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Ein Damm gegen Überschwemmungen
Ein Damm gegen Überschwemmungen Oberburg:

Das Hochwasserschutzprojekt Luterbach ist eines der grössten im Kanton Bern. Derzeit laufen die Vorbereitungsarbeiten für den zwölf Meter hohen Damm.

Plätschernd fliesst der Luterbach in Richtung Oberburg. Beim derzeit trockenen Wetter ist er nicht mehr als ein Rinnsal. Kaum zu glauben, dass dieser kleine Bach derart grosse Schäden anrichten kann, wie das 1987 und 2000 der Fall war. Damals verwandelte sich der Luterbach in einen reissenden Fluss, der das ganze Dorf Oberburg und Teile Burgdorfs unter Wasser setzte. Ein Todesopfer und Schäden von insgesamt über 30 Millionen Franken waren die Folge. Diese Ereignisse hätten die Bevölkerung geprägt, sagt Martin Zurflüh, Geschäftsführer der Schwellenkorporation Oberburg und zugleich Gemeindeverwalter. «Jedes Mal, wenn ein starkes Gewitter niedergeht, macht sich Angst breit.» Pro Jahr komme es zu ein bis zwei kleineren Ereignissen. Mit Sandsäcken und Bretterbarrieren probierten die Leute, ihre Liegenschaften zu schützen. 

Weil der Leidensdruck hoch sei, stehe die Bevölkerung hinter dem Projekt, betont Zurflüh. «Das hat sich auch daran gezeigt, dass wir über all die Jahre der Planung sämtliche Probleme im Dialog haben lösen können. Wir mussten nie vor eine höhere Instanz wegen unbereinigter Einsprachen.» Das sei bei einem derart komplexen Projekt nicht selbstverständlich.

Damm für Jahrhunderthochwasser

Tatsächlich handelt es sich beim Hochwasserschutzprojekt Luterbach um eines der grössten im Kanton Bern. Es ist mit 14,8 Millionen Franken veranschlagt, zehn Amtsstellen sind darin involviert. «Allein die Auflagen umfassen 40 Seiten», sagt Martin Zurflüh. Diese seien ähnlich umfangreich wie jene für die Staumauer auf der Grimsel. So müsse der Damm, wenn das Rückhaltebecken randvoll sei, einem sehr starken Erdbeben, wie es alle 1000 Jahre auftreten könne, standhalten.

Bereits vor 40 Jahren wurden erste Abklärungen in Sachen Hochwasserschutz getroffen, seit zehn Jahren laufen intensive Planungsarbeiten. Es wurden verschiedene Varianten geprüft, so etwa eine mit zwei Dämmen weiter vorne im Tal. 2011 entschied sich die Schwellenkorporation für das heutige Projekt. Es sieht die Renaturierung des Luterbachs vor und im Gebiet Schuepisse/Haule einen 11,5 Meter hohen und 80 Meter langen Damm quer durchs Tal. Damit wird ein Rückhaltebecken mit einem
Volumen von 163’000 Kubikmeter geschaffen. «Das reicht für ein Jahrhunderthochwasser», sagt Martin Zurflüh. Dank des Damms könne der Abfluss nach einem Unwetter dosiert werden. Dieser betrage maximal 1,5 Kubikmeter pro Sekunde. Zum Vergleich: Bei einem Unwetter können es bis zu 17 Kubikmeter werden. 

Der Natur etwas zurückgeben

Weil der Damm einen grossen Eingriff in die Natur bedeutet, verlangte der Kanton Kompensationsmassnahmen. «Der Luterbach wird zwischen dem Rückhaltebecken und Oberburg renaturiert», erklärt der Geschäftsführer der Schwellenkorporation. Der Bach werde zum Teil etwas umgelegt und erhalte mehr Platz, was der Natur zugute komme, sich aber auch bei Hochwassern günstig auswirke. Mit den Umweltverbänden hätten sie ein gutes Einvernehmen, so werde das Projekt durch einen Umwelt- und einen Bodenbauspezialisten begleitet. Schwieriger sei es gewesen, die Landbesitzer für die ökologischen Aufwertungen zu gewinnen, brauche es dazu doch zusätzliches Land. «Weil es sich dabei um ebenen, guten Boden handelt, hatten die Landwirte nicht grosse Freude am Vorhaben», sagt Zurflüh. Schlussendlich aber sei es gelungen, alle ins Boot zu holen. Ansonsten wäre das ganze Projekt gefährdet gewesen.

