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Eine neue Wasserleitung, die beiden Gemeinden nützlich sein kann
Eine neue Wasserleitung, die beiden Gemeinden nützlich sein kann Lützelflüh/Rüegsau:

Lützelflüh soll künftig mit Wasser aus Rüegsau versorgt werden. Dies, weil die Schutzzone bei der
Wasserfassung Farbschachen nicht eingehalten werden kann.



Das Wasser, das im Farbschachen in Ramsei gefasst werde, sei qualitativ einwandfrei und in ausreichender Menge vorhanden, sagt Lützelflühs Gemeindepräsident Andreas Meister. Trotzdem sind die Tage dieses Grundwasserpumpwerks gezählt. «Wir können die gesetzlich vorgeschriebene Schutzzone aufgrund der nahen Kantonsstrasse, Gewerbebetrieben und Wohngebieten nicht einhalten.» Zwar laufe die Konzession noch bis 2030, aber das Amt für Wasser und Abfall (AWA) des Kantons dränge seit Jahren auf eine Lösung, erklärt Andreas Meister. Auch die Gemeinde sei über die jetzige Situation nicht glücklich, da sie das Gewerbe einschränke (siehe Kasten). Seit rund 20 Jahren würden sich die Behörden immer wieder mit diesem Thema befassen, so Meister. Lange sei die Sache nicht prioritär behandelt worden. Dann habe man probiert, auf Gemeindegebiet einen neuen Standort zu finden – vergeblich. Gerade wegen der Schutzzonen sei dies schwierig. 

Mit Nachbarn verhandelt

Schliesslich nahm der Gemeinderat Verhandlungen mit der Nachbarwasserversorgung Sumiswald auf. Diese bezieht ihr Wasser aus der Schwandbachquelle und dem Grundwasserpumpwerk Weiersmatt. «Dieses Wasser würde im Normalfall reichen», sagt Andreas Meister. «Doch infolge des Klimawandels ist die Schwandbachquelle in den letzten Jahren ein- oder mehrmals jährlich versiegt.» Sumiswald könne die eigene Versorgung jederzeit gewährleisten, nicht aber auch noch jene der Nachbargemeinde. Somit musste eine andere Lösung gesucht werden. Diese fand der Gemeinderat nun mit der Wasserversorgungsgenossenschaft Rüegsau. Das Wasser vom Pumpwerk Schlossberg nach Lützelflüh zu leiten, sei ohne grössere Probleme machbar, führt Andreas Meister aus. Nötig sei eine neue Leitung von rund einem Kilometer, welche zirka 400’000 Franken kosten werde. Mit den Landeigentümern sei man bereits am Verhandeln, so der Gemeindepräsident. «Unser Ziel ist es, 2018 zu bauen.» An der Gemeindeversammlung vom 29. Mai wird über das Projekt noch näher informiert werden.

Bei der Wasserfassung Schlossberg brauche es ausser einer zweiten Pumpe keine Investitionen, sagt Hans Grunder, Präsident der Wasserversorgungsgenossenschaft Rüegsau. Der Kostenpunkt liege bei rund 200’000 Franken. Die Zusammenarbeit werde von ihrer Seite begrüsst, zumal sie schon heute das Gebiet Neufeld auf Lützelflüher Boden mit Wasser versorgen würden. 

Ein zweiter Standort muss her

Die Verbindungsleitung nach Lützelflüh könnte sich auch für die Wasserversorgungsgenossenschaft Rüegsau als Chance herausstellen. Denn, so Hans Grunder, verlange der Kanton eine hohe Versorgungssicherheit. Das gehe über die bisherige Notversorgung hinaus. «Wenn bei einer Wasserversorgung ein Bezugsort ausfällt, muss man über eine Alternative verfügen, die nicht nur einige Tage, sondern über Wochen oder Monate genug Wasser liefern kann», erklärt Grunder. Eine solche zweite Wasserfassung besitze ihre Genossenschaft nicht. 

Mit der neuen Verbindung nach Lützelflüh bestünde aber die Möglichkeit, sich einer der beiden grossen Wasserleitungen anzuhängen, die bei der Gohlhausbrücke durchführten. Die eine versorgt von Aeschau aus die Stadt und Region Bern, die andere bringt das Wasser aus Rüderswil in den Raum Kirchberg–Bätterkinden–Jegenstorf. «Damit hätten sowohl wir als auch Lützelflüh einen zweiten Bezugsort und könnten die Vorgaben des Kantons erfüllen», so Grunder. Eine weitere Möglichkeit, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sei ein Zusammenschluss mit Sumiswald. 

 



Die Kühni AG darf in Schutzzone nicht bauen

Grosses Interesse an einer Lösung für die Wasserversorgung von Lützelflüh hat die Kühni AG aus Ramsei. Vor zwei Jahren hat sie vis-à-vis ihres Standortes eine Gärtnerei gekauft mit dem Ziel, dort ein Kompetenzzentrum Holz zu errichten. «Damals hat niemand beachtet, dass sich das Grundstück in der Schutzzone 2 befindet, was einem Bauverbot gleichkommt», sagt Ernst Kühni. Sie hofften nun auf eine rasche Lösung, damit sie Ende Jahr mit den Baumaschinen auffahren könnten. 

Gemeindepräsident Andreas Meister ist erleichtert, wenn durch die geplante Verbindungsleitung mit der Wasserversorgung Rüegsau das Bauvorhaben der Firma Kühni realisiert werden kann. Mit dem Neubau müsse nicht gewartet werden, bis die Schutzzone aufgehoben sei. Könne das Projekt für die Verbindungsleitung aufgelegt werden und sei der Kredit dafür gesprochen, habe die Gemeinde die Auflagen des AWA erfüllt. «Somit sollte der Ausnahmebewilligung zum Bauen in der Schutzzone von Seiten AWA nichts mehr im Weg stehen», führt Andreas Meister aus. Natürlich müssten auch noch die ordentlichen Baubewilligungsauflagen erfüllt werden.

 

18.05.2017 :: Silvia Ben el Warda-Wullschläger
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