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Endo Anaconda: «Begegnungen sind das Salz des Lebens»
Endo Anaconda: «Begegnungen  sind das Salz des Lebens» Trub:

 «Stiller Has» geht in
frischer Formation und mit neuen Liedern auf Tour. Endo Anaconda sprach im Vorfeld
über die neue Platte, das Mensch-Sein und Weltschmerz.


 

Nachts, wenn die Sterne über dem Emmental wachen, wird ein Küchentisch im Emmental zur Kreativschmiede. In den Hügeln bei Fankhaus schrieb Endo Anaconda im vergangenen Jahr die Texte zu seinem gerade erschienenen Album «Endosaurusrex». Seit 15 Jahren hat er schon eine Wohnung hier. Vor einem Jahr machte er sie zu seinem Hauptwohnsitz. Das Emmental ist eine Idee von Heimat für ihn, der Ort, wo der Geruch seiner Kindheit weht. In Burgdorf geboren und in der Heimat seiner Mutter, in Österreich, aufgewachsen, verbrachte er die Sommerferien immer bei seinen Grosseltern in Trachselwald. Auch in Österreich hätte er mit Sicherheit seinen Weg gemacht, doch er wollte zurück in die Heimat seines Vaters. «Es war ein Mythos», erzählt er mit Schalk, «man kann gar nicht weg, es ist überall schrecklich.» Die Worte sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass er der Schweiz und besonders seiner Wahlheimat, dem Emmental, sehr verbunden ist.

Weltschmerz ertragen

Es sind die Worte eines tiefgründigen Denkers, der mit sich und den Menschen um sich herum in Beziehung steht. Begegnungen sind ihm wichtig, er bezeichnet sie als «Salz des Lebens». Deswegen wird man ihn eher in kleinen Läden und an Kiosken antreffen als in grossen Supermärkten. Endo Anaconda ist ein Beobachter, dem das Weltgeschehen manchmal schwer auf der Seele lastet. Angefangen bei seiner kritischen Haltung zu Subventionen für heimische Landwirte statt fairer Preise bis hin zu globalen Themen. «Probleme können wir nicht mit der Schneekanone wegschiessen», befindet er. «Es geht darum, das zu verteidigen, was gut ist, auch für die, die nach uns kommen.» Gut, gibt es die Musik, sein Lebenselixier, sein Medium, mit dem er seine Gedankenwelt mitteilen kann. «Früecher isch alles besser gsi u hüt isch’s no vil schlimmer u we mir alli no vil blöder wärde, när git’s üs plötzlech nüm», singt er in seinem neuen Lied «Endosaurusrex». 

Er wünscht sich im menschlichen Miteinander mehr Objektivität und weniger «Fakekultur» und verliert über aller Nachdenklichkeit nie die kostbare Gabe, über sich selbst lachen zu können. Von diesen Qualitäten ist unser Gespräch getragen. Einem ernsten Einwurf über Weltpolitik folgt auch wieder ein Witz, ein tiefes kehliges Lachen und eine Geschichte über seine Kinder. 

Denken erwünscht

Endo Anaconda ist ein Mensch, der Spuren hinterlässt, er mag polarisieren, doch er ist dabei schwer zu ignorieren. In seiner eigenen impulsiven Art ist er authentisch, und das spiegelt sich in seiner Musik wieder – macht ihn zum Original. Das, was er besingt, beschäftigt ihn, und das, was ihn beschäftigt, findet sich in seinen dichten lyrischen Texten wieder. 

Auf der kommenden Tour wird das Publikum «ein alter Has im neuen Pelz erwarten», erklärt der Sänger und schmunzelt. Nach sieben Jahren Konstanz in der Band ist er musikalisch experimentierfreudiger und in neuer Musikerformation unterwegs. Noch einmal alles neu, für das Finale einer langen, erfolgreichen Karriere? Man wird sehen. «Bis ich 65 Jahre alt bin, möchte ich auf jeden Fall noch auf der Bühne stehen», erzählt er. Was danach ist? Das wird sich zeigen. Seine Fans werden ganz eigennützig hoffen, dass der Sänger mit der unverwechselbaren Stimme recht behält, wenn er selbstironisch erklärt: «Ich befürchte, der Herr wird mich mit einem hohen Alter quälen». 

 

 

Konzert: Samstag, 18. März, 20 Uhr, Kupferschmiede Langnau. Reservation über www.paragraph-k.ch

 

16.03.2017 :: Stephanie Schmid
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