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Ein Jahr nach Burglind: Waldbesitzer und Kanton ziehen positives Fazit
Ein Jahr nach Burglind: Waldbesitzer und Kanton ziehen positives Fazit Region Entlebuch:

 

 

Vor einem Jahr hat «Burglind» viele Bäume umgeworfen. Das Aufräumen habe dank verbesserter Organisation gut funktioniert, der Absatz des Holzes weniger.

Ruedi Gerber, Präsident des Verbands Wald Luzern und Waldbesitzer in Wiggen, war selber von den Folgen des Sturm Burglind betroffen. «In meinem Wald wurden rund 150 Kubikmeter Holz umgeworfen und im Sommer haben wir noch Fichten mit einer Menge von rund 100 Kubikmetern geedert.» «Geedert» bedeutet, dass befallene Fichten gefällt und vor Ort maschinell entrindet werden, um dem Fichten-Borkenkäfer die Nahrung zu entziehen. Nötig wurde dieses Vorgehen, weil es nicht rentiert, einzelne Bäume in steilen, abgelegenen Wäldern aufzurüsten und abzutransportieren. Dem Sturm sind also in Ruedi Gerbers Wald satte 250 Kubikmeter Holz zum Opfer gefallen. «Aber im Vergleich zu ‹Lothar› ist es viel weniger schlimm», fügt Gerber an. «Und im Vergleich zu 1999 sind heute die Waldbesitzer besser organisiert, was die Aufräumarbeiten vereinfachte – da hat der Orkan auch etwas bewirkt.» 

Besser koordiniert und organisiert 

Die Waldeigentümer haben sich zu regionalen Organisation zusammengeschlossen – eine davon ist die Waldgenossenschaft oberes Entlebuch. Ihr gehören 843 Waldeigentümer an, in deren Besitz sich mehr als 7000 Hek-taren Wald befinden – das sind 92 Prozent der Privatwaldfläche. «Dank der verbesserten Organisation konnten beispielsweise die Seilbahnen, welche für das Aufrüsten der Bäume nötig waren, sehr effizient eingesetzt und das Sturmholz rechtzeitig geräumt werden», zieht der Präsident von Wald Luzern ein positives Fazit. 

Weniger positiv präsentiert sich hingegen der Markt: «Obschon die Sturmholzmenge viel kleiner ist als etwa bei ‹Lothar›, spielt der Markt überhaupt nicht. Es ist richtiggehend zermürbend», erklärt Ruedi Gerber weiter. Weil viel minderwertiges Holz angefallen sei, seien die Preise gefallen und der Absatz harze. «Es ist noch lange nicht alles Holz abgeführt worden», weiss Gerber. 

Wälder kontrollieren

Auch wenn das Holzen derzeit in vielen Fällen kein lukratives Geschäft sei, setzt sich der Präsident der Luzerner Waldeigentümer sehr dafür ein, dass das Sturmholz aufgerüstet wird – um Folgeschäden zu vermeiden. «Im Entlebuch waren wir bislang weniger vom Borkenkäfer betroffen», erklärt Ruedi Gerber. «Wichtig ist sicher, dass die Eigentümer ihre Bestände kontrollieren.»

Dieses Jahr fliegt eine starke Käfergeneration aus

Ein Jahr nach den Sturmereignissen vom Januar 2018 und der langen Trockenheit im Sommer und Herbst ist die Bilanz zur Bewältigung der Waldschäden positiv. Dies schreibt die Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern in einer Medienmitteilung. 

Die Schadenmenge betrug 150’000 Kubikmeter Holz. Das entspricht zwei Dritteln der Menge, die in einem Jahr in den Luzerner Wäldern geschlagen wird. In den Waldbeständen waren die zahlreichen Streuschäden mit Einzelbäumen und Baumgruppen aufwändig zu orten und zu bearbeiten. In den Schutzwäldern – im oberen Entlebuch machen diese rund die Hälfte aller Wälder aus – sind kantonsweit an 300 Standorten rund 50’000 Bäume bearbeitet worden.   

Kostenrahmen wird eingehalten

Die Bewältigung der primären Sturmschäden im Schutzwald wird im Rahmen der Kostenschätzung von fünf Millionen Franken abgewickelt und von Bund und Kanton getragen. Bei der Behebung von Waldschäden ausserhalb des Schutzwaldes hat sich der Kanton und der Bund an den Einsätzen von Seilkrananlagen mit 100’000 Franken beteiligt. Wie Bruno Röösli, Abteilungsleiter Wald, erklärt, hatten neu die regionalen Organisationen die Möglichkeit, bei unrentablen Arbeiten für betroffene Privatwaldbesitzer ein Sammelgesuch bei Fonds Suisse – der Nachfolgeorganisation des Elementarschadenfonds – einzureichen. Über die Gesuche sei aber noch nicht entschieden worden. 

Mit den Sturmschäden und der langen Trockenheit in der Vegetationszeit sind viele Waldbestände geschwächt worden. In der Folge hat sich die Borkenkäferpopulation aufgebaut. Treten erneut Sturmereignisse, Trocken- oder Hitzeperioden auf, muss mit Folgeschäden gerechnet werden. «Deshalb ist es wichtig, die Waldbestände laufend auf Schäden zu überwachen. Beschädigte oder befallene Fichten sollen ab dem Frühjahr rechtzeitig aus dem Wald entfernt oder vor Ort entrindet werden», hält die Dienststelle Landwirtschaft und Wald weiter fest. 

WSL erwartet Anstieg 

Wie sich die Käferpopulation im Jahr 2018 entwickelt hat, ist noch nicht bekannt. Die Zahlen seien zwar erhoben und die Auswertung weit fortgeschritten, erklärt Beat Wermelinger von der eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Dass 2018 noch nicht sehr viele Schäden aufgetaucht seien, wie Ruedi Gerber erklärt (siehe links), könne damit zusammenhängen, dass sich im Entlebuch trotz des trockenen Jahres mehr Niederschläge ereigneten als etwa in der Ostschweiz, wo bereits grosse Mengen an Käferholz angefallen seien. «Besser mit Wasser versorgte Fichten können sich erfahrungsgemäss besser gegen die Borkenkäfer wehren – auch wenn die Temperaturen über einen langen Zeitraum hoch sind.» 

Die Forscher des WSL dokumentieren nicht nur, sondern blicken auch forwärts: Auf www.borkenkaefer.ch werden regionale Prognosen gemacht:
In der Region Voralpen Mitte, welche das Emmental und Entlebuch beinhaltet, wird beispielweise auf einer Höhe von 1000 Metern über Meer mit einer starken ersten Generation gerechnet, welche ab Juli ausfliegen wird. «Die Käfer, welche jetzt überwintern, werden sich nicht mehr im Sturmholz vermehren, sondern stehende Bäume befallen», erkärt Beat Wermelinger. 

10.01.2019 :: Bruno Zürcher
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