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Eine Stimme gab den Ausschlag gegen eine eigene Sekundarschule
Eine Stimme gab den Ausschlag gegen eine eigene Sekundarschule Linden:

Die Sekschüler werden auch weiterhin nach Oberdiessbach gehen. Mit nur einer Stimme Differenz wurde die eigene Sek abgelehnt. Die Stimmbeteiligung lag bei 30 Prozent. 



Es musste ein besonderes Geschäft auf der Traktandenliste stehen, dass so viele Leute in die Mehrzweckhalle Linden strömten. 289 waren es schliesslich, gut 30 Prozent der Stimmberechtigten. Gekommen waren sie vor allem wegen Traktandum 2: «Einführung Sekundarschule Linden». Bereits vor einem Jahr stellte der Gemeinderat denselben Antrag und schon damals fiel das Ergebnis mit fünf Stimmen Differenz denkbar knapp aus, allerdings zugunsten einer eigenen Sekundarschule. Doch dieser Beschluss wurde nach einer Beschwerde von Bürgern durch den Regierungsstatthalter aufgehoben, der Gemeinderat musste nochmals über die Bücher. Er sei im Nachhinein betrachtet dankbar für diese zweite Runde, sagte Gemeindepräsident Thomas Baumann am Mittwoch der letzten Woche vor der Gemeindeversammlung, handle es sich doch um ein umfangreiches und kompliziertes Projekt. 

Zwei Klassen, zwei Modelle

Christian Blum, Gemeinderat mit dem Ressort Bildung, fasste nochmals zusammen, zu welchen Schlüssen die eingesetzte Arbeitsgruppe und der Gemeinderat gekommen sind. Es hätten sich seit dem Infoabend keine neuen Erkenntnisse ergeben. Anhand der Schülerzahlen könne bis ins Schuljahr 2025/26 mit zwei Oberstufenklassen gerechnet werden. Die Räume für eine eigene Sek seien vorhanden, man müsse nicht anbauen. Einen zusätzlichen Raum für das Fach Natur-Mensch-Gesellschaft (NMG) müssten sie in Zusammenhang mit dem Lehrplan 21 sowieso einrichten, erläuterte Blum. Die Gesamtkosten blieben sich in etwa gleich, mit einer eigenen Sek komme es höchstens zu einer leichten Einsparung von 6000 Franken pro Jahr. Christian Blum zeigte auf, welche

 

zwei Schulmodelle in Frage kämen. «Entweder gibt es je eine eigene Mehrjahrgangsklasse für Sek- und Realschüler oder die beiden Oberstufenklassen werden gemischt.» Der Entscheid, welches Modell eingeführt würde, sei noch nicht gefallen; das sei Sache der Schulleitung und des Lehrerkollegiums. 

Schwierige Lehrersuche

Aus Sicht der Gemeinde sei die Integration der Sekundarschule positiv zu beurteilen, betonte Gemeindepräsident Thomas Baumann. Mit dieser Massnahme könne der Schulstandort Linden gestärkt und erhalten werden. Eine Gesamtschule fördere zudem die Attraktivität und Eigenständigkeit der Gemeinde. «Das Projekt ist durchführbar, das haben unsere umfangreichen Abklärungen klar ergeben.»

Dies stellte der Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) «Zusammenarbeit Sekundarstufe 1», Samuel Zimmermann, nicht in Abrede. Auch lobte er die konstruktive Zusammenarbeit in der Arbeitsgruppe. Trotzdem bezeichnete er das Vorhaben als «riesiges Risiko». «Der Aufwand für die Schule wird viel grösser und neue Lehrpersonen zu finden sehr schwierig.» Ziel sei es, jedem Kind die optimale Vorbereitung für eine Lehre oder ein Studium zu bieten. Die Frage stelle sich, was optimal sei. Sie von der IG seien überzeugt, dass sich ein Wechsel negativ auswirken würde.

