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Gefahrenkarte: «Niemand lässt sich gerne etwas von oben diktieren»
Gefahrenkarte: «Niemand lässt sich gerne etwas von oben diktieren» Langnau: Zum zweiten Mal wird das Parlament über die Integration der Gefahrenkarte in die Ortsplanung beraten. Die Vorlage ist unverändert. Jedoch gibts nun mehr Informationen dazu. 
An ihrer Sitzung im Dezember 2016 sollten die Mitglieder des Grossen Gemeinderats (GGR) Langnau über die Integration der neu überarbeiteten Gefahrenkarte in die baurechtliche Grundordnung befinden. Der Grund: Laut Regierungsratsbeschluss sind die Gemeinden verpflichtet, die Gefahrenkarte innert zwei Jahren nach deren Anerkennung in der Ortsplanung umzusetzen. «Anerkannt» ist Langnaus überarbeitete Gefahrenkarte bereits. 2015 fand die öffentliche Mitwirkung zur Integration der Gefahrenkarte in die Ortsplanung statt. Dann folgte die Vorprüfung durch den Kanton und im letzten Herbst eine öffentliche Auflage, in welcher keine Einsprachen erfolgten.
Dennoch fühlten sich die GGR–Mitglieder an der Dezember-Sitzung mangelhaft informiert.

Grössere Gefahren als vor 15 Jahren

Gegenüber der aus dem Jahr 2001 stammenden Gefahrenkarte sind im überarbeiteten Werk die Abflusswerte der Ilfis und deren Nebenbäche erheblich höher eingetragen. Die Häufigkeit und Intensität der Hochwasser haben zugenommen. Aus diesem Grund sind nun viel mehr Liegenschaften von den Wassergefahren der Ilfis betroffen. «Was bedeutet das für Langnau konkret, was kommt finanziell auf uns zu?», wollten mehrere GGR-Mitglieder wissen. Sowohl die Botschaft zu diesem Geschäft als auch die Ausführungen durch Gemeinderat Bernhard Gerber vermochten offenbar nicht genügend Klarheit zu schaffen.
Klar war unter diesen Umständen bald, dass das Gemeindeparlament die Vorlage nicht in der ersten Lesung wird genehmigen können.
Gemeinderat Bernhard Gerber bringt für die Kritik an diesem Geschäft zwar ein gewisses Verständnis auf. Insbesondere der Umstand, dass der Kanton dies angeordnet habe und der GGR gar nicht frei entscheiden könne, stosse vielen sauer auf. «Niemand lässt sich gerne etwas von oben diktieren.» Eine Ablehnung bringe aber nichts. Bei Baubewilligungsverfahren müsse die Gefahrenkarte in jedem Fall beigezogen werden.

Vorlage unverändert, aber mehr Infos
An der nächsten Sitzung vom 20. März wird sich das Parlament erneut mit diesem Geschäft auseinandersetzen. «Der Gemeinderat wird die Vorlage in der zweiten Lesung unverändert vorlegen», kündet Bernhard Gerber an. Trotzdem: Ganz gleich wie an der letzten Sitzung präsentiert sich die Situation nicht mehr. Der Gemeinderat hat an einer Info-Veranstaltung das Geschäft nun konkreter erläutert – unter anderem das Hochwasserschutzkonzept für die Ilfis. Laut der Botschaft des Gemeinderats werden in diesem Hochwasserschutzkonzept die Schwachstellen, mögliche Massnahmen für die Behebung und die ungefähren Kosten aufgezeigt. Entlang der Ilfis sind vier Hochwasserschutzobjekte vorgesehen. Die Kosten hierfür  werden auf 6,5 bis 15 Millionen Franken geschätzt. Aktuell zahlen Bund und Kanton rund 60 Prozent an solche Hochwasserschutzmassnahmen. «Es war sicher gut, dass wir jetzt auch über Zahlen informieren konnten», sagt Bernhard Gerber.
Er sei zuversichtlich, dass das Parlament dieses Mal dem Geschäft zustimmen werde, wenn vielleicht auch ohne grosse Begeisterung. Optimistisch stimmt ihn auch, dass weder Um- oder Auszonungen noch Anpassungen der Zonenvorschriften vorgenommen werden müssten.
Was, wenn der GGR das Geschäft dennoch ablehnt? Laut Daniel Wachter, Vorsteher des Amts für Gemeinden und Raumordnung, muss die Gefahrenkarte aus Gründen der Rechtssicherheit und der Transparenz in die Ortsplanung übernommen werden. «Wenn eine Gemeinde dies nicht tut, könnte für sie das Risiko von haftungsrechtlichen Konsequenzen bestehen», so der Amtsvorsteher. Im Kanton Bern müssten etwa 50 Gemeinden diesen Schritt noch vollziehen. Je nach Gefahrensituation sei der zeitliche Druck unterschiedlich gross.
Jede Gemeinde muss gültige Gefahrenkarte haben
Seit Ende 2013 verfügt jede Berner Gemeinde über eine Gefahrenkarte. In Langnau bestand eine solche bereits seit 2001. «Jeweils nach Naturereignissen wird geprüft, ob die Karte noch stimmt, ob sie angepasst werden muss oder ob mit entsprechenden Schutzmassnahmen einem weiteren Schaden vorgebeugt werden kann», sagt Christoph Matti, Projektleiter Wasserbau beim Oberingenieurkreis IV, der für den Oberaargau und das Emmental zuständig ist. In Langnau habe sich gezeigt, dass die bestehende Gefahrenkarte zu optimistisch gewesen sei. Für deren Anpassung sind die Gemeinden zustän­dig. Beauftragte Ingenieurbüros erstellen die Gefahrenkarte auf Grund von Rechnungsmodellen und Begehungen. Mit einbezogen werden Fliessgewässer, Murgänge und Erdrutsche. Im Rechnungsmodell heute noch nicht berücksichtigt wird das Oberflächenwasser. «Bei den zunehmend trockenen Böden im Sommer kann dieses nicht abliessen und so zunehmend zum Problem werden», sagt Christoph Matti. Deshalb werde das Oberflächen­wasser an potenziell gefährdeten Stellen meist zumindest als Hinweis in der Gefahrenkarte aufgeführt.
09.03.2017 :: Jakob Hofstetter
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