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Feinschliff für die Zehntel-Sekunden-Jagd
Feinschliff für die Zehntel-Sekunden-Jagd Moto2-WM:

Thomas Lüthi ist auf den Geschmack gekommen. Dieses Jahr soll ein weiterer Titel her. «Aber da oben an der Spitze ist die Luft sehr dünn», sagt der 30-Jährige.



Thomas Lüthi hat im vergangenen Jahr als Vize-Weltmeister der Moto2-Klasse sehr Vieles richtig gemacht. Und dementsprechend wenig falsch. Oder anders gesagt: In der Vorbereitung zur bevorstehenden Saison brauchte der vierfache Grand-Prix-Sieger des letzten Jahres nur einen Feinschliff. «Warum sollte ich über den Winter alles auf den Kopf stellen? Ich bin doch gut gefahren damit, wie ich die letzte Saison angegangen bin und hinter mich gebracht habe.» Der Vize-WM-Titel 2016 in der Moto2-Klasse war Lüthis bestes Gesamtresultat seit seinem ersten und bisher einzigen Titelgewinn 2005, damals noch in der Achtelliterklasse. Lüthis erfolgsversprechendes Team rund um Chef
techniker Gilles Bigot ist bis auf einen neuen Mechaniker dasselbe wie 2016. «An meinem Fitnessprogramm über den Winter habe ich wenig geändert, es hat ja ebenfalls funktioniert. Dieser Meinung war auch mein Coach Roman Blaser von Sportzentrum Aemme Fit in Lützelflüh», sagt Lüthi.

 

Lüthi weiss, wo er schrauben muss

Was er während der letzten Motorrad-WM falsch gemacht oder was letztlich die Differenz zu Weltmeister Zarco ausgemacht hat, weiss Thomas Lüthi genau. «Ich habe sicher nichts falsch gemacht während meiner Vorbereitung über den Winter. Mir fehlte am Ende die Konstanz auf der Rennstrecke oder bei den Resultaten. Vor allem in der ersten Hälfte der Töff-WM 2016 bis zum Sommer schlichen sich bei den GPs von Holland und Deutschland zwei Nuller ein. Diese Punkte fehlten mir Ende Saison oder eben für den Titelgewinn», erklärt Lüthi rückblickend. Eine Rechnung, die, Handgelenk mal Pi, aufgeht: 25 Punkte erhält ein Fahrer pro Sieg, also deren 50 für zwei Erfolge – 42 Zähler fehlten Tom Lüthi nach dem Saisonfinale 2016 in Valencia (E) auf Zarco. «Mit meinen drei Siegen in der zweiten Saisonhälfte habe ich die Vizeweltmeisterschaft gewonnen. Den Titel habe ich aber in der ersten Hälfte verloren,» erklärt Thomas Lüthi.

 

Auch mal Pause machen 

Über den vergangenen Winter arbeitete Thomas Lüthi also wie gehabt und erfolgsorientiert an seiner physischen und psychischen Verfassung. «Ich bin fit und bereit für die Töff-WM 2017», sagt er denn auch entspannt. Aber wie verpasst er sich den entscheidenden Feinschliff, mit welchem er dieses Jahr Moto2-Weltmeister werden will? Einen Körper kann man trainieren – mit der Konstanz, die eben 2016 fehlte, geht das in einem Fitnessraum kaum. «Das ist richtig. Die Konstanz kann ich über den Winter und ohne Rennen nicht beeinflussen. Es geht im Endeffekt eher darum, dass der Sportler spürt: Ich bin fit! Ich bin parat! Ich habe Kraft und Ausdauer gebüffelt. Wenn ein Sportler sich das sagen kann, dann ist das auch gut für seinen Kopf. Das macht ihn mental stärker», erklärt Lüthi. «Ebenso wichtig ist aber auch, dass man sich während einer Vorbereitung nicht nur antreibt, sondern auch mal zurücklehnt, relaxt, den Kopf frei bekommt.»

 

Feinschliff auf der Strecke 

Also muss sich Lüthi den Feinschliff auf der Rennstrecke und während der Motorrad-WM holen – und das ist, der Emmentaler weiss es als Ex-Weltmeister genau – der härteste Teil der Arbeit. «Da oben an der Spitze ist die Luft sehr dünn», sagt Lüthi und nickt zustimmend. «Wenn ich auf einer Runde vier Sekunden auf die Spitze verliere, so ist es verhältnismässig einfach, drei Sekunden gut zu machen. Die Suche nach Fehlern wird aber ungemein schwieriger und komplizierter, wenn zur Spitze nur vier oder fünf Zehntelsekunden fehlen. Diese Detailarbeit ist aufreibend. Diese Bausteine richtig zusammenzusetzen ist anstrengend.» Bei den mehrtägigen Testfahrten Anfang März im spanischen Jerez verlor Lüthi rund eine halbe Sekunde auf den Trainingsschnellsten Alex Marquez (E), den jüngeren Bruder von Marc Marquez, dem dreifachen und aktuellen Weltmeister der Königsklasse MotoGP. Bei den abschliessenden Tests vergangenes Wochenende in Katar waren es auf Spitzenreiter Franco Morbidelli (I), den WM-Vierten 2016 der Moto2, „nur“ noch 0,3 Sekunden.

 

Stürze gehören dazu

Erschreckender war gemäss Medienberichten, dass Lüthi in Jerez unüblich oft stürzte. «Diese Stürze waren nicht schlimm. Ich bin viel mehr hingefallen», sagt der Emmentaler mit einem Lächeln. «Klar, das zeigt, dass ich noch nicht da bin, wo ich hin will. Aber dramatisieren muss man diese Stürze nicht.» Lüthi fehle noch etwas das Gefühl für das Vorderrad seines Kalex-Motorrades. Ohne dieses Gefühl fehlt die Sicherheit – und damit die Gewissheit, dass ein Pilot eine Kurve richtig schnell und erfolgreich unter die Räder kriegt. Weshalb aber fehlt ihm denn das Gefühl für eine Maschine, die er doch aus dem letzten Jahr bestens kennt und damit erfolgreich unterwegs war? Gleich ist nur der Name Kalex, erklärt Lüthi, aber das Chassis ist neu – und damit auch die Möglichkeiten, um das Motorrad einzustellen, sprich: schnell und sicher zu machen. «Nun fängt eben die Detailarbeit an», hält Lüthi fest. Nervös macht das den 30-jährigen Routinier vor seiner mittlerweile 15. WM-Saison aber nicht. «Wie gesagt: Ich bin bereit für die Titeljagd».

 



23.03.2017 :: Werner J. Haller
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