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Die Störenmetzger lösten ihren Verband nach 70 Jahren auf
Die Störenmetzger lösten ihren  Verband nach 70 Jahren auf Heimisbach:

70 Jahre nach seiner Gründung wurde der Störenmetzgerverband Amt Trachselwald aufgelöst. Kürzlich trafen sich die letzten Mitglieder zu einem Abschlussessen. 



Früher zogen die Störenmetzger in den Wintermonaten von Hof zu Hof und schlachteten und verabeiteten die Schweine für den Hausgebrauch vor Ort. Die «Metzgete» war jeweils ein Festtag für die ganze Familie. Auch Notschlachtungen beim Rindvieh führten sie fachgerecht durch. Dazu gehörte bis Mitte der 1990er Jahre auch das Auswägen von Fleisch, welches nicht in den öffentlichen Verkaufskanal gelangen durfte (Dreieck-Stempel). Durch den allgemeinen Wandel der Zeit und die verschärften Hygienevorschriften gibt es heute fast keine bäuerlichen «Huusmetzgete» mehr. Auftrags- und Notschlachtungen werden in dafür eingerichteten und tierärztlich kontrollierten Lokalen durchgeführt. Seit 25 Jahren beispielsweise bei Kundenmetzger Werner Jörg, Äbnit, Wasen. Er präsidierte zugleich den Störenmetzgerverband Amt Trachselwald. 

Nach 70 Jahren aufgelöst

An der Hauptversammlung 2016 stellte der Verband seine Tätigkeit ein und beschloss die Auflösung. Dies 70 Jahre nach der Gründung im Restaurant Bahnhof in Grünen am 1. Dezember 1946. Anlässlich eines Abschlussessens im «Krummholzbad» in Heimisbach zitierte Beisitzer Christian Kopp letzthin aus alten Protokollen. «Die Gründungsversammlung wurde auf einen Sonntagnachmittag gelegt, weil die meisten der 25 Anwesenden aus der Landwirtschaft stammten. Als erster Präsident stellte sich Initiant Fritz Pfister, Wasen, zur Verfügung. Die festgelegten Arbeitslöhne für ein Schwein betrugen acht bis 15 Franken, für Grossvieh 20 bis 30 Franken und für Kleinvieh fünf bis sieben Franken. Einen Fünfliber Zuschlag konnte bei Sonntags- und Nachteinsätzen verrechnet werden», berichtete Kopp von den Anfängen kurz nach Kriegsende.  

Sinn und Zweck des Störenmetzger-Zusammenschlusses war demnach die Regelung der Arbeitslöhne, eine gemeinsame Einkaufs-Organisation und der Abschluss einer Kollektivversicherung. Auch Weiterbildungen und Fleischverwertungskurse wurden regelmässig organisiert. 

Präsidiale Ermahnungen

Weil er trotz wiederholten Aufforderungen mit dem «Unterhaltungsgeld» von jährlich drei Franken immer im Rückstand war, wird 1953 ein Mitglied ausgeschlossen. An der Hauptversammlung 1961 wurden die Störenmetzger vom Vorsitzenden ermahnt, das Ausschneiden der Hammen habe mit besonderer Sorgfalt zu geschehen. Das Schlossbein solle nicht entfernt werden. In der Diskussion zeigte sich, dass offenbar verschiedene Schnitte zur Anwendung gelangten. 

Ebenfalls das Thema Fleischauswägen kam zur Sprache. «Handelt es sich um ein mageres Tier, muss der Metzger ganz sorgfältig vorgehen, um jedem Fleischkäufer einigermassen gerecht zu werden», steht im Protokoll. Auch das Weltgeschehen, vor allem die Probleme der Fremdarbeiter und ein Lohnvergleich mit den Störenmetzgern, ist aktenkundig. 

Zur Überraschung der 21 Anwesenden liess Rösli Schütz, Ober Hornbach, zwischen «Suure Mocke» und Dessert ein Fotoalbum mit raren Störenmetzger-Aufnahmen zirkulieren.

 

Die vier Präsidenten des Störenmetzgerverbandes Amt Trachselwald: 

1946 – 1966 Fritz Pfister, Wasen (20 Jahre); 1966 – 1991 Hans Schlüchter, Heimisbach (25 Jahre); 1991 – 1999 Fritz Schütz, Wasen (8 Jahre); 1999 – 2016 Werner Jörg, Wasen (17 Jahre).


13.04.2017 :: Ulrich Steiner
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