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Ein Forschungsprojekt will dem Igel auf die Spur kommen
Ein Forschungsprojekt will dem Igel auf die Spur kommen Natur:

Mit dem Projekt «Igel gesucht» soll erforscht werden, wie es um deren Population in der Schweiz steht. Freiwillige wie Patricia Burri aus Schüpfheim engagieren sich dafür.

Ausgerüstet mit einem Rucksack, einem Feldstecher und festem Schuhwerk macht sich Patricia Burri auf den Weg. Sie kontrolliert im Rahmen des Projekts «Igel gesucht» (siehe Kasten) auf einem Gebiet von 500 auf 500 Meter zehn Spurentunnel, die sie zuvor aufgestellt hat. «Geeignete Standorte sind entlang von Hecken und durchlässigen Zäunen  und in der Nähe von Asthaufen und Holzbeigen», weiss die Wildtierbiologin. «Igel verstecken sich gerne und finden an solchen Orten Insekten und Larven, ihre Hauptnahrung.» Bei einem Holzschuppen steht der erste dreieckige Tunnel. Patricia Burri zieht einen langen Karton heraus, auf dem aussen zwei weisse Blätter befestigt sind. In der Mitte befindet sich ein Futterteller auf einem schwarz bestrichenen Blatt. «Das ist eine Mischung aus Öl und Kohle. Wenn der Igel in den Tunnel geht, um ans Futter zu gelangen, stellt er seine Füsschen auf die Farbe und hinterlässt beim Hinausgehen Spuren.» Auf den weissen Blättern gibt es einige Schmierspuren zu sehen, sonst nichts. «Das waren Schnecken, die das Futter auch mögen», erklärt Burri. Sie habe auch schon Fuchs- und Katzenspuren entdeckt. 

Zwei Igelspuren gefunden

Nachdem Patricia Burri genau notiert hat, was sie angetroffen hat, präpariert sie den Spurentunnel für die nächste Nacht: Die weissen Papiere werden ausgetauscht, die Mitte mit der Öl-Kohle-Mischung neu bestrichen und der Köder aufgefüllt. Dann schiebt sie den Karton wieder in den Tunnel und prüft, ob dieser fest im Boden verankert ist. Sie packt die Sachen ein, welche ihr von den Projektverantwortlichen zur Verfügung gestellt wurden, und macht sich auf den Weg zum nächsten Standort. An fünf Tagen ist sie unterwegs und wendet je eineinhalb bis zwei Stunden auf. «Wenn mich Leute ansprechen, dauert es auch länger.» Einige Tunnel habe sie in Privatgärten aufgestellt. «Die Reaktionen der Leute fallen durchwegs positiv aus. Sie sind interessiert, ob ich schon Igelspuren gefunden habe.» Bis Ende der Woche waren es zwei in demselben Tunnel, die Patricia Burri nachweisen konnte. Nicht eben viel. Dies sei zu einem Teil wohl der Hitze geschuldet, zeige aber auch, dass in Schüpfheim der Lebensraum für Igel an manchen Stellen noch verbessert werden könnte. 

Rückläufiger Bestand befürchtet

Initiiert hat das Projekt «Igel gesucht» die Schweizerische Gesellschaft für Wildtierbiologie. Insgesamt hätten sie in ländlichen und städtischen Gebieten 500 Quadrate à 500 auf 500 Meter festgelegt, in denen je zehn Spurentunnel aufgestellt werden sollen, erklärt Jan Schick, der das Projekt betreut. Die Standorte seien nach zwei Kriterien ausgewählt worden: Wo befindet sich geeigneter Lebensraum? Wo fehlen in den letzten zehn Jahren Igelnachweise? «Mit den Tunnel, die an fünf Tagen am gleichen Standort stehen, weiss man mit fast 100-prozentiger Sicherheit, ob in diesem Gebiet Igel leben oder nicht», erklärt Jan Schick. 

Es müsse befürchtet werden, dass der Bestand rückläufig sei. So sei in der Stadt Zürich in den letzten 25 Jahren die Verbreitung um einen Drittel zurückgegangen, wie ein Projekt nachweise. Studien aus Grossbritannien zeigten einen Rückgang des Igel-Bestandes im Siedlungsraum um einen Drittel und auf dem Land um die Hälfte. «In der Schweiz dürfte die Situation noch gravierender sein, da bei uns noch intensiver Landwirtschaft betrieben wird und Strukturen wie Hecken weniger verbreitet sind als in England», befürchtet Jan Schick. Ausserdem setzten der zunehmende Strassenverkehr und die verdichtete Bauweise der Igelpopulation zu. 

Privatgarten als Lebensraum

Mit dem Projekt soll nun erforscht werden, ob sich diese Vermutungen erhärten und wie der Igel gefördert werden kann. Ein weiteres Ziel sei, so Jan Schick, die Bevölkerung zu sensibilisieren, denn jeder Gartenbesitzer könne etwas für das Stacheltier tun. «Ein Garten ist ein idealer Lebensraum, wenn Ast- und Laubhaufen vorhanden sind und keine Pestizide eingesetzt werden.» Ungünstig seien aufgeräumte Gärten. Auch Patricia Burri macht, wo möglich, Leute auf eine igelfreundliche Gartengestaltung aufmerksam. «Das kommt gut an, die Leute mögen den Igel. Er ist ein Sympathieträger mit Jöh-Effekt.»

Beobachtungen melden und Tunnel betreuen

Das Forschungsprojekt «Igel gesucht» setzt auf die Mithilfe der Bevölkerung. Einerseits wird das Vorkommen von Igeln mit Spurentunnel systematisch untersucht (siehe Hauptartikel). Ergänzend wird die Bevölkerung aufgerufen, Igelbeobachtungen auf der Plattform Säugetieratlas.wildenachbarn.ch zu melden. Die Meldungen fliessen in den neuen Säugetieratlas der Schweiz und Liechtensteins ein, welcher von der Schweizerischen Gesellschaft für Wildtierbiologie erarbeitet wird. 

Noch werden Freiwillige gesucht, die bis Ende August während einer Woche zehn Igeltunnel betreuen. Weitere Informationen sowie eine Karte der zu bearbeitenden Gebiete sind ebenfalls auf oben erwähnter Meldeplattform zu finden.

09.08.2018 :: Silvia Ben el Warda-Wullschläger
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