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Die Schüler haben alles im Griff
Die Schüler haben alles  im Griff Obertal:

Letzten Freitag führte die Schule Oberthal zusammen mit tschechischen Austauschschülern
einen Turntag durch. Bei der Mehrzweckhalle in Zäziwil lagen die Schwingerhosen bereit und
in der Kletterhalle stand «Bouldern» auf dem Programm. 



Die Sonne strahlt heute mit den Oberschülern aus Chynov und dem Oberthal um die Wette. Zwar ist Schwingen nicht für alle «ihr Ding», doch die Jugendlichen haben sichtlich Spass daran, mit dem neu gelernten Schwung den Gegner oder die Gegnerin rücklings ins Sägemehl zu befördern. Hans Burger, einer der Zäziwiler Jungschwingertrainer, gibt Tipps und hilft, den richtigen Griff zu finden.

Ein Glücksgriff scheint für die Ober-
thaler Schule die Partnerschaft mit der tschechischen Gemeinde Chynov zu sein. Seit 1995 findet rund alle drei Jahre ein Schüleraustausch statt. Dabei besucht sich eine Gruppe Oberschüler aus den beiden Gemeinden gegenseitig. Untergebracht sind sie jeweils in Gastfamilien. «Mein Ziel ist, dass jeder Oberthaler Oberschüler bis zum Schulaustritt einmal die Gelegenheit erhält, Tschechien zu besuchen», erklärt Urs Schürch, Schulleiter und langjähriger Mit-Organisator der Austauschwoche. Diese erweitere den Horizont der Schüler und gewähre ihnen Einblicke in ein anderes Land. «Ein solches Erlebnis ist viel eindrücklicher als etwa eine Geografiestunde im Schulzimmer», meint er und schmunzelt. 

Ob die Tradition des Schüleraustausches weitergeführt wird, ist noch unklar, denn sie basiert auf privater Initiative. Urs Schürch wird im nächsten Jahr pensioniert und in Chynov treten sowohl der amtierende Bürgermeister wie auch die Schulleiterin in näherer Zukunft ebenfalls ab. 

Die Familie isst nicht zusammen

Anja kennt die anwesenden Austauschschüler bereits seit der Reise vom letzten Frühling nach Tschechien. Ihr gefiel es damals sehr, etwas Neues zu erleben. Auch in der Gastfamilie fühlte sie sich wohl. «Mit ihnen konnte ich mich auf Englisch unterhalten», erzählt die 15-Jährige. Dabei stellte sie fest, dass die Leute dort etwa die gleichen Fehler in dieser Fremdsprache machen wie die Schweizer. Und noch etwas fiel ihr und den anderen befragten Ober-
thalern auf: «Die Familie isst nicht zusammen am Tisch, sondern zu unterschiedlichen Zeiten.» Heimweh hatte Anja nie, im Gegenteil. «Lieber wäre ich noch eine Woche länger geblieben», schwärmt sie. Nach dieser Reise entschied sich Anja definitiv dafür, nach der Schule ein Welschlandjahr zu machen. 

Mehr Mühe damit, so weit weg von zu Hause zu sein, hatte ihre Mitschülerin Sabrina. Zwar fand auch sie ihre Gastfamilie nett, aber die Verständigung war schwierig. «Sie konnten kein Deutsch und ich kein Englisch», erzählt die angehende Fachangestellte Gesundheit. Trotzdem sei es rückblickend ein tolles Erlebnis gewesen.

Gastbruder für eine Woche

Auch der 16-jährige Kasian erlebte die Leute aus der 2000-Seelen-Gemeinde Chynov als gastfreundlich und fand es «sehr cool» in Tschechien. Diese Woche wohnt sein damaliger Gastbruder Tomas bei ihm. Für Tomas, der schon öfters im Ausland in den Ferien war, ist es der erste Besuch in der Schweiz. Er fühle sich sehr wohl hier, meint der Achtklässler. Besonders schön findet er die hiesige Natur und die frische Luft. Die 15-jährige Magdalena, ebenfalls aus Tschechien, ergänzt: «Hier sieht man überall Tiere auf der Weide: Kühe, Schafe und Pferde.» Zudem stünden die Häuser viel näher beieinander und alle kennten und grüssten sich, ist den beiden tschechischen Schülern aufgefallen. 

Nach dem Schwingen führt ein kurzer Fussmarsch die Gruppe zur Kletterhalle. Kaum angekommen, «bouldern» die ersten los. Ein paar Jungs lassen die Muskeln spielen und ziehen sich – möglichst nur mit den Händen – die überhängenden Kunstfelsen hoch. Andere bevorzugen eine einfachere Route oder schauen zu. Ein bisschen Mut braucht das Herunterspringen von ganz oben auf die Matte. Knapp eine Stunde später ist der Spass vorbei und der Car bereit zur Rückfahrt ins Oberthal.

 


Die Gemeindeautonomie fördern war einst das Ziel

1991, knapp zwei Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in Europa, haben der Kanton Bern und die tschechische Region Südböhmen das Projekt «Gemeindepartnerschaften Kanton Bern – Tschechische Republik» gestartet. Initiiert wurde es von alt-Regierungsrat Peter Schmid und dem damaligen Vizepräsidenten des tschechischen Parlaments, Jiri Vlach. Der Kanton Bern wollte mit diesem Projekt einen Beitrag an die Entwicklung föderalistischer Strukturen in den ehemaligen Ostblockstaaten leisten. Angestrebt wurde der Aufbau von wechselseitigen, dauerhaften Beziehungen mit dem Ziel der Förderung der Gemeindeautonomie, der Ausbildung in Gemeindefragen, des gemeinsamen Erfahrungs- und Meinungsaustauschs sowie der Schaffung persönlicher Beziehungen unter Gemeindeverantwortlichen. In den letzten 26 Jahren wurden viele der Partnerschaften wieder aufgelöst. Doch einige haben bis heute überlebt, auch im Emmental. Beispielsweise hat Oberdiessbach im kommenden Juni für seine Bürger wieder eine Reise nach Kardasova Recice geplant. 

Auch in Trubschachen wird die Partnerschaft mit Strmilov gepflegt, vor allem auf Behördenebene. Der Schüleraustausch ist etwas eingeschlafen, doch gibt es Ideen für eine mögliche Familienbegegnungswoche. Für Gemeindepräsident Beat Furrer hat dieser Ort zudem eine besondere Bedeutung: Dort hat er seine Frau kennengelernt.

 

11.05.2017 :: Rebekka Schüpbach
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