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Gemeinde Flühli kann investieren – dank höchstem Pro-Kopf-Vermögen
Gemeinde Flühli kann investieren – dank höchstem Pro-Kopf-Vermögen Sörenberg:

Die Gemeinde Flühli will die Turnhalle Sörenberg mit einer Bühne erweitern. Noch vor wenigen Jahren wäre ein solches Projekt, mit Kosten von 650’000 Franken, kein Thema gewesen.

2,43 Millionen Franken will die -Gemeinde Flühli laut der Investitionsrechnung 2018 einsetzen; mehr als die Hälfte davon im Bereich Bildung. Über eines der Vorhaben – dem Anbau einer Bühne bei der Turnhalle in Sörenberg – werden die Bürgerinnen und Bürger an der Gemeindeversammlung vom 20. November befinden. Der Sonderkredit, welcher der Gemeinderat beantragt, beläuft sich auf 650’000 Franken. 

Bei der Turnhalle soll stirnseitig die Mauer ausgebrochen und eine rund sechs mal zehn Meter grosse Bühne angebaut werden. Damit eigne sich das Gebäude viel besser für Konzerte, schreibt der Gemeinderat in seiner Botschaft für die Gemeindeversammlung. Zum einen muss in der eher kleinen Sporthalle keine Bühne mehr aufgebaut werden, zum andern erhöhe sich die Zahl der Zuschauerplätze von heute 200 auf 290.


Keinen grossen Saal mehr

Die Turnhalle mit einer Bühne zu ergänzen sei schon lange ein Thema, sagt Gemeindeammann Hans Lipp auf Anfrage. «Im Dorf Sörenberg gibt es seit rund 20 Jahren keinen Saal mehr, den die Vereine für ihre Aufführungen benutzen können», erklärt Lipp. Der Gemeinde hätten aber die finanziellen Mittel gefehlt, um selber aktiv zu werden (siehe Kasten). Die Turnhalle werde heute zwar oft gebraucht, wenn aber beispielsweise die Musikgesellschaft mit ihrem Corps von rund 35 Musikantinnen und Musikanten in der Turnhalle auftrete, platze diese fast aus allen Nähten. 

Nicht nur für Konzerte der Dorfvereine soll der Anbau genutzt werden. Auch für Lager eignet sich das Gebäude, zumal auf dem gleichen Boden wie die Turnhalle eine Lagerküche eingerichtet ist. «Künftig kann beispielsweise auf der Bühne eine Musikprobe stattfinden und in der Halle sind die Schüler der Basisstufe am turnen», sagt der Gemeindeammann. Die beiden Bereiche könnten getrennt werden. Mit dem Neubau der Bühne will der Gemeinderat Flühli gleichzeitig die Beleuchtung anpassen und die Lüftung komplett ersetzen. «Dieses Projekt ist auch ein Bekenntnis zum Schulstandort Sörenberg und zum aktiven Vereinsleben», meint Hans Lipp.

Vom «Armenhaus» zur vermögenden Gemeinde

Der Voranschlag 2018 der Gemeinde Flühli rechnet bei einem Umsatz von rund 11,796 Millionen Franken mit einem Ertragsüberschuss von 3000 Franken – die Einnahmen und die Ausgaben halten sich also in etwa die Waage. Allerdings hat der Gemeinderat einen höheren Sachaufwand eingeplant, weil er die EDV-Anlage der Gemeindeverwaltung sowie der Schule erneuern will. Nicht mehr einsetzen musste der Gemeinderat einen Betrag für die Verzinsung von Fremdkapital. «Das noch bestehende Fremdkapital in Form eines Darlehens in der Höhe von einer Million Franken wird per 30. November 2017 zurückbezahlt», orientiert der Gemeinderat in seiner Botschaft zuhanden der Gemeindeversammlung.


Nur ein Viertel hat Vermögen 

Die Gemeinde Flühli steht finanziell sehr gut da: Sie weist ein Nettovermögen pro Einwohner von 5248 Franken aus. Das ist der höchste Wert aller 83 Luzerner Gemeinden! «Das haben wir erfreut zur Kenntnis genommen», meint Gemeindeammann Hans Lipp. Laut den Finanzkennzahlen 2016 des Kantons Luzern weist lediglich ein Viertel der Gemeinden überhaupt ein Nettovermögen pro Einwohner aus. Die anderen drei Viertel haben Schulden. Dazu zählen auch Escholzmatt-Marbach mit 2963 Franken Nettoschuld pro Einwohner wie auch Schüpfheim mit 2812 Franken. 

Ein Blick zurück zeigt, dass Flühlis finanzielle Situation nicht immer so rosig war. Ende 2001 wies Flühli mit 14’000 Franken die höchste Pro-Kopf-Verschuldung aus. Fast ein Fünftel der laufenden Erträge wurde für den Kapitaldienst verwendet. Von 2003 bis 2008 gingen jährlich kantonale Entschuldungsbeiträge von zwei Millionen Franken, 2005 zusätzlich ein Sonderbeitrag von drei Millionen Franken ein. «Wir konnten die Finanzen auch dank einem strikten Sparkurs wie auch dank Beiträgen von Patenschaft für Berggemeinden verbessern», erklärt Hans Lipp.

Der Gemeindeammann weiss aber auch, dass sich das Blatt rasch wenden könnte und die Gemeinde nicht alle Faktoren beeinflussen kann. Insbesondere ist Flühli stark vom Finanzausgleich abhängig. Im Voranschlag 2018 wird mit einem Beitrag von 3,5 Millionen Franken gerechnet. «Der Finanzausgleich wird im kommenden Jahr überarbeitet, gut möglich, dass wir ab 2020 mit tieferen Beiträgen auskommen müssen.»


Tendenziell positive Zahlen 

Ein stetes Auf und Ab der Gemeindefinanzen zeigen auch die Zahlen, welche Luzern Statistik erhoben hat: «Von 2001 bis 2008 konnte die Pro-Kopf-Verschuldung nahezu halbiert werden. Danach kehrten die Vorzeichen; 2012 und 2013 resultierte insgesamt ein Defizit. Seither zeigt der Trend wieder aufwärts.»

09.11.2017 :: Bruno Zürcher
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