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Ein Jubiläum und viel Enthusiasmus
Ein Jubiläum und viel Enthusiasmus 50 Jahre Skilift Chuderhüsi:

Der Skiliftverein feiert, sobald es genügend Schnee hat. Doch nicht nur Frau Holle macht den Betreibern das Leben zuweilen schwer.

Sobald die weisse Pracht da ist, geht es am Chuderhüsi wieder los: Ein Team von fleissigen Helferinnen und Helfern steht bereit, damit der 300 Meter lange Bügellift gestartet werden kann. In diesem Jahr sehnen die Betreiber die ersten Skitage doppelt herbei: Ein halbes Jahrhundert läuft der Lift in der Gauchern bereits. Gefeiert wird, wenn genügend Schnee liegt. Die Grasunterlage und der leicht schattige Hang seien ideal, erklärt Martin Röthlisberger, Chef der Betriebskommission. Es brauche gar nicht so viel Schnee, damit der Betrieb aufgenommen werden könne. «30 Zentimeter reichen.» Einzig im Winter 1989/1990 wurde diese Marke nie erreicht. Längst kommt man nicht mehr an die langen Saisons der Siebzigerjahre heran. Dennoch hält der Verein am Betrieb fest. «Solange durchschnittlich an fünf Tagen gefahren werden kann, geht es weiter», sagt der Präsident des Skiliftvereins Chuderhüsi, Matthias Sommer. Andernfalls müssten sie sich eine
Alternative überlegen, so Sommer. Ihm schwebt ein Seilpark oder eine Sommerrodelbahn vor. In seiner Funktion als Gemeindepräsident von Röthenbach ist er immer auf der Suche nach Möglichkeiten, den Tourismus in der grossen Emmentaler Gemeinde anzukurbeln. 

Schneetage nehmen ab, Auflagen zu

Ganz im Gegensatz zu den Skitagen nahmen die Auflagen mit den Jahren stetig zu: Bewilligungen, Prüfungen, Versicherungen und geschultes Personal werden verlangt, bis Seilbahnen Schweiz das Zertifikat «geprüfte Pisten» verleiht. Alle zwei Jahre prüft das Amt für öffentlichen Verkehr die Anlage, das Seil wird auf Schwachstellen geröntgt. Elektro-Sicherheitskontrollen werden durchgeführt und allfällige Mängel müssen fristgerecht behoben werden. Die Fahrer des Pistenfahrzeuges lernen ihr Handwerk in einem Kurs an der Lenk. «Manchmal müssen wir uns aber auch ein wenig wehren», sagt Matthias Sommer. So zum Beispiel als das Skilift-Personal einen Lawinenkurs hätte absolvieren sollen. 

Rund 7500 Franken gibt der Verein pro Jahr für Versicherungen, Bewilligungen und Pachtzinse aus. Es sind die Vereinsmitglieder, die mit ihren Beiträgen diese Fixkosten decken. 

Von der Aktiengesellschaft zum Verein

Der Skilift Chuderhüsi hat auch sorgenvolle Zeiten erlebt. Vor Jahren haben Matthias Sommer und Martin Röthlisberger Skilift-Aktien von ihren Vätern geerbt. Mit der Zeit wurden diese Papiere immer mehr zur Bürde. Die Einnahmen aus den Ticketverkäufen deckten die Betriebskosten längst nicht mehr. Schlaflose Nächte für Martin Röthlisberger, der von 2008 bis 2012 den Verwaltungsrat präsidierte. «Das Grounding drohte», blickt Matthias Sommer
zurück. «Mit der Umwandlung von der Aktien-gesellschaft in einen Verein konnte das Schlimmste abgewendet werden», sagt Sommer. Treue Vereinsmitglieder und Sponsoren sorgen nun dafür, dass die Geschichte des kleinen Lifts, die vor 50 Jahren am Stammtisch begann, weiter geschrieben werden kann. 

Im Wirtshaus hatten die Gründer Edwin Loosli, Theo Gerber und Willy Ramseier in den Sechzigerjahren die Idee, einen Skilift am Chuderhüsi zu bauen. Es entstanden ja auch im Eriz, in Bumbach und in Linden Skilifte. Chuderhüsi sei ebenfalls geeignet, sagten sich die Gründer. Und man sei seinerzeit überzeugt gewesen, dass Chuderhüsi wesentlich schneesicherer sei als beispielsweise Linden, weiss Matthias Sommer. Die ersten Winter gaben den Initianten Recht. Tag für Tag frönten zahlreiche Fahrer in Röhrchenhosen ihrem Hobby. An die 60 Skitage waren es in den Anfangsjahren. Im Startjahr 1968/1969 lief der Lift ab dem
26. Dezember bis zum 10. März durchgehend. Sogar die Skitage der Sekundarschule Signau fanden in den Siebzigerjahren in der Gauchern statt, weiss Matthias Sommer aus eigener Erfahrung.

Warten auf Schnee – das Los der tiefer gelegenen Skilifte

Die Emmentaler und Entlebucher Skilifte liegen mehrheitlich auf einer Höhe zwischen 800 und 1500 Metern über Meer. Einzig das Brienzer Rothorn, das von Sörenberg aus erreicht wird, ragt mit 2350 Metern über Meer deutlich höher hinaus. Während die einen der Anzahl Skitage mit Schneekanonen nachhelfen, warten die anderen oftmals mehrere Winter vergebens: Auf 700 Metern über Meer liegt der Schlepplift Trachselwald. Die Anlage steht. «Wir sind parat», sagt Sascha Aeberhardt vom Ski-Klub Trachselwald. Sobald genügend Flocken fallen, werden mit einem alten Pistenpulli zwei Abfahrten präpariert. Der letzte gute Winter liege drei Jahre zurück, erinnert sich Sascha Aeberhardt. 23 Skitage wurden damals gezählt. Ein Jahr zuvor blieb die Anlage während der ganzen Saison still, genau gleich wie auch im vergangenen Winter. Bauchweh bereitet nicht nur der fehlende Schnee. Die wachsenden Vorschriften, bis der Betrieb laufen dürfe, stünden mit den Betriebstagen kaum in einem Verhältnis, erklärt Sascha Aeberhardt. Aber auch in Trachselwald macht sich der Verein Jahr für Jahr mit Elan und vielen Freiwilligen ans Werk, um den Skifreudigen aus der Umgebung einige Skitage vor der Haustüre zu ermöglichen.  



04.01.2019 :: Sandra Joder
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