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«Es war ein Vernunftsentscheid – gegen mein Herz»
«Es war ein Vernunftsentscheid – gegen mein Herz» Bob:

Sein Stern leuchtete hell am Firmament des Bobhimmels. Das ist nun vorbei: Während die Bobs schon wieder den Eiskanal runterflitzen, hadert Clemens Bracher mit seinem Entscheid.

Der Schweizer Bobverband, Swiss Sliding, hat diesen Sommer diverse Entscheide getroffen, welche weitreichende Konsequenzen haben und nicht bei allen für Verständnis sorgten. Eine Folge aus dem Strategie-Entscheid des Verbands – vermehrt den Nachwuchs zu fördern – trifft den 31-jährigen Bobpilot aus Wasen, Clemens Bracher, derart hart, dass er sich schweren Herzens diesen Sommer entschlossen hat, seine Bob-Karriere zu beenden. «Mindestens vier Jahre zu früh», sagt er selber, wie auch die Kenner der Schweizer Bobszene. Denn nun fehlt die Gallionsfigur, der Schweizer Hoffnungsträger im Eiskanal. Die Nachwuchspiloten sind zwar ambitioniert, haben aber noch nicht genug Erfahrungen, um Spitzenplätze zu belegen.

 

Clemens Bracher, seit Sie Ihren Entscheid gefällt haben, sind einige Monate vergangen. Wie geht es Ihnen aktuell?

Mir ist es auch schon besser gegangen. Jetzt, wo die Bobsaison wieder begonnen hat und meine ehemaligen Kollegen im Eis sind, merke ich schon, dass das Thema im Herzen noch nicht ganz abgeschlossen ist. Schliesslich war ich acht Jahre lang mit dabei, jetzt auf einmal nicht mehr. Ich glaube, da ist es normal, dass man etwas traurig ist. Aber schlussendlich war es für mich der richtige Entschluss – ein Vernunftsentscheid – auch wenn es gegen mein Herz ist. 

 

Sie begründeten den Enschluss mit dem finanziellen Riskio. Aber der Verband spielte auch eine Rolle?

Das Geld hätte ich zehn Tage nach meinem Rücktrittsentscheid zusammen gehabt, aber da hatte ich mich schon entschieden. Es ging schlussendlich auch um die Teamzusammensetzung. Für mich war klar, dass ich nochmals an die Olympischen Spiele wollte und zwar nicht nur, um teilzunehmen, sondern, um eine Medaille zu gewinnen. Daher hatte ich einen Vier-Jahres-Plan aufgestellt. Grundsätzlich war der Verband meiner Meinung, jedoch kam die Nachwuchsförderungs-Strategie dem in die Quere. Ich hätte meine Vision nur erfüllen können, wenn ich mit den besten drei Anschiebern der Schweiz hätte weiterarbeiten können. Da jedoch zwei meiner Anschieber selber Ambitionen haben einen Bob zu steuern und der Verband das entsprechend unterstützt, wurde mir der Verbands-Entscheid zum Verhängnis. 

 

Für diesen Entscheid wurde Swiss Sliding auch kritisiert. Nun hat die Schweiz aktuell keine erfahrenen Spitzen-Bobpiloten mehr.

Ich will ganz sicher nicht die Schuld dem Verband zuschieben. Dass die zwei anderen Piloten, Beat Hefti  und Rico Peter, ihre Karrieren beenden würden, wusste man schon vorher. Für die Schweiz wird es auf jeden Fall schwierig, in den nächsten Jahren an frühere Erfolge anzuknüpfen. Dies, weil der Verband in den letzten Jahren den Nachwuchs vernachlässigt hat. Jetzt aber setzt er vollumfänglich auf den Nachwuchs und hat dabei vergessen, dass es eigentlich gut wäre, wenn die Jungen ein gutes Vorbild hätten. Das sage ich jetzt nicht, weil ich gerne dieses Vorbild gewesen wäre, sondern weil es mir leid tut, dass die Jungen ihre Erfahrungen nicht im Schatten eines «Schweiz-1-Bobs» machen können, sondern schon jetzt, während ihren ersten Fahrten sich den Kritikern und den Medienleuten vollumfänglich präsentieren müssen. Aber mir hätte ja schlussendlich auch keiner Danke gesagt, wenn ich mich persönlich in den finanziellen Ruin getrieben hätte.

 

Ganz abgeschlossen haben Sie mit dem Bobsport aber doch noch nicht?

Es gibt eine einzige Chance, die mich wieder zum Bobpiloten machen würde: Wenn meine Anschieber ihre Piloten-Ideen begraben würden und wir wieder als das Team, das wir letztes Jahr waren, antreten könnten, samt dem Mechaniker, den wir ja schon hatten und dem schnellen Material, dann würde ich wieder fahren. Und ich bleibe auch beim Athletik-Training dran, denn ich möchte ja nicht sagen müssen, das Projekt sei gescheitert, weil ich nicht in Form war. Aber eben, die Wahrscheinlichkeit, dass das eintrifft, ist fast gleich null.

 

Haben Sie andere sportliche Ziele?

Ja, ich spekuliere darauf, nächstes Jahr am Mehrkampf des eidgenössischen Turnfestes mitmachen zu dürfen. Dazugekommen bin ich über den Sportklub Langnau, dem ich seit 2013 angehöre. 

 

Das heisst, Sie sind nach wie vor körperlich sehr fit?

Ja, ich würde sogar sagen: So fit wie noch nie. Denn ohne Druck des Saisonbeginns lässt sich viel freier trainieren. Ich erlaube mir auch mal eine Pause und wenn ich mal einen Abend wirklich nicht mag, gehe ich für einmal nicht trainieren. Das wiederum gefällt mir sehr, dass ich mir auch Zeit nehmen kann auf meinen Körper zu hören.

28.12.2018 :: Olivia Portmann
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