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Die Predigt auf Radio Tell verstummt
Die Predigt auf Radio Tell verstummt Medien: Die Sonntagspredigt, eine der meistgehörten Sendungen auf Radio Tell, musste wegen fehlender finanzieller Mittel eingestellt werden. Das gibt Probleme für den Radiosender.
Sie war ein fester Bestandteil im Programm von «Radio Tell, Heimatklang der Schweiz». Bis zu 25’000 Zuhörer schalteten am Sonntagvormittag das volkstümliche Radio ein, wenn vor dem Wunschkonzert «Buurezmorge» eine Predigt gelesen wurde. Doch damit ist nun Schluss – vorerst jedenfalls. Am vergangenen 2. August wurde die beliebte Sonntagsbesinnung, die auch von Pfarrpersonen aus der Region gehalten wurde, zum letzten Mal ausgestrahlt. Samuel Burger, Präsident des Vereins «Kipra» (Kirche im Privatradio), erklärte am Ende der Sendung die Gründe für den Wegfall: «Die erforderlichen finanziellen Mittel konnten nicht mehr generiert werden.» Der Verein habe den Entscheid schweren Herzens gefällt. Trotz grossen Anstrengungen sei es nicht gelungen, für die Finanzierung genügend verlässliche Partner zu finden. Und Schulden habe man vermeiden wollen.

Es fehlten rund 20’000 Franken

Gemäss Samuel Burger betrug das Jahresbudget für die Ausstrahlung der Predigten zirka 55’000 Franken. Den Löwenanteil von rund 35’000 Franken leisteten die reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn.  Leider sei es nicht gelungen, den Fehlbetrag von rund 20’000 Franken anderweitig zu bekommen. Samuel Burger wies darauf hin, dass dies ein schmales Budget sei, wenn man es mit üblichen Medienkosten vergleiche. Zudem hätten die Pfarrpersonen und Vorstandsmitglieder gratis gearbeitet.
«Um den Sendebetrieb wieder aufnehmen zu können, müssten mittelfristig Sponsoren gefunden werden, die für den Fehlbetrag aufkommen», erklärt der Konolfinger Pfarrer auf Anfrage. Um die Radiopredigt langfristig zu sichern, wäre eine gesamt-deutschschweizerische Trägerschaft sinnvoll. «Denn Radio Tell wird in der ganzen Schweiz gehört, vorwiegend in den ländlichen Gebieten, aber auch weltweit von Auslandschweizern», so Samuel Burger. Ihn persönlich mache dieser Entscheid traurig, denn er habe regelmässig Zuschriften erhalten, die ihm zeigten, dass die Predigt geschätzt werde, gerade von Menschen, die nicht zur Kirche gehen könnten. Andererseits sei er auch erleichtert; der permanente Finanzdruck sei in den letzten Monaten zur Belastung geworden.

Entscheid trifft Sender doppelt
Enttäuscht vom Entscheid zeigte sich auch Alexander Dal Farra von der Betreiberfirma DMD2. Der Sonntagvormittag sei dank Wunschkonzert und Predigt der hörerstärkste Teil der Woche gewesen. Das Ende der Predigt treffe den Sender gleich doppelt, erklärt der Radiomacher: «Erstens verlieren wir einen unserer wichtigsten Programmteile. Zweitens verbleibt mit dem Wegfall der finanziellen Einkünfte aus den Predigtausstrahlungen nur noch eine einzige Geldquelle für den Betrieb des Senders: der Trägerverein Heimatklang.» Dies ist der Verein, der Mitgliederbeiträge für den Sender sammelt. Nun komme eine schwere Last auf diesen Verein zu, sagt Alexander Dal Farra: «Mit dem bestehenden Mitgliederstamm wird es uns unmöglich gelingen, das Radio wie bisher weiterzubetreiben.» Für den Sonntagvormittag sei keine weitere Sendung geplant, das Budget lasse dies nicht zu.

Wechselvolle Geschichte
Die Sonntagspredigt auf Radio Tell geht auf die Zeit des Lokalsenders Radio Emme zurück. Anlässlich einer Neuausrichtung und Namensänderung 2008 von Radio Emme zu «Neo» wurde die Sparte Volkstümlich und so auch die Sonntagspredigt in «Neo zwei» «ausgelagert». Im Gegensatz zu «Neo 1» konnte «Neo zwei» nur noch über Satellit, Kabel und via Internet empfangen werden. Der Sender wurde später zu Radio Heimatklang, bis dieser letztes Jahr mit Radio Tell fusionierte.
13.08.2015 :: Benjamin Stocker-Zaugg
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