143:144

Nach diesem Votum und drei Fragen aus dem Publikum schritt der Gemeinderat zur geheimen Abstimmung. Schliesslich verkündete Thomas Baumann das Resultat: 143 Ja-, 144 Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen. «Mit diesem Entscheid ist das Thema Sek Linden definitiv vom Tisch», sagte Baumann. Für Gesprächsstoff am anschliessenden Apéro war mit diesem knappen Resultat gesorgt. 

Deutlicher fiel das Ergebnis bei der Abstimmung zur Rechnung 2016 aus. Gemeinderätin Sandra Walker konnte positive Zahlen vermelden. Der Gesamthaushalt schliesst mit einem Ertragsüberschuss von 64’500 Franken ab; im Budget war ein Defizit von 161’400 Franken prognostiziert. Als Gründe für den guten Abschluss nannte sie etwa Mehreinnahmen bei den Steuern sowie Minderaufwand beim Gewässerunterhalt und den Gemeindestrassen. Der Aufwand im Gesamthaushalt liegt bei 4,8 Millionen Franken. Die Investitionsrechnung schliesst mit Nettoausgaben von 571’000 Franken ab.

Silvia Ben el Warda-Wullschläger



 

«Meinungen waren gemacht»

Der Gemeinderat ist mit seinem Vorhaben, eine eigene Sekundarschule in Linden zu führen, gescheitert. Gemeindepräsident Thomas Baumann nimmt Stellung.

 

Herr Baumann, haben Sie mit einem derart knappen Ergebnis gerechnet?

Ich habe schon damit gerechnet, dass es knapp wird, aber so extrem knapp war dann doch eine Überraschung. So oder so ist es ein demokratischer Entscheid, den es zu akzeptieren gilt.  

 

Wo sehen Sie Gründe für die
Ablehnung?

Die Angst, keine guten Lehrer zu finden für einen gemischten Unterricht, ist wohl der Hauptgrund. Dass Lehrermangel herrscht, ist nicht von der Hand zu weisen und es wäre eine Herausforderung gewesen, geeignete Leute zu finden. Aber von einem extremen Risiko zu sprechen, wie die Interessengemeinschaft es tat, finde ich überzogen. Mit dieser übertriebenen Darstellung ist schlussendlich das gute Einvernehmen zwischen Beschwerdeführern und Gemeinderat unnötig strapaziert worden.

 

Der Gemeinderat befürchtet, dass die Oberstufe gefährdet ist. Offenbar verfing dieses Argument zu wenig.

Im Nachhinein muss ich feststellen, dass eine knappe Mehrheit der Stimmbürger uns das nicht abgenommen hat. Doch die aktuellen Zahlen weisen leider ganz klar in diese Richtung. In ein paar Jahren werden wahrscheinlich alle Oberstufenschüler nach Oberdiessbach gehen müssen. Ich hoffe nicht, dass wir Recht behalten. 

 

30 Prozent der Stimmberechtigten sind an die Gemeindeversammlung gekommen. Eine schöne Zahl.

Das zeigt, dass das Thema viele Bürgerinnen und Bürger interessiert. Es ist wohl auch so, dass die Gegner sehr gut mobilisieren konnten. Immerhin haben knapp 100 Personen bei der IG unterschrieben. Wir vom Gemeinderat haben uns bewusst zurückgehalten in Sachen Werbung für die Sek.

 

Hat der Gemeinderat sich fast ein bisschen zu sehr zurückgehalten?

Wir werden sicher noch analysieren, ob das ein Fehler war, ob wir allenfalls noch mehr Überzeugungsarbeit hätten leisten müssen. Ein engagierteres Auftreten wäre möglicherweise angezeigt gewesen.

 

Auffällig war, dass bis auf wenige Fragen es zu keinen Voten aus dem Publikum kam.

Ich hätte auch eine Diskussion erwartet. Dass diese ausblieb, weist darauf hin, dass die Meinungen bereits gemacht waren. 


 

15.06.2017 :: Silvia Ben el Warda-Wullschleger
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