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Erb-Schleicher wider Willen
Familiennamen sind für mich eine unerschöpfliche Quelle der Freude. Insbesondere faszinieren mich die wunderwitzigen Namensgebilde infolge Verheiratung. Onkel Theo bezeichnet diese zwar gerne als «nominelle Kollateralschaden der amtlich-offiziellen Zusammenführung zweier Menschen» – für mich sind und bleiben es aber überraschend-fröhliche Blüten der Liebe.
Möglicherweise gründet meine Freude an aussergewöhnlichen Familiennamen überhaupt in der Behauptung meines Onkels, er sei im Besitz einer Ansichtskarte mit dem Wortlaut: «Es grüssen herzlich die frischvermählten Linard und Regula Ganzoni-Hösli aus der Felsentherme Vals.» Der Wahrheitsgehalt von Theos Aussage lässt sich allerdings, wie bei ihm so oft, nicht ergründen; besagte Karte blieb über all die Jahre unauffindbar, zudem scheinen komischerweise auch Leute weit abseits von Theos Bekanntenkreis vom Paar aus dem Graubünden gehört zu haben.
Wie dem auch sei, meinem Interesse an der Sache tat das bislang keinen Abbruch – einzig der gesetzgebenden Behörde wäre es vor ein paar Jahren beinahe gelungen, mir meine kleine Freude durch das Verbot von Doppelnamen zu vergällen. Zum Glück nur beinahe, denn der so genannte Allianzname – der mit Bindestrich – bleibt weiterhin erlaubt. So dürfen Max und Sophie Riesen-Hunger also weiterhin unter vollem Namen im «Kreuz» reservieren, und wenn ihnen im «Lenker Sommer» danach ist, versenden Ernst und Thesi Wetter-Frösch auch künftig ihre Feriengrüsse vom Leiterli aus. Sympathisch einerseits, wenn Elena Bello-Wuffli weiterhin den Allianznamen verwendet und verständlich anderseits, wenn Hotelier Claude Schmutz nach der Heirat mit Fräulein Fink diesen tunlichst meidet.
Nun, unsere Namen können wir nicht selber wählen, und in aller Regel lassen sich Amors Pfeile nicht gezielt lenken. Corinne Scheiben ist also völlig unschuldig, wenn sie sich am Strand von Follonica in Michele Caputo verguckt, und Albert Griess braucht sich auch nicht zu hintersinnen, wenn er ausgerechnet Jeanette Köpfli süss findet. Aber – und das sind ja wohl die Fragen, die mich im Grunde bewegen – wie ist das in der Realität, welche Prozesse laufen in just jenem Moment ab, in dem zwei Verliebte sich der Kombinationsform ihrer Familiennamen bewusst werden? Was läuft ab in den Köpfen von Karl Immer und Vreni Hässig, von Peter Riesen und Sonja Gaudy, von Jonas Dauer und Sibylle Motzer oder Marc Leise und Barbara Zweifel?
Ob Liebe und Selbstbewusstsein stark genug sind – oder ob sich doch leise Zweifel einschleichen? 
23.02.2017 :: Dieter Sigrist-Schüpbach (gähn...)
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