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Einst Notgroschen, heute Hypothek: Der Wald im Wandel der Zeit
Einst Notgroschen, heute Hypothek: Der Wald im Wandel der Zeit Bärau:

Das 66. Bäreggforum am Inforama Emmental stand im Zeichen der Waldbewirtschaftung. Dem Inputreferat von Revierförster Beat Reber aus Trub folgte ein Podiumsgespräch

Auf Einladung des Ehemaligenvereins Schwand-Bäregg und des Info-rama Emmental besuchten rund 200 Personen das 66. Bäreggforum. Das Thema des Podiumsgesprächs, «Wald sinnvoll bewirtschaften», stiess bei Waldbesitzern und Behördenvertretern der Region auf reges Interesse. Moderiert wurde der Anlass von der ehemaligen Telebärn-Journalistin Michelle Renaud.

Einleitend erinnerte der Truber Revierförster Beat Reber an die mit 440 Kubikmeter pro Hektare überdurchschnittlich hohen Holzvorräte in den hiesigen Wäldern. Die überalterten Baumbestände seien bezüglich Sturmschäden und Käferbefall extrem an-fällig. «Schadenereignisse wie Sturm Burglind schlagen logischerweise auf die Psyche der Waldbesitzer und sind – gepaart mit dem tiefen Holzerlös – eigentliche Motivationskiller.» Starkholz mit einem Brusthöhendurchmesser von über 50 Zentimeter sei heute nicht mehr gefragt. Kleinere Stämme seien qualitativ besser. «Wer nicht holzt, macht den Nachkommen keinen Gefallen», erklärte Reber. Er prognostizierte zudem, dass sich infolge der globalen Klimaerwärmung bis Mitte des Jahrhunderts der traditionelle Fichten- und Weisstannenbestand im Emmental massiv reduzieren werde. Auf diesen Umstand müsse im Jungwald mit einer vielfältigen, klimare-sistenten Baumarten-Palette reagiert werden. «Wir müssen vorausschauen und vermehrt unternehmerisch denken, denn es besteht die grosse Gefahr, dass sonst viel Wissen und Interesse am Wald – unserem einzigen Rohstoff – verloren geht», ermahnte Reber die Anwesenden. 

«Waud isch nid nüt!»

Einer, der über das nötige Fachwissen und viel Erfahrung verfügt, ist Landwirt Fritz Fankhauser aus Trub. Seit 1986 bewirtschaftet er seine 40 Hektaren Wald selber. «Vor dem Sturm Lothar war der Wald das Sparheft der Bauern und die Holzpreise doppelt so hoch wie heute.» Seither hätten sich diese leider nie mehr erholt, erzählte Fankhauser. Dank der Eigenleistungen habe sich die Holzerei für ihn jedoch immer gelohnt. «Waud isch nid nüt!», sagte er und bezeichnete die freien Holzimporte als ungute Sache. Wer nicht Schweizer Holz verbaue, sollte seiner Meinung nach ein schlechtes Gewissen haben.

Branchenfremde Waldbesitzer 

Im Kanton Bern sind 54 Prozent des Waldes in Privatbesitz. Die Durchschnittsgrösse einer Parzelle beträgt zweieinhalb Hektaren. Da vermehrt ältere, branchenfremde oder auswärt-ige Personen Waldeigentümer seien, biete die Emmentaler Wald und Holz GmbH sogenannte Bewirtschaftungsverträge an, erklärte Geschäftsführer Beat Zaugg. «Damit können wir eine professionelle Waldbewirtschaftung mit grösseren Schlageinheiten bewerkstelligen und die Kosten positiv beeinflussen.» Wenn es nicht gelinge, den Wald kostendeckend zu bewirtschaften, so habe das Problem im Schadenfall die Öffentlichkeit zu tragen, denn es bestehe keine Bewirtschaftungspflicht», warnte Beat Zaugg.

Thomas Lädrach, Leiter der Olwo-Sägewerke in Worb und Erlenbach sowie Präsident der Holzindustrie Schweiz, verwies ebenfalls auf die starke Überalterung des Baumbestandes im Voralpengürtel. Heute würden mehr als die Hälfte der Massenprodukte aus den umliegenden EU-Ländern importiert. Sogar die Kartoffel-Paloxen gehörten leider in diese Kategorie. Das Herkunftslabel CH-Holz sei im Handel jedoch spürbar. «Holz ist der Baustoff der Zukunft. Bereits ist daraus ein Hochhaus-Prototyp konstruiert worden.»

Nasslager wären gut gewesen

In den nächsten 15 bis 20 Jahren habe es bei uns noch genug Fichten und Weisstannen. «Durch gezielte Verjüngung müssen die Wälder allerdings fiter werden», ist Lädrach überzeugt. Auf die Frage nach den noch nicht abgeführten Rundholzhaufen vom vergangenen Winter meinte er, dass Nasslager zur Überbrückung der Kapazitätsgrenzen nützlich gewesen wären. Abschliessend stellte Lädrach den Forstunternehmen ein gutes Zeugnis aus: «Sie bilden Fachleute aus und verfügen im Schadenfall über die notwendige Schlagkraft. Darum sollten sie und damit die Sägewerke immer Aufträge haben.» 

14.03.2019 :: Ulrich Steiner
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