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Erhebende Sicht auf die Welt
Erhebende Sicht auf die Welt Trubschachen:

Die 20. Kunstausstellung -Trubschachen ist eröffnet. Während drei Wochen sind in zwei Schulhäusern bedeutende Werke von Schweizer Künstlerinnen und Künstlern zu bewundern. 


 

In sanften Gelbtönen leuchtet der Himmel hinter den Bergen. Auf dem Bild «Sera d‘inverno» des Schweizer Künstlers Giovanni Giacometti ist es Abend geworden, doch die Luft scheint über den schneebedeckten Feldern noch immer zu flimmern. So, als ob sich das Licht der einsetzenden Dämmerung nicht beugen möchte. Diese luminöse Wirkung ist der Technik des Divisionismus geschuldet. Es sind unzählige kleine Pinselstriche, die ein Leuchten und Flimmern aus sich heraus bewirken. Giacometti versuchte, mit diesem Stil die Anwesenheit des Göttlichen in der ganzen Schöpfung sichtbar zu machen. 

Eine solche Suche nach Sinn, Wahrheit und Schönheit im Leben zeichnet das Werk vieler grosser Künstler aus. Für das Ausstellungsteam der 20. Kunstausstellung Trubschachen unter der Leitung von Ruedi Trauffer ist es wichtig, dass die gezeigten Exponate eine neue und erhebende Sicht auf die Welt erlauben. So lautet das diesjährige Motto: «Mit neuen Augen schauen». Oscar Kambly, Präsident des Organisationskomitees, führt die Grundidee bei seiner Ansprache an der Eröffnungsfeier mit folgenden Worten aus: «Unser Ziel ist es, dass ein tiefes Kunsterlebnis das enge Gefängnis unserer alltäglichen Sinneswahrnehmung durchbrechen kann und dass etwas, das grösser ist als wir, in unseren Tag hineinscheinen möge.»

Konzentriert auf das Wesentliche

Durch ihren Besuch an der Vernissage bestätigt Bundesrätin Simonetta Sommaruga die Relevanz von Kultur in unserer Gesellschaft. «Ich bin verblüfft, berührt und beglückt darüber, was wir hier in Trubschachen erleben. Kunst, die sonst nur in Museen zu sehen ist, finden wir hier in den Schulstuben, mitten im Dorf, ganz nah bei den Menschen», sagt sie in ihrer feierlichen Ansprache. Später auf dem Rundgang durch das Schulhaus Hasenlehn verrät sie, dass sie die Holz- und Metallskulpturen von Schang Hutter besonders faszinieren: «Einerseits sind seine Figuren total reduziert, aber andererseits erscheinen sie sehr lebendig und emotional. Eine solche Konzentration auf das Wesentliche des menschlichen Daseins ist aussergewöhnlich.»

Ganz anders sind die Plastiken von Niki de Saint Phalle. Im Innenhof des Schulhauses Hasenlehn etwa begegnen die Besuchenden der Ausstellung zwei eindrücklichen Fussballspielern. In dieser Szene, die wohl den Moment kurz vor dem Torschuss darstellt, vereint sich dynamische Körperkraft mit spielerischer Lebensfreude. 

Blau schimmernde Bergriesen

«Waldrand mit Schafherde», «Sonnige Au», «Kornernte»: Das sind Titel von Bildern des Luzerner Künstlers Robert Zünd. Kennzeichnend für seinen Stil sind idealisierte Naturlandschaften, in denen das Sonnenlicht das satte Grün der Wiesen und Bäume belebt. In weiteren Hasenlehn-Klassenzimmern gibt es neben stimmungsvoller Porträtmalerei von Clara von Rappard auch das «Bildnis Giulia Leonardi» und blau schimmernde Bergriesen von Ferdninand Hodler zu sehen. 

Der Spaziergang zum Schulhaus Dorf ist eine kleine Zeitreise; dort befindet sich der zweite Teil der Ausstellung mit Vertretern der zeitgenössischen Kunst. In einem der Zimmer erinnern die liebevoll stilisierten Bilder von Ueli Güdel an schöne Kinder-Bilderbücher, während man in einem anderen in die hypnotisierende Welt von Hans Kohler eintauchen darf. 

 

20. Kunstausstellung Trubschachen: «Schweizer Kunst von
F. Hodler und G. Giacometti bis heute.» 1. bis 23. Juli 2017, täglich geöffnet 10-21 Uhr, www.ausstellung-trubschachen.ch


 

«Dem Hässlichen so viel Schönes wie möglich entgegenstellen»

Die Kunstausstellung Trubschachen geht zurück auf ein Schlüsselerlebnis, das der angehende Lehrer Walter Berger (1906 – 1981) aus Trubschachen während des Lehrerseminars in den 1920er-Jahren hatte. Es war die Begegnung mit grosser Kunst, die ein fortan brennendes Feuer in ihm entfachte: «Das müssen meine Schülerinnen und Schüler, überhaupt die Leute meines Dorfes, auch kennenlernen.» 

Vor allem begeisterte Walter Berger die Schönheit gegenständlicher Kunst, die sich gebildeten Augen offenbart. «Je früher die Bildung geschieht, desto leichter der Eintritt und desto tiefer die Eindrücke», war seine Erkenntnis. So kam es, dass der Maler Cuno Amiet während nahezu 20 Jahren wechselnde Originalbilder für die Klassenzimmer zur Verfügung stellte. Eine solche Kunstvermittlung passte zu seiner Pädagogik, die er nach Pestalozzis Leitbild von «Kopf, Herz und Hand» ausrichtete. 

«Das Bild fängt an zu leben»

Es folgten in den 1950er Jahren vorerst kleinere Ausstellungen, die Berger mit viel Hingabe und Sachkenntnis organisierte. Damit auch die Leute aus dem Dorf einen Zugang zu den Werken von Albert Anker oder Ferdinand Hodler fanden und deren Kostbarkeit schätzen lernten, bot er persönliche Führungen an. Sein langjähriger Freund Theo Schürch sagte dazu: «Er hat die geniale Fähigkeit, den Betrachter zu einer Zwiesprache mit dem Bild anzuregen. Wenn man Walter Berger so erzählen hörte, fing das Bild an zu leben.»

Der offizielle Startschuss einer grossen Gemäldeausstellung war im Jahr 1964. Sie trug den Titel «Schweizer Maler – Hodler und seine Nachfolger». Deren Zielsetzung formulierte Berger folgendermassen: «Trubschachen will seine Besucher erfreuen und sie erfüllt und froh gestimmt entlassen. Uns scheint es, dass es nötig ist, all dem Hässlichen, das wir Menschen täglich in die Welt setzen, so viel Schönes wie nur möglich entgegenzustellen.» Dieses Konzept ist bis heute erfolgreich, die Kunstausstellung Trubschachen etablierte sich damit über die Jahre als respektabler Event mit nationaler Ausstrahlung. 


 

06.07.2017 :: Stephan Ruch
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