Land tauschen, Haus abreissen

Nicht nur für die Renaturierung, sondern auch für den Damm musste Land beschafft werden. Dies geschah mit einer Landumlegung. Die Schwellenkorporation hat in den letzten sieben Jahren für 900’000 Franken Land erworben. Damit kann den betroffenen Landwirten Realersatz angeboten werden. «Das ist natürlich ein langwieriges Verfahren, sind doch nicht weniger als 42 Besitzer involviert», sagt Martin Zurflüh. Schlussendlich werden 95 Hektaren Land umgelegt.

Ein weiteres Problem, das sich der Schwellenkorporation stellte, war ein Haus, das unmittelbar hinter dem geplanten Damm stand. Es wäre bei einem Hochwasser überflutet worden. Auch hier sei es gelungen, eine einvernehmliche Lösung zu finden und dem Liegenschaftsbesitzer einen Ersatz anzubieten, erklärt Zurflüh. Ein Enteignungsverfahren hätte das Projekt während vieler Jahre blockieren können. Im Mai wurde das Haus abgerissen. 

Strasse mehrmals umlegen

Derzeit laufen die Vorbereitungsarbeiten für den Dammbau. Leitungen, die Strasse und der Bach wurden bereits verlegt, Wald gerodet. Auf der einen Seite wurde der Fels freigelegt und geputzt. Lagerplätze für die abgetragene Erde, für Baumaschinen und -material, Ausweichstellen, damit zwei Lastwagen kreuzen können, wurden erstellt. «Während der Bauarbeiten muss die Strasse noch mehrfach umgelegt werden», erklärt Martin Zurflüh. Am Schluss werde sie über den Damm geführt. Mit den Arbeiten für das Betonbauwerk und der anschliessenden Dammschüttung wird Mitte August begonnen. Das Projekt soll Ende 2020 fertiggestellt sein. Bis dahin werden sich bei Martin Zurflüh noch weitere Bundesordner mit Akten füllen.

Zwei Millionen Restkosten

Für die Schwellenkorporation Oberburg stellt das Projekt eine grosse finanzielle Belastung dar. «Wir erzielen aus den Schwellentelleneinnahmen der Grundeigentümer jährlich einen Umsatz von rund 100’000 Franken», rechnet der Geschäftsführer vor. Die Einwohnergemeinde leiste ebenfalls einen Beitrag in der gleichen Höhe. 

Trotz der Subventionen von Bund und Kanton verbleiben Restkosten von drei Millionen Franken. Nach Abzug von Beiträgen der Stadt Burgdorf, der Mobiliar- und der Gebäudeversicherung und weiterer Organisationen betragen die Restkosten rund zwei Millionen Franken. Um diese zu stemmen, müssten sie Fremdmittel aufnehmen, gibt Martin Zurflüh zu bedenken. «Das ist zwar viel Geld, trotzdem sind wir überzeugt, dass sich die Investition lohnt», betont er. Es seien nach dem letzten grossen Unwetter ungedeckte Kosten von 2,4 Millionen Franken geblieben. «So gesehen ist für uns das Projekt nach einem weiteren Grossereignis praktisch amortisiert.» Weiter sei ein gutes Kosten-/Nutzenverhältnis von 1:6,7 berechnet worden. «Das heisst, mit einem investierten Franken können wir 6,7 Franken schützen.»

09.08.2018 :: Silvia Ben el Warda-Wullschläger
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