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«Ein Bauernhaus oder eine Fabrik kann ein kleines Kraftwerk werden»
«Ein Bauernhaus oder eine Fabrik kann ein kleines Kraftwerk werden» Emmental: Das Ziel von vier Prozent Solarstrom im Emmental ist erreicht, das Potenzial aber noch gross. Das sei eine Chance für die Region, findet die Energieregion Emmental.
2012 startete die Energieregion Emmental (siehe Textende) die Kampagne «4 % Solarstrom bis 2016». Nun konnte sie vermelden, dass dieses Ziel erreicht und das Emmental auf Kurs sei in Richtung nachhaltiger Energiezukunft. Allerdings dürfe man sich nun nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sagt Projektleiter Raoul Knittel. Vor allem gelte es, weiterhin Produzenten von Solarstrom zu gewinnen und Abnehmer zu finden, damit die Wertschöpfung in der Region bleibe.

Herr Knittel, vier Prozent Solarstrom tönt nach einer bescheidenen Menge.

Verglichen mit den zwei Prozent in der Schweiz steht das Emmental mit diesen jährlich 28 Millionen Kilowattstunden deutlich besser da. Eine Zunahme von einem Prozent pro Jahr ist nicht schlecht. Ein viel schnellerer Anstieg in dieser kurzen Zeit hätten wir uns gar nicht gewünscht. Ein Wachstum von Null auf Hundert birgt die Gefahr, von ausländischen Anbietern überrannt zu werden. Unser Ziel ist es, dass die einheimische Bevölkerung und das regionale Gewerbe profitieren können.

Ist das Potenzial denn auch in Zukunft noch vorhanden?

Auf jeden Fall. Eine von uns erstellte Studie zeigt auf, dass sich das Emmental in weiterer Zukunft zu 40 Prozent mit Solarstrom versorgen kann. Das ist eine grosse Chance. Zum einen ist die Gegend weitgehend nebelfrei, zum andern hat es hier viele grosse Dächer, die sich gut eignen für die Produktion von Solarstrom. Ein Bauernhaus oder eine Fabrik kann so zu einem kleinen Kraftwerk werden.

Viele Hausbesitzer oder Unternehmer dürften aber die Kosten scheuen.

Die Entwicklung im Bereich der Photovoltaik ist frappant und nicht mehr aufzuhalten. Die Anlagen werden immer effizienter und günstiger. Noch vor fünf Jahren kostete eine Anlage das Achtfache des heutigen Preises. Zudem ist Strom aus eigener Herstellung günstiger als Strom aus dem Netz. Warum also nicht ein Dach, das sowieso saniert werden muss, mit Solarpanels statt mit Ziegeln decken? 

Vielleicht, weil es eine vergleichsweise junge Technologie ist, die sich erst das Vertrauen verdienen muss.

Das mag stimmen. Auf der anderen Seite geniesst die Solarenergie aber eine grosse Akzeptanz. Sie ist nicht nur erneuerbar, sondern macht auch unabhängig von fossiler Energie. Viele Leute und Unternehmen sind bereit, in diese zukunftsträchtige Technologie zu investieren. 

Sie erhalten dafür Lenkungsabgaben, ein nicht unwesentlicher Faktor?
Die Lenkungsabgaben sind wichtig und richtig, um die Energiewende zu schaffen. Neuere Anlagen erhalten einen einmaligen Investitionsbeitrag. Leider fehlt es aber zunehmend an Geld, um erneuerbare Energie nachhaltig zu fördern. Die Wartezeit für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) beträgt mehrere Jahre, weil die Mittel fehlen. Das ist doch fragwürdig, wenn wir daran denken, was auf der anderen Seite für immense Kosten noch auf die Steuerzahler zukommen werden für die Stilllegung von AKWs und die Endlager für Atommüll.

Wenn es keine KEV gibt, muss der Produzent den Solarstrom verkaufen, damit er auf seine Rechnung kommt?  

Ja, und genau das ist auch eine Chance. Über die Plattform «Strom von hier» ist es für den Konsumenten möglich, regional und erneuerbar produzierten Ökostrom zu kaufen und so seinen Beitrag an die Energiewende zu leisten. Die Firma Kambly zum Beispiel kauft seit Jahren Solarstrom aus dem Emmental

Abnehmer müssen aber auch bereit sein, mehr zu zahlen.
Je nach Produkt kostet der Ökostrom zehn bis 15 Prozent mehr, das macht im Jahr pro Haushalt nur rund 100 Franken aus. Vielen Kunden ist es das wert. Man kann es vergleichen mit der Herkunft von Lebensmitteln: Ich kann das Antibiotika-Poulet aus Brasilien kaufen oder eines aus Biohaltung vom Landwirten in der Region.  Wer «Strom von hier» kauft, hat die Garantie, dass der Mehrpreis direkt dem Produzenten zugute kommt.

Woran liegt es denn, dass Sie noch nicht genügend Abnehmer für den Emmentaler Solarstrom haben?  

Anders als bei Lebensmitteln sind sich die Leute nicht gewohnt, Strom einzukaufen. Strom ist nicht fassbar, er kommt aus der Steckdose. Wir aber geben ihm ein Gesicht, indem wir Strom beispielsweise von der Oberen Halde oder vom Hasenlehn anbieten. Unsere Aufgabe ist es, die Leute zu sensibilisieren und aufzuzeigen, dass es einen Unterschied macht, von wo ich meinen Strom beziehe. Uns stimmt zuversichtlich, dass die Nachfrage steigt.

Die Energieregion Emmental ist ein Netzwerk unabhängiger Partner mit der gemeinsamen Vision eines weitgehend energieautarken Emmentals.
04.08.2016 :: Silvia Ben el Warda-Wullschläger
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