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Ein neuer Himmel
Ein neuer Himmel

Die Landeskirchen luden am Langnauer Märit zu einem szenischen Spaziergang ein. Thema waren die Anfänge des Langnauer Markts sowie das Jubiläum 500 Jahre Reformation.

Das Stück aus der Feder von Hans Herrmann handelt vom bunten Treiben eines Markttags und von einem bedeutsamen Gespräch zwischen zwei Ordensleuten. Unter der Regie von Cornelia Leuenberger entstanden stimmungsvolle Szenen, die vom Lärm in die Stille führten. 

Auf dem Bärenplatz begann der szenische Spaziergang. Manusch, ein Marktfahrer, pries mit lauter Stimme seine Ware an. Als sich zwei junge Frauen näherten (Nadja Noldin, Yolanda Brand), wandte er (Hannes Hofstetter) alle Regel der Kunst an, um sie zum Kauf eines Schmuckstücks zu bewegen. Vergebens. Die Frauen blieben standhaft. Rüedu, ein Trunkenbold, barfuss und nur in Lumpen gekleidet, betrat die Bildfläche. Da er dem Händler Geld schuldete, entstand bald ein Wortgefecht und eine Schlägerei, von der Rüedu (Benjamin Lauener) eine schmerzende Backe davontrug, die einen Gang zum Medikus nötig machte. Dieser hatte seine Wander-apotheke auf der Kirchhöhe aufgestellt, an der Ostseite der Kirche. Messer, Zangen, Nadeln lagen fein säuberlich ausgebreitet. Und ein geöltes Mundwerk besass dieser Medikus (Ruedi Friedli)! Dass die Therapien seine Kasse klingeln liessen, verriet sein prächtiges Gewand. Rüedu, dem armen Schlucker, jedenfalls blieb nichts anderes übrig, als auf die Zähne zu beissen und anderswo Trost zu suchen. 

Diesen fand er bei der Geigerin Lenka. Auf der Westseite der Kirche, etwas versteckt, lud ein ebenes Plätzchen zum Tanzen ein. Hier schwangen Rüedu, die jungen Frauen und andere Marktbesucher das Tanzbein, von der Musik und der wilden Zigeunerin (Gudrun Utzinger) ganz in den Bann gezogen. Am Ende des Tanzes forderte Lenka die Tänzer höhnisch zur Beichte auf. 

Nicht dem Gesetz gehorchen, sondern Gott

In der Kirche wurden die Beichtwilligen Zeugen eines bahnbrechenden Gesprächs. Eine Nonne aus dem Kloster Rüegsbach berichtete von Visionen, die sie heimsuchten, von Bildern einer neuen Kirche ohne Papst, in der die Priester heirateten und das Volk selber die Bibel las. Sie sei Opfer des Satans geworden, klagte die Nonne (Andrea Friedli) verzweifelt, sie wisse nicht mehr ein noch aus.

Statt eine Busse zu verhängen, reagierte der Pater (René Zaugg) ungemein verständnisvoll. Er beruhigte seine Glaubensschwester, dass sie nicht vom Teufel besessen sei, und sprach ihr Mut zu, auf ihre innere Stimme zu hören. Ihre Visionen riefen nach Veränderung, ein Wunsch, den auch er verspüre. Dann zogen sich die beiden Geistlichen in den Chor zurück. Ein gregorianischer Gesang setzte ein und beendete den szenischen Rundgang.   

Die Haltung des Paters befreite die Nonne von ihren Ängsten. Im freundlichen Menschenbild des Geistlichen spiegelte sich der neue Glaube, der 1517 zur Reformation führte: Die Befreiung des Menschen von der Bevormundung der Kirche. 

 

 

 

500 Jahre Reformation – mit tiefen Spuren in der Schweiz

Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg. Darin rief er zum Kampf gegen den Ablasshandel und gegen den Papst auf. Dank des Buchdrucks verbreiteten sich seine Thesen rasch. In der Schrift «Von der Freiheit eines Christenmenschen» stellte Luther klar, dass der Mensch nur dem Worte Gottes Gehorsam schulde, das Wort Gottes aber sei die Schrift. Er lehnte es ab, dass die Geistlichen über den Laien standen. Alle Gläubigen seien Priester und alle Berufe seien heilig. Im Exil auf der Wartburg übersetzte Martin Luther das Neue Testament auf Deutsch. 

Stärker als andere Länder wurde die Schweiz von der Reformation geprägt. Mit Johannes Calvin und Ulrich Zwingli waren hier zwei grosse Reformatoren wirksam. Ulrich Zwingli, Priester am Grossmünster in Zürich, ging bei der Interpretation des Gebots «Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen» weiter als Luther. Er schaffte nicht nur Kruzifixe, Statuen und geistliche Gewänder ab, sondern verbannte auch die Orgel und den Kirchengesang aus der Kirche, weil er in der Bibel nichts über liturgische Musik fand.

Gräben durch die Schweiz 

Die Glaubensspaltung drohte die Eidgenossenschaft zu entzweien. 1525 schaffte Zürich die Messe zu Gunsten der Predigt ab. 1528 entschied sich Bern zu Gunsten der Reformation. Doch ein Teil der Städte und die Mehrzahl der Stände lehnten die Neuerungen ab. Die fünf Orte (drei Waldstätte, Luzern, Zug) stellten ein grosses Heer auf, um den alten Glauben zu verteidigen. Ein erster Zusammenstoss mit den Protestanten endete friedlich (Kappeler Milchsuppe), ein zweiter führte 1531 bei Kappel zum Sieg der altgläubigen Kantone, die fortan ihre Forderungen durchsetzen konnten. An vielen Kantonsgrenzen taten sich kulturelle Gräben auf. Hier die nüchternen Protestanten, welche die Bibel lasen und ihr Seelenheil in der Arbeit suchten, dort das fromme Kirchenvolk der Katholiken, die mit neuen barocken Kirchen ihren Glauben feierten.

09.11.2017 :: Bettina Haldemann-Bürgi
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