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«Die Skis gleiten lassen!»
«Die Skis gleiten lassen!»

Auf dem Salwideli in Sörenberg fand am Sonntag ein Langlauf-Schnuppertag statt. Ich wagte mich für diesen Artikel nach zwanzig Jahren Langlaufabstinenz wieder auf die Bretter!

Mir kam sofort die körperlich anstrengendste Woche meines Lebens in den Sinn, als ich von der Redaktion angefragt wurde, einen Erfahrungsbericht über den Langlauf-Schnuppertag zu schreiben. Ich absolvierte meine Ausbildung zur Primarlehrerin und dazu gehörte ein Langlauflager im Goms. Da kaum jemand Erfahrung damit hatte, kam man schon in die fortgeschrittene Gruppe, wenn man sich einigermassen auf den Skis halten konnte. Unser Leiter war nicht irgendwer. Es war Koni Hallenbarter, seinerseits mehrfacher Olympiateilnehmer und zweifacher Gesamtsieger der Worldloppet-Serie. Kein Zweifel, er hat seine Sache gut gemacht, aber geschont hat er uns nicht. So verbrachte ich eine Woche damit, in ziemlich flottem Tempo das Goms rauf und runter zu hetzen. An einem Kurstag wagten wir uns sogar mit den Langlaufskis auf den Skilift. Oben war ich etwa nach dem zehnten Versuch und auch die Piste runter zu kommen, stellte sich als ziemlich tückisch heraus. Resultat: blaue Flecken und Muskelkater überall! Wenigstens unsere Lehrer hatten eine gemütliche Woche. Für irgendwelche Flausen fehlte uns schlichtweg die Energie. 

Szenenwechsel: vom Goms ins Entlebuch. Genauer auf das Salwideli in Sörenberg. Letzten Sonntag fand dort ein Langlauf-Schnuppertag statt, organisiert vom Skiclub Flühli und vom Verein Loipe Salwideli. Das Interesse war gross, rund 40 Leute kamen. «Der Langlaufsport ist in den letzten Jahren wieder populär geworden», sagt Christoph Schnider vom Skiclub Flühli. «Nicht zuletzt wegen Dario Cologna. Dank seiner Erfolge wurde vermehrt über den Sport berichtet.» Aber auch das Entlebuch hat Langlauftalente hervorgebracht. Hier wuchs Ueli Schnider auf, der sich im letzten Jahr den Schweizermeistertitel über 50 Kilometer klassisch geholt hat. Er wurde vom Skiclub Flühli gefördert und hat viele Trainingsstunden im Salwideli absolviert.

Los gehts!

Und los geht das Experiment Langlaufen. Ich kann zwischen klassischem Langlauf und Skaten wählen. Mit dem klassischen Stil läuft man in einer Loipe und bewegt sich im Diagonalschritt vorwärts, beim Skaten kommt der Schlittschuhschritt zum Einsatz und man kommt um einiges flotter voran. Nicht zuletzt dank meiner einschlägigen Erfahrungen entscheide ich mich für die gemütlichere Variante und wähle den klassischen Stil. Geleitet wird meine Gruppe von Ursula Felder. Flink wie ein Wiesel ist sie auf ihren Skis unterwegs, und das selbst bergauf. Schliesslich war sie einige Zeit sogar im zentralschweizerischen Skikader. Ob es bei ihr so streng zu und her geht wie bei Koni Hallenbarter? Meine Befürchtungen treffen zum Glück nicht ein. Erst einmal sollen wir nur normal gehen, halt einfach mit den angeschnallten Skiern. Dann geht es weiter mit verschiedenen Übungen. Erst einmal ohne Stöcke. Das ist schon etwas schwieriger, fällt doch die hochwillkommene Möglichkeit, sich abzustützen, weg. Dann legen wir einen Ski weg. Wie auf dem Trottinett stossen wir uns mit dem einen Bein ab und gleiten auf dem anderen Ski. «Die Skis gleiten zu lassen, ist das A und O beim klassischen Langlauf», lasse ich mir von Ursula Felder erklären. Und ich darf sagen: Mehr und mehr gelingt es und ich bin bis jetzt nicht einmal auf dem Hosenboden gelandet, aber das sollte sich schon bald ändern!

Die Abfahrt

Nun geht es zur nächsten Übung. Wir sollen einen etwa zwanzig Meter langen Abhang hinunterfahren. Ein Ski gerade in der Loipe und mit dem andern wie beim Stemmbogen bremsen. Mit gestärktem Selbstbewusstsein wage ich mich an die Abfahrt und lande auf der kurzen Strecke gleich drei Mal auf dem Hintern. Kante geben wie beim Skifahren ist auf den Langlaufskis eine Geschichte für sich. Das Fazit soweit: Langlaufen ist nicht schwer, Bremsen dagegen sehr! Auch hier kommt Ursula Felder mit einem wertvollen Tipp zu Hilfe: «Immer schön in den Knien bleiben!» Erstens falle man so weniger hin und wenn doch, sei man schon näher am Boden! Das leuchtet mir ein! Ab und zu auf dem Hintern zu landen, gehöre halt dazu, sagt auch der Chef nordisch vom Skiclub Flühli, Christoph Schnider. «Trotzdem gibt es beim Langlauf im Vergleich zu anderen Sportarten kaum Verletzungen.» Das mache den Sport auch für ältere Semester attraktiv, aber auch Kinder hätten Freude daran. «Wir haben zurzeit 15 Kinder, die regelmässig ins Langlauftraining kommen. Auch haben wir eine Renngruppe, die regelmässig an Wettkämpfen teilnimmt.»

Ab auf die Loipe

Zum Schluss werden wir sozusagen in die freie Wildbahn entlassen. Jeder kann in seinem Tempo die kleine Runde auf dem Salwideli absolvieren. Wie der Name schon vorschlägt, ist Langlaufen am besten, wenn man sich so lange Zeit nimmt, wie man möchte. Der eine absolviert ein flottes Cardio-Workout, der andere geniesst in gemächlichem Tempo die Aussicht auf die Berge. Mir gefällt das Hingleiten im Schnee und das vor Jahren Gelernte kehrt Stück um Stück zurück. Langsam aber sicher gelingen neben dem Diagonalschritt auch der Doppelstockschub und sogar der Doppelstockschub mit Zwischenschritt. Und welches Fazit zieht der Veranstalter? «Der Schnuppertag war ein Erfolg und es würde uns freuen, den einen oder anderen wieder auf der Loipe zu sehen», sagt Christoph Schnider und erwähnt, dass sein persönliches Highlight die Kindergruppe war, die er betreut hat. «Ich war erstaunt, wie schnell die Anfänger die Langlauftechnik gelernt haben.» 

Auch mein Fazit ist positiv. Ich habe mir fest vorgenommen, es nicht nur beim Schnuppertag zu belassen. Am Schluss bekomme ich sogar ein Kompliment von der Gruppenleiterin Ursula Felder. Meine Technik sei gut und man sehe, dass ich nicht zum ersten Mal auf den Skis stehe. Das freut mich natürlich und mir kommt der Gedanke, dass die Schinderei im Goms vor zwanzig Jahren doch nicht ganz nutzlos war. Danke, Koni Hallenbarter!

Langlaufen in Sörenberg

Die Loipe im Salwideli erstreckt sich über eine Länge von 24 Kilometern und ist für klassisches Langlaufen und Skating gespurt. Die Strecke ist abwechslungsreich mit einigen Auf- und Abstiegen. Wer sich an einem leichteren Gelände mit wenig Steigung versuchen will, kann die Loipe Sörenberg-Dorf benützen. Auch diese ist für Klassisch und Skating gespurt und erstreckt sich über acht Kilometer.

11.01.2018 :: Barbara Badertscher
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