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Geheimer Feind

«Gutes tun, Gutes tun, ist gar nicht schwer. Man kann so viel Gutes tun, zu Hause und im Kreisverkehr», singt der heitere Liedermacher Funny van Dannen in seinem gleichnamigen Lied «Gutes tun». Gutes zu tun, das ist ein Wert, den nicht nur Christen, Naturschützer und Menschenfreunde teilen. Menschen, die Gutes tun, die kann unsere Welt dringend brauchen – nicht nur zur Weihnachtszeit. 

Wie erstaunt war ich, als ich vor einiger Zeit in einem Vortrag den Satz hörte: «Das Gute ist der Feind des Besten». Ein Ohrenzupfer und Hinhörer schlechthin. Wie? Das Gute kann unser Feind sein? Die Dozentin erklärte recht schlüssig, warum dem so ist. Seither hat mich dieser Satz nicht mehr verlassen. Hat er mir doch vor Augen geführt, dass ich bisher viel Lebenszeit mit guten Projekten verbracht habe. Per se ist das nichts Schlechtes, mein Bestes war manch gutes Projekt allerdings oft auch nicht. 

Wie kann das Gute nun zum Feind werden? Immer dann, wenn wir etwas anderen zuliebe tun, statt unsere Mithilfe aus einem eigenen Bedürfnis heraus anzubieten. Es ist etwas Wundervolles, andere Menschen bei ihren Projekten zu unterstützen, doch nur, wenn wir selbst auch dahinter stehen können und sich das gute Werk mit unserer eigenen Weltsicht deckt. Es ist die Frage, wo und wie oft wir unsere Kraft für fremde Ziele einsetzen, statt für eigene, denn unbegrenzt ist weder unsere Zeit noch unsere Energie. Das kann so weit führen, dass für eigene Lebensträume, Hobbies und Visionen gar kein Platz mehr bleibt, weil zuviel Schaffenskraft in die Verwirklichung von Projekten anderer Menschen fliesst, so gut und wertvoll sie auch sein mögen. An unserem Sterbebett wird uns niemand dafür danken, dass wir ihr Leben statt unser eigenes gelebt haben. Wie auch, wenn wir uns im Dschungel von eigenen und fremden Zielen vielleicht gar nicht mehr entdecken? Wenn wir zu oft «ja» gesagt haben, obwohl wir «nein» meinten. Dabei könnte man auf eine Anfrage antworten: «Das ist ein super Projekt, doch etwas anderes ist für mich wichtiger» oder «das ist eine gute Sache, doch nicht meine Aufgabe». 

Dabei ist es förderlich zu wissen, wohin unsere eigene Lebensreise gehen soll. Wer ein Ziel hat, kann sich auch auf den Weg dorthin machen und mit vollem Einsatz bei guten Dingen, die sich mit den eigenen Lebenszielen decken, sein Bestes geben. Andernfalls können die scheinbar wichtigen Dinge zu Lasten unserer Gesundheit und Lebensfreude gehen, weil das Gute ist der Feind des Besten.


29.06.2017 :: Stephanie Schnid
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