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Ein Lehrer und leidenschaftlicher Sammler
Ein Lehrer und leidenschaftlicher Sammler Langnau:

Das Grundlagenwerk «Keramik aus Langnau» von Andreas Heege und Andreas Kistler hält viele ortsspezifische Fakten bereit. Das Einführungskapitel ist besonders aufschlussreich. 

Das Buch beginnt mit der Aufzählung der wichtigsten Sammler von Langnauer Keramik. Unter den illustren Häuptern von Millionären, Museumsdirektoren, Forschern und Antiquitätenhändlern befindet sich auch Emil Aeschlimann (1864–1930), Lehrer in Langnau seit 1884. Das Buch zeigt ihn auf einer Schwarzweissfotografie aus dem Jahr 1902, auf der er als Dirigent des Gemischten Chors Ilfis posiert. 

Neben dem Lehrerberuf und den damit verbundenen Verpflichtungen sammelte Emil Aeschlimann leidenschaftlich altes Kulturgut. Er habe in seiner Zeit die grösste Keramiksammlung besessen und er sei einer der grössten Kenner gewesen, liest man. Seine stetig anwachsende Sammlung brachte der Oberlehrer in der Wohnung im Ilfis-Schulhaus unter, wo ihn einmal Ihre Majestät, die rumänische Königin, mit einem Blitzbesuch überraschte. Dass er mit seiner Sammeltätigkeit nicht alleine war, merkte Aeschlimann bald. Mit Argwohn beobachtete er, wie fremde Herren in der Gegend hausierten und kostbares Gut forttrugen. Bereits als junger Lehrer versuchte er, die Bevölkerung von der Dringlichkeit eines Ortsmuseums zu überzeugen, doch seine Aufrufe zeigten keine Wirkung. 

Grosse Schau 1907

Ob Aeschlimann bei der grossen Keramikschau im Rahmen der Industrie- und Gewerbeausstellung in Langnau 1907 auch mitgeholfen hatte, verrät das Buch nicht. Stattdessen ist ein Foto abgebildet, auf dem Butterfässer, Kaffeekannen, Deckelschüsseln, Fleischplatten und Wandteller wirkungsvoll in Szene gesetzt sind. Kurator der Ausstellung war der Direktor des Bernischen Historischen Museums. Zusammen mit dem Schweizerischen Nationalmuseum und der Sammlung des Burgdorfer Rittersaalvereins hatte er die Ausstellung bestückt.  

Verkauf an Berner Museum

Emil Aeschlimann war nicht nur Sammler, sondern auch Händler. Das Buch berichtet, dass der Lehrer 1915 einen Teil seiner Keramiksammlung dem Bernischen Historischen Museum verkaufte. «Warum schaute Langnau dem Geschehen tatenlos zu?», fragt sich der Leser an dieser Stelle. Fehlte der Platz oder hatte die Gemeinde kein Geld? Erst 1929 nahmen drei einflussreiche Langnauer Verhandlungen mit Emil -Aeschlimann auf und kauften einen Teil seiner Sammlung (Keramik, Möbel, Lampen, Schriften). Gleichzeitig wurde das Sitzungszimmer im alten Gemeindehaus (heute «Chüechlihus») geräumt. Emil Aeschlimann baute die Ausstellung noch auf, bevor er kurz vor der Vernissage unerwartet an einem Herzschlag starb. 

Am 1. Juni 1930 öffnete die Ausstellung. Zwei Illustrationen, ein Butterfass aus der Sammlung Aeschlimann und eine Anzeige im «Emmenthaler-Blatt», die zum Besuch der «Kulturhistorischen Sammlung Langnau i. E.» aufrief, veranschaulichen im Buch die Geschehnisse. 

Aufruf zeigte Wirkung

Eine dritte bahnbrechende Ausstellung im «Chüechlihus» fand schliesslich 1948 statt. Im Vorfeld einer grossen Keramikschau im Schloss Jegens-torf beschloss die Museumskommission, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Sie rief die Bevölkerung zur Leihgabe von Keramikstücken auf. Die Überraschung war gross, als sich ein bekannter Sammler aus Bern meldete. Fritz Pappé war den Ausstellungsmachern ein Begriff, unter anderem, weil Emil Aeschlimann die hochkarätige Sammlung in seiner Schrift über Langnauer Keramik erwähnte.  Erwartungsvoll sagte man deshalb zu. Dank Pappés Kollektion wurde die Ausstellung zum Publikumsrenner. Alle wollten die prächtigen Keramikstücke sehen: Die Langnauer Hochzeitsschüssel, die Terrinen, die Nidlenäpfel, die Zuckerdosen, die Platten und Teller.  

Nach dem Erfolg der Ausstellung folgte die nächste Überraschung: Herr Pappé bot seine Sammlung zum Kauf an. Die Gemeinde packte die Gelegenheit beim Schopf. Mit vereinten Kräften gelang es, die Summe von 30’000 Franken zusammenzubringen und die prächtige Sammlung an ihren Ursprungsort zurückzuführen. 



Das reich bebilderte Grundlagenwerk «Keramik aus Langnau» von Andreas Heege und Andreas Kistler ist auf der Gemeindeverwaltung Langnau, Haldenstrasse 5, bis zum 28. Februar 2018 zum Spezialpreis von 49.50 Franken zu kaufen. Nachher ist das Werk überall für 78 Franken erhältlich. 



05.01.2018 :: Bettina Haldemann-Bürgi
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