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Gegner des Wasserkraftwerks in der Lammschlucht erreichen Etappensieg
Gegner des Wasserkraftwerks in der Lammschlucht erreichen Etappensieg Flühli:

Das Kantonsgericht hat die Beschwerde der Umweltverbände gegen das Kraftwerk in der Lammschlucht gutgeheissen. Die CKW kann nun noch ans Bundesgericht gelangen.

Die Centralschweizerische Kraftwerke AG (CKW) beabsichtigt, in der Lammschlucht zwischen Flühli und Schüpfheim ein Wasserkraftwerk mit einer Stromproduktion von 17 Gigawattstunden zu erstellen. Am 18. Oktober 2016 erteilte der Luzerner Regierungsrat die Konzession. Diesen Entscheid fochten verschiedene Umweltverbände (WWF, Pro Natura, Aqua Viva) sowie der Luzerner Fischereiverband mit einer Beschwerde beim Kantonsgericht an. Darin monierten sie, dass der angerichtete ökologische Schaden in keinem Verhältnis zum Nutzen eines Wasserkraftwerks stehe. Für eine relativ geringe Stromproduktion werde in Kauf genommen, die Natur nachhaltig zu schädigen. Nun waren die Umweltverbände mit ihrer Beschwerde erfolgreich. Das Kantonsgericht hat sie mit dem Urteil vom 21. Februar gutgeheissen. Es hebt den Konzessionsentscheid auf und weist die Sache zur Neubeurteilung zurück an den Regierungsrat.

Wirtschaftlichkeit spielt eine Rolle

Eine wichtige Rolle beim Urteil des Kantonsgerichts spielt die Restwassermenge. Die CKW erklärte sich 2013 – nach Einsprachen der Umweltverbände – bereit, diese von 600 auf 900 Liter pro Sekunde zu erhöhen. Dies vor allem zugunsten der Fische. Je höher die Restwassermenge, desto geringer die Stromproduktion, was sich auf die Rentabilität eines Kraftwerks negativ auswirkt. Der Umweltverträglichkeitsbericht befasse sich zwar mit der Wirtschaftlichkeit des Projekts, allerdings lägen den Berechnungen eine Restwassermenge von 600 Litern pro Sekunde zugrunde und nicht von 900, steht im Urteil. Aus den Akten gehe nicht hervor, bei welcher Restwassermenge die Grenze der wirtschaftlichen Tragbarkeit liege. Somit seien wirtschaftliche Aspekte bei der Interessenabwägung zu wenig berücksichtigt worden und sie erwiesen sich als unvollständig. Denn bei einer geringeren wirtschaftlichen Bedeutung eines Wasserkraftwerks dürften die nachteiligen Folgen auf die Umwelt weniger einschneidend sein. «Eine sorgfältige Abwägung der Gesamtinteressenlage ist unterblieben», urteilt das Gericht.

Naturmonument gewürdigt

Erfreut über das Urteil zeigt sich Kurt Eichenberger, Geschäftsführer des WWF Luzern und Vertreter der Beschwerdeführer. Sie hätten so nicht damit gerechnet. «Ich bin positiv überrascht, dass sich die Richter so vertieft mit der Materie auseinandergesetzt und sogar einen Augenschein vor Ort genommen haben.» Letzteres komme selten vor und habe wohl geholfen, die Naturwerte richtig einzuschätzen. Das sei bemerkenswert. Besonders freue ihn, dass die Lammschlucht als schützenswertes Naturmonument gewürdigt werde. Zentral sei für ihn, dass der Nutzen aus der Stromproduktion in keinem Verhältnis zum Eingriff in die Natur stehe. Ob die Restwassermenge nun 600 oder 900 Liter beträgt, ist für Kurt Eichenberger nicht entscheidend. «Aus unserer Sicht ist die Verhältnismässigkeit so oder so nicht gegeben.» Den Sieg vor dem Kantonsgericht bezeichnet er als Etappenerfolg. Nun bleibe abzuwarten, wie das Energieunternehmen reagiere. 

Projekt mit Potenzial

Die CKW hat die Möglichkeit, das Urteil innerhalb von 30 Tagen an das Bundesgericht weiterzuziehen. Der Entscheid darüber sei noch nicht gefallen, sagt Mediensprecher Marcel Schmid. «Zunächst werden wir das Urteil analysieren und die relevanten Punkte genau prüfen.» Die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerks sei gewährleistet, und zwar auch bei einer Restwassermenge von 900 Litern. «Das Kraftwerk kann rentabel betrieben werden, sonst würden wir es sicher nie bauen», betont Schmid. Die Wirtschaftlichkeit auf Jahre hinaus zu berechnen, sei aber schwierig. «Wer weiss heute schon, wie der Strompreis in fünf Jahren sein wird?» Doch sehe die Energiestrategie des Bundes den Ausstieg aus der Atomkraft und eine Stärkung der Wasserkraft vor, deshalb würden solche Projekte an Bedeutung gewinnen, sagt Marcel Schmid. Die CKW sei nach wie vor überzeugt, dass es sich um ein Vorhaben mit viel Potenzial handle, dies bei moderaten Eingriffen in die Natur. Nirgendwo sonst im Kanton Luzern gebe es einen so geeigneten Standort wie in der Lammschlucht. 

Flühli hätte einen Nutzen

Beim zuständigen Departement des Kantons Luzern, dem Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement, heisst es, der Regierungsrat müsse das Urteil zunächst eingehend analysieren, bevor er Stellung nehmen könne. Zudem handle es sich um ein laufendes Verfahren, das Urteil sei noch nicht rechtskräftig, so die Kommunikationsverantwortliche Mirija Weber. Es bleibe abzuwarten, ob das Urteil weitergezogen werde.

Die Gemeinde Flühli stehe dem Kraftwerkprojekt grundsätzlich positiv gegenüber, obwohl sie nicht direkt involviert sei, sagt Gemeindeammann Hans Lipp. Einen direkten Nutzen hätte die Gemeinde: So könnte im Stollen eine Abwasserleitung eingezogen und in die ARA Talschaft Entlebuch geführt werden. Gespräche mit der CKW hätten bereits stattgefunden, erklärt Lipp. Dies im Hinblick darauf, dass die beiden ARA Sörenberg und Flühli wegen strengerer Vorschriften wohl nicht mehr auf Jahrzehnte hinaus betrieben werden könnten.

08.03.2018 :: Silvia Ben el Warda-Wullschläger
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