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Eine Liederreise quer durch Europa
Langnau:

Der dritte Kammer-musikabend überraschte mit einer reichen Liederkollektion von der Spätromantik bis zur Nachkriegszeit.

Fast ausschliesslich in den grossen Städten Europas blühte um 1900 das Musikleben. Hier arbeiteten die berühmten Komponisten und Interpreten, die die Luft der Opernbühnen und Konzerthäuser zum Leben brauchten, hier fand sich aber auch ein Publikum, das sich für neue Stilrichtungen interessierte und Geld und Musse hatte. 

Vielleicht ist das heute etwas anders, denn eine Musikerin, die häufig auf den europäischen Bühnen auftritt, machte einen Abstecher in die Provinz, in die Aula der Sekundarschule Langnau: die aus Zürich stammende Sopranistin Deborah Leonetti. Daran war bestimmt auch ihr musikalischer Partner schuld, der im Toggenburg geborene Pianist Matthias Roth. Seine Herkunft und seine musikpädagogische Tätigkeit lassen ihn immer wieder auch kleinere, ländliche Konzertorte aufsuchen. Die beiden lernten sich im Studium an der Hochschule der Künste in Zürich kennen und treten seither immer wieder gemeinsam auf.

Und immer wieder die Liebe

Der Abend liess einen eintauchen in die unterschiedlichsten Volksseelen Europas. Von Moskau führte die musikalische Reise über Warschau, Prag, Wien und Berlin schliesslich nach Paris. Die Lieder drehten sich fast ausnahmslos um das eine grosse Thema: die Liebe. Zu Beginn sang Deborah Leonetti drei Lieder von Sergej Rachmaninov, einem der letzten Romantiker. Dieser war ja selber ein begnadeter Klavierspieler, seine Begleitungen deshalb viel mehr als nur schmückendes Beiwerk. Leidenschaftlich brodeln sie unter der manchmal warmen, manchmal unerbittlichen Sopranmelodie. In zahlreichen Werken klangen auch Fernweh und Heimweh an, zwei Hauptmotive des Reisens; wie bei Rachmaninow auch bei Hugo Wolf – die Sehnsucht nach Italien – oder beim Tschechen Antonin Dvorak. Das «Lied an den Mond» aus seiner Oper Rusalka mit dem lockenden, gleichzeitig aber auch bedrohlichen Werben der liebeshungrigen Meerjungfrau war einer der Höhepunkte des Abends. Ein Lied des bedeutendsten Berliner Kabarettmusikers, Friedrich Hollaender, liess Marlene Dietrich wieder aufleben, und unter den Werken aus Paris waren neben den zauberhaften, melancholischen Klängen von Gabriel Fauré und den teils leichtfüssigen, teils dramatischen -Melodien von Francis Poulenc auch zwei Chansons der «unsterblichen» Edith Piaf zu hören, deren dunkles Timbre die Sängerin verblüffend echt imitierte.

Die ganze Bandbreite der Gefühle

Deborah Leonetti überzeugte im breiten Spektrum der verschiedensten Musikstile. Wie es sich für eine Opernsängerin gehört, sang sie das ganze Programm ohne Notenblatt, untermalt mit lebhafter Mimik und gezielter Gestik. Durch unterschiedliche Färbung ihrer geschmeidigen Stimme konnte sie Zorn, Begeisterung und Leidenschaft ebenso glaubhaft darstellen wie Zärtlichkeit, Sehnsucht oder Trauer. Matthias Roth stand ihr dabei mit viel Ausdruckskraft ebenbürtig zur Seite – und spielte sogar den Schalk der Sängerin mit, wenn der Liedtext es verlangte. «Non, je ne regrette rien…», das durften sich mit Edith Piaf alle sagen, die den Gang durch die winterliche Kälte nicht gescheut hatten. 

31.01.2019 :: Ruedi Trauffer
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