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Freiwilligenarbeit ist rückläufig
Heimisbach: Anlässlich der Jahressitzung der Kirchlichen Bezirkssynode Oberemmental sprach Markus Freitag über
Freiwilligkeit als soziales
Kapital der Schweiz.
Der Referent Markus Freitag ist ordentlicher Professor und Direktor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bern. Er beleuchtete verschiedene Aspekte der freiwilligen Arbeit, die nicht nur in der Kirchgemeinde eine wichtige Rolle spielt. «Wenn jemand seinen Haushalt besorgt und die Familie betreut, ist das nicht freiwillige Arbeit», erklärte Freitag. Freiwilligkeit liege vor, wenn man sich für etwas engagiere, das niemand von einem verlangen könne und das nicht vergolten werde. Als Beispiele nannte er Nachbarschaftshilfe, Trainingsleitung im Verein, Ämter in Klubs oder auch in der Gemeinde. Verglichen mit anderen Ländern sei die Schweiz mit 700 Millionen geleisteten Stunden, die 5,5 Prozent des Bruttosozialprodukts ausmachten, an zweiter Stelle hinter Holland. Das freiwillige Engagement sei ein Grundpfeiler des sozialen Miteinanders und des Zusammenlebens, so der Redner, und leider, wie die Statistik beweise, zunehmend rückläufig.

Warum weniger Engagierte?

Laut Markus Freitag führen veränderte Familienstrukturen dazu, dass man weniger Zeit habe. So würden Frauen vermehrt auswärts arbeiten. Auch Individualisierung, Egoismus und die Angst, Verantwortung zu übernehmen, seien Zeichen des Zeitgeists. Als weitere Punkte zählte der Referent auf:
• Zunahme Immigration: Andere Sitten und fehlende Integration in die Gesellschaft
• Technologische Entwicklung: Freizeitverhalten, Facebook statt Freunde, Internet statt Läden, Post- und Bahnschalter
• Wohlstand und staatliche Aktivität: Man ist nicht mehr aufeinander angewiesen.

Unterschiedliche Motivationen
Die Gründe für Freiwilligkeit sind unterschiedlich: Zählt bei Älteren der Helferwille und das Dazugehören, suchen Jüngere Erfahrungen und Nutzen für die spätere Laufbahn. Werde hingegen Freiwilligkeit zur Pflicht, etwa in Armee, Zivildienst, Pflege und Betreuung oder Schule, müsse mit Qualitätseinbussen gerechnet werden, so Markus Freitag. Einsicht zur Notwendigkeit eines Engagements solle durch Erziehung und Vorbild im Elternhaus vermittelt werden. Auch engagierte Lehrer und Schulprojekte könnten den Willen, Gutes zu tun, fördern.
In manchen Gemeinden werden Modelle des gegenseitigen Gebens und Nehmens ausprobiert. Zum Beispiel mit «Kiss» (keep it small and simpel): Geleistete Arbeit wird gutgeschrieben und kann später bei Bedarf für sich eingefordert werden.  Freitag hat zum Thema auch ein Buch verfasst und empfiehlt dieses «zur Förderung des Miteinanders im Alltag». Er habe 150 einfache Ideen zusammengesucht, mit denen jedermann etwas bewirken könne, etwa «sich auf der Strasse begrüssen, Blutspenden oder Spielnachmittage im Quartier», zählte Freitag auf.
16.03.2017 :: Gertrud Lehmann
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