen Leben und Tod so erlebte und was Josef Ehrler «ussersinnliche Wahrnähmige» nennt, ist ebenfalls «ungloublech».

Ruth kämpfte sich beide Male zurück ins Leben und übernahm in den späteren Jahren diverse Einsätze für die Spitex. Sie lebt immer noch in Kriens und hat inzwischen das Pensionsalter erreicht. Sie freut sich, dass Onkel Sepp ein Buch über sie geschrieben hat – ein Mut machendes Buch, das zeigt, dass man auch schwierige Situationen bewältigen kann.

04.01.2019 :: Bernadette Waser
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