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Die erste Rechnung hatte nur wenige Seiten – die letzte 1400 Belege
Die erste Rechnung hatte nur wenige Seiten – die letzte 1400 Belege Trub: Während 45 Jahren führte Fritz Beer die Rechnung der Holzverwertungsgenossenschaft Trub und umliegende Gemeinden – und hat dabei auch stürmische Zeiten erlebt. 
Schon nach kurzer Zeit kommt das Gespräch auf Sturmereignisse: Der Orkan Lothar und einige Jahre zuvor Vivian. Nicht nur in den Wäldern sorgten die Orkane für viel Arbeit, sondern auch in der Verwaltung der Holzverwertungsgenossenschaft.
Auch kurz bevor Fritz Beer am Neujahr 1972 das Amt des Kassiers übernommen hat, gab es Windfall. «Es hatte damals so viel Holz, dass die lokalen Sägereien nicht alles übernehmen konnten», erinnert er sich. «Die Genossenschaft hatte auch zu wenig Geld, um das Holz zu kaufen.»
Ab 1975 übernahm die Genossenschaft dann den Verlad und die Abrechnung des Holzes, das an die  Papierfabrik geliefert wurde. «Wir konnten mehrere tausend Ster Papierholz liefern», erklärt Fritz Beer. Von jedem Ster (Holzbeige mit einer Länge, Breite und Höhe von einem Meter) behielt die Holzverwertungsgenossenschaft (HVT) einen Franken zurück. «So konnten wir bescheidene Finanzreserven aufbauen», erklärt Fritz Beer.

Zähe Verhandlung, aber mit Respekt

Heute verkauft die Genossenschaft, deren Gebiet die Gemeinden Trub, Trubschachen und Langnau umfasst, das meiste Holz an die lokalen Sägereien, den Rest an spezialisierte Unternehmen aus der ganzen Schweiz. Die Abnehmer reichen Offerten ein und die HVT vermittelt die entsprechenden Sortimente, sortiert nach Baumart, -stärke und Qualität.
Als Fritz Beer seine Tätigkeit im Vorstand aufnahm und fast alles Holz aus den Truber Wäldern noch in Emmentaler Sägereien verarbeitet wurde, lief der Holzhandel noch ein wenig anders. «Man traf sich beispielsweise im ‹Löwen› in Trub», beginnt der 78-Jährige zu berichten. «Im einen Säli berieten sich die Sager, im anderen Säli eine Delegation der Holzverwertungsgenossenschaft. Anschliessend sass man zusammen und versuchte sich auf einen Preis für jede Holzklasse zu einigen. Das gelang aber nicht immer. Dann kam es vor, das man zwei Wochen später noch einmal verhandeln musste.» Wurde keine Einigung erzielt, war das für beide Seiten schlecht. Die Sager mussten das Holz eventuell von weiter her transportieren, die Waldbesitzer mussten tiefere Preise in Kauf nehmen, weil die Sager bei jedem Posten einen anderen Preis machen konnten. Der Vorteil der Genossenschaft – gemeinschaftlich aufzutreten – war dahin. «Deshalb galt der Grundsatz: ‹Lieber ein schlechtes Abkommen als gar keines›», meint Fritz Beer. Ihm sei immer daran gelegen, dass respektvoll miteinander umgegangen werde. «Genau gleich wie beim Schwingen: Da gibt man sich auch vorher und nachher die Hand und dazwischen will jeder den andern auf den Rücken legen.»
Während sich im Holzhandel viel geändert hat, sind auch Dinge gleichgeblieben: Minderwertiges Holz – etwa Trämmel mit vielen Ästen – sind nach wie vor weniger gefragt als die schönen «Filetstücke». Gleich geblieben ist auch, dass die Tannen im Gebiet der HVT oft im steilen Gelände wachsen und daher zumindest auf einer Seite weit hinunter Äste haben. 

Viel umfangreichere Verwaltung

Die Arbeit des Kassiers hat sich in den 45 Jahren stark gewandelt. Fritz Beer zückt das Rechnungsbuch von 1972, seinem ersten Jahr. Auf wenigen Seiten konnten die Einnahmen und Ausgaben verbucht werden. «Und dann rechnete ich noch alles im ‹Gring›», bemerkt Beer und lacht. Dann weist er auf eine Kiste voller Ordner. «Die Belege vom Jahr 2016. Insgesamt gut 1400 Stück.» Selbstredend, dass er sich im Lauf der Zeit einen Computer anschaffte, um die Rechnung der HVT zu führen – immerhin musste er nun nicht mehr «im Gring» rechnen. «Ich hätte diese Umstellung nicht ohne Hilfe geschafft. Besonders meine Schwiegertocher hat mich sehr unterstützt», hält Beer fest. Er hätte logischerweise sein Amt auch früher aufgeben können. «Die Pensionierung wäre eigentlich ein guter Zeitpunkt gewesen», sinniert er. Die HVT war aber damals noch stark mit den Nachwehen des Orkans Lothar beschäftigt. Die Genossenschaft erlebte damals wahrlich stürmische Zeiten. Nicht nur, dass die HVT, wie andere Holzvermarkter auch, Mühe hatte die riesige Holzmenge los zu werden. Hinzu kam, dass einzelne Abnehmer wirtschaftlich ins Schlingern kamen. «Wir waren froh, dass wir nun etwas Reserven hatten, um eingreifen zu können», sagt Beer. Die HVT beteiligte sich an einer Sägerei, um deren Betrieb zu sichern. «Ohne diesen mutigen Schritt wäre der Schaden viel grösser gewesen», ist der Kassier überzeugt.

20’000 Kubikmeter jährlich
Die Genossenschaft, welche im kommenden Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiern kann, ist nach wie vor aktiv. Jährlich werden von den 350 Mitgliedern um 20’000 Kubimeter Holz verkauft, wobei manche Mitglieder auch direkt Holz verkaufen. Auch wenn der Erlös aus dem Holzverkauf gesunken sei, dieses Standbein sei für viele Bauernfamilien nach wie vor wichtig. In der weitläufigen Gemeinde Trub beispielsweise macht die Waldfläche  50 Prozent aus. «Viele Bauern sind auf einen Nebenerwerb angewiesen. Geeignete Stellen gibt es aber nicht unendlich», meint Fritz Beer. Daher sei es wichtig, dass sich Bauern mit Geräten und Maschinen, die sie eh auf ihren Betrieben hätten, ein kleines zusätzliches Einkommen erarbeiten könnten. Das Amt des Kassiers war für ihn mehr als ein Nebenverdienst. «Auch der gesellige Teil der vielen Sitzungen hat mir Freude bereitet.» Nun hat Fritz Beer sein Amt übergeben. Sein Nachfolger ist ganze 56 Jahre jünger. Fritz Beer: «Es ist gut, dass sich auch die Jungen für das Holz und den Wald einsetzen.»

Für das 100-Jahr-Jubiläum der Holzverwertungsgenossenschaft Trub (HVT) im kommenden Jahr erarbeitet Fritz Beer eine Chronik. Er sucht noch Bilder aus dem Gebiet der HVT, welche die Holzernte von einst zeigen. Kontakt: beer.fritz@bluewin.ch 
09.03.2017 :: Bruno Zürcher
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