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Die Deutsche, die alles kann, und der (un)verklemmte Schweizer
Biglen: Sybil Schreiber und
Steven Schneider begeistern die Leser nicht nur in der «Coopzeitung» mit ihrer wöchentlichen Kolumne; sie fanden auch neue Fans an der Lesung in Biglen.
Eigentlich erhielt das Publikum am Freitagabend in der laut Sybil Schreiber «proppenvollen» Aula des
Primarschulhaus mehr als nur eine Lesung. Es kam in den Genuss von Lebenstipps, Paarberatung und Unterhaltung, die auch als Kleinkunst problemlos durchgegangen wäre. «Mein Leben als Paar» heisst nicht nur das Buch, aus dem Kolumnen vorgelesen wurden, sondern auch das aktuelle Programm der zwei Schreibenden. Mit viel Humor und wohltuender Selbstironie wurde dem Publikum ein Spiegel vorgehalten, in dem man sich nur zu oft widerspiegelt sah. Und was gibt es Angenehmeres als das Gefühl, dass man nicht allein in peinlichen Fettnäpfchen landet?

Bernie, der Fettverbrenner

Sybil Schreibers spontaner Kauf eines Hometrainers war ein klassischer Beweis, wie nach kurzer Zeit die guten Vorsätze nur allzu schnell verschwinden. Steven Schneider schilderte den Anblick des neuen «Bewohners Bernie» in der Wohnstube so anschaulich, dass sich das Publikum das Stahl-Ungetüm in der ansonst so wohnlichen Atmosphäre plastisch vorstellen konnte. Bernie, der Fettverbrenner, verschwand bald auf dem Estrich, aus dem ihn Schreiber aufs Wärmste zum Abholen empfahl.
Die Unterschiede zwischen dem Paar, zwischen der «Ich kann alles Deutschen» und dem «Ich bin gar nicht verklemmt, ich bin nur Schweizer», boten viel Stoff für Gelächter und verständnisvolles Schmunzeln.
Während Schneider «halbvolle Müllsäcke» einfach so an die Strasse stellen will, schleppt Schreiber sie zurück und geht durch die ganze Wohnung auf Abfall-Pirsch. Oder wenn Schneider wegen Zeitdruck «nach zehn Jahren» aus Versehen statt Diesel Benzin tankt, dann wartet auch das Publikum gespannt auf die Reaktion der Beifahrerin. Überhaupt biete das gemeinsame Autofahren immer wieder Stoff für neue Kolumnen, so Schreiber.

Drei Monate Vorsprung
Schön war, dass an der Lesung auch persönliche Fragen gestellt werden konnten. So erfuhr das Publikum, dass sich die beiden auf der Redaktion der «Schweizer Familie» kennenlernten. Sie hätten dort zwei Jahre im gleichen Büro gearbeitet, bis sie dann ein Paar wurden. Sybil Schreiber: «Ich also drei Monate früher als er.» Es sei keineswegs Liebe auf den ersten Blick gewesen, vor allem auch, weil sie laut Schneider wesentlich grösser sei als er. Manchmal frage man sich ja schon, wie das Leben ohne sein Gegenüber herausgekommen wäre.

Suche nach der zweiten Hälfte

Wie viel Nähe braucht es in einer Partnerschaft? Steven Schneider erinnerte an die griechische Sage der Kugelmenