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Die Strategie für die Energie der Zukunft?
Langnau:

Die Diskussion um die Energiestrategie 2050, über die am 21. Mai abgestimmt wird, zeigte, dass sich Befürworter und Gegner in vielem einig sind – ausser bei einigen Zahlen. 


«Herr Aebi, können Sie uns erklären wie die SVP in ihrer Kampagne auf die 3200 Franken gekommen ist, welche eine Familie pro Jahr berappen müsse, sollte die Energiestrategie 2050 umgesetzt werden?» Der Angesprochende, SVP-Grossrat sowie Land- und Energiewirt, Markus Aebi, sagte, dass in dem Betrag die gesamte Umsetzung der Energiestrategie berücksichtigt worden sei, samt Teuerung und allem weiteren. «Ob die 3200 Franken genau stimmen, weiss ich allerdings nicht», fügte er dann noch an. 

Eveline Neeracher, Präsidentin von Gastro-Bern, ist auch überzeugt, dass die Energiestrategie Mehrkosten bringen würde. «Das Gastgewerbe, das zu 80 Prozent aus Kleinbetrieben besteht, hätte darunter besonders stark zu leiden», führte sie in der Diskussion am Dienstagabend im «Tigersaal» mehrfach aus. Toni Lenz, Präsident des Gewerbeverbandes Berner KMU, findet die Energiegesetzgebung, welche zur Abstimmung steht, überflüssig: «Es ist im Interesse eines jeden, Energie zu sparen», meinte Lenz. «Dazu brauchen wir kein neues Gesetz.» Lenz, der während Jahren im Handel mit Erdölprodukten tätig war, ist überzeugt, dass vor allem die ländliche Bevölkerung unter der Energiestrategie zu leiden hätte, weil man hier auf den Individualverkehr und somit auf fossile Brennstoffe angewiesen sei. 

Heimisches Holz, statt fremdes Öl  

«Für ländliche Gebiete wie das Emmental bietet die Energiestrategie 2050 vor allem Chancen», hielt BDP-Grossrat Samuel Leuenberger dagegen. «Schliesslich hat es hier sehr viel Wald. Heizen wir lieber mit einheimischem Holz, statt viel Geld für Öl ins Ausland zu überweisen und damit erst noch fragwürdige Staaten zu unterstützen.» Damit der Wandel hin zum Energiesparen und zu erneuerbaren Energien etwas rascher vonstatten gehe, brauche es einen leichten Druck, findet Leueneberger, der unverblümt festhielt, dass er einst für eine Verlängerung der Betriebsdauer von AKW’s weibelte. «Die Nuklearkatastrophe von Fukushima hat dann gezeigt, dass auch in gut entwickelten Ländern etwas passieren kann», meint Leuenberger. Auch Christoph Grimm, GLP-Grossrat, zeigte sich überzeugt, dass die Energiestrategie ein guter Kompromiss sei. Er finde auch die Erhöhung der Staumauer am Grimsel richtig, weil die stetig anfallende Wasserenergie für die Versorgung in der Nacht wichtig sei.

In der Mobilität wäre mehr möglich  

Der dritte im Bunde der Befürworter war Urs Muntwyler, Professor an der Berner Fachhochschule in Burgdorf. Er beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit erneuerbarer Energiegewinnung, insbesondere Photovoltaik, und hatte einen derart grossen Wissensvorsprung, dass es auch für den Moderator der Diskussion, Reto Wiedmer vom Lokalradio «Neo1», nicht einfach war, diese zu leiten. 

Muntwyler erhielt von den Organisatoren der Veranstaltung, der Langnauer Elektroinstallationsfirma Elentec Gmbh, die Gelegenheit, ein Inputreferat zu halten. Darin zeigte Muntwyler rasend schnell mit vielen Beispielen gespickt, die Entwicklung nachhaltiger Energiegewinnung auf. Sein Fazit: «Die Energie aus Photovoltaikanlagen wurde immer günstiger, und werde es weiter werden.» 

Obwohl Urs Muntwyler die Abstimmungsvorlage vom 21. Mai klar befürwortet, brachte er auch Kritik an: Er glaubt nicht, dass es sinnvoll und rentabel sei, in der Schweiz viel in Windkraft zu investieren. Hingegen sieht er in umweltfreundlicher Mobilität mehr Potenzial. Sagte es und brauste nach dem Anlass im Elektroauto nach Hause.


11.05.2017 :: zue.
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