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Die Hagelgefahr besser voraussehen – mit Sensoren
Die Hagelgefahr besser voraussehen – mit Sensoren Escholzmatt:

Die Mobiliar finanziert im Napfgebiet ein Hagelmessnetz mit 40 Sensoren. Ein Gerät steht nun auch auf dem Dach des Schulhauses Windbühlmatte in Escholzmatt.

Serge Mattli, Projektleiter bei der Altdorfer Innet Monitoring AG, belädt eine Art Traggestell mit einem etwa zehn Kilogramm schweren Hagelsensor (siehe Kasten). Dann steigt er damit auf das Dach des Schulhauses Windbüelmatte in Escholzmatt. «Unsere Firma ist auf Umweltmonitoring spezialisiert. Im Auftrag der Schweizerischen Mobiliar Genossenschaft und in enger Zusammenarbeit mit dem Mobiliar Lab für Naturrisiken an der Universität Bern und Meteo Schweiz sind wir für die Montage, den Betrieb und die Wartung sowie nach acht Jahren für den Rückbau der 80 Sensoren verantwortlich», umschreibt er seinen Auftrag.

Ein Hagelsensor wird installiert

Sorgsam schraubt Mattli zusammen mit seiner Mitarbeiterin Nadine Minder den Hagelsensor auf eine Betonplatte. Danach wird das Messgerät an einen Sonnenkollektor angehängt und in Betrieb genommen. Mit dem Handgriff eines Schraubenziehers wird dem Sensor ein Schlag verpasst. Damit wird ein Hagelschlag simuliert und schon piepst es auf dem Handy von Mattli. «Der Schlag entspricht einem Hagelkorn von 13 Millimeter Durchmesser, der Sensor funktioniert», hält er zufrieden fest. Die Suche der Standorte sei trotz anspruchsvoller Krite-
rien wie freier Stand, Flachdach, Vandalenschutz oder Natelempfang nicht kompliziert gewesen. Nahezu alle angefragten – meist öffentlichen Liegenschaftsbesitzer – hätten spontan zugesagt und dies ohne Entschädigung. Mattli folgert: «Mehr über den Hagelschlag zu wissen, ist offenbar ein grosses Bedürfnis und von hohem öffentlichem Interesse».

Napfregion besonders betroffen

Das von Meteo Schweiz betreute und von der Mobiliar mit einer Million Franken finanzierte Projekt umfasst den Betrieb von 80 Hagelsensoren in den vom Hagel besonders häufig betroffenen Regionen Napf, Jura und Südtessin. Im Hagelgebiet Napf werden 40 Sensoren installiert, so zum Beispiel in Entlebuch, Hasle, Schüpfheim, Escholzmatt, Marbach, Schangnau, Trub und Napf. «Während acht Jahren sollen die Sensoren verschiedene Daten des Hagelschlages aufzeichnen und an Meteo Schweiz überliefern», umschreibt Ena Hirschi, Spezialistin Geoanalyse und Naturrisiken bei der Mobiliar, die Funktionsweise des Hagelnetzwerkes. Sie ergänzt, dass die Messdaten auch der Universität Bern zu Forschungszwecken zur Verfügung stehen werden.

Hagelschäden verringern

«Die durch das Hagelmessnetz gewonnenen Daten sollen uns besser verstehen lassen, was aus welchen Wolkenarten wo genau passiert. Wir möchten das Phänomen Hagel besser verstehen», betont Ena Hirschi. Dadurch würden – in Kombination zu den bisherigen Hagelinformationen aus Wetterradardaten, Beobachtungen und Hagelschäden an Fahrzeugen und Gebäuden – bessere Grundlagen zur Prävention erwartet. Diese Möglichkeiten seien neu und weltweit einzigartig. Vor allem die kurzfristigen Prognosen und Warnungen – ein bis zwei Stunden vor dem Hagelschlag – sollten präziser ausfallen, meint sie und ergänzt: «Dadurch wird es der Bevölkerung eher möglich sein, Sachwerte wie zum Beispiel Autos rechtzeitig unter Dach zu bringen oder Storen hochzuziehen», so Ena Hirschi. Endziel sei es, Zahl und Umfang der Hagelschäden zu vermindern und Kosten zu sparen.

Ein Präzisionsinstrument

Der Hagelsensor besteht aus einer Kunststoffscheibe mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern. Die Scheibe beginnt beim Aufprall eines Hagelkorns zu schwingen. Die Schwingungen werden von einem hochsensiblen Mikrofon aufgezeichnet. Die Hagelsensoren messen so die kinetische Energie, die Korngrösse und den Zeitpunkt des Hagelschlages. Die Daten werden via Mobilnetz in Echtzeit an einen zentralen Speicherort bei Meteo Schweiz überliefert. Die Firma Innet Monitoring AG aus Altdorf hat den Hagelsensor nach der Idee eines deutschen Professors in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Saarbrücken und der Kisters AG entwickelt und ist für den Aufbau, den Betrieb und die Wartung zuständig.

19.07.2018 :: Walter Marti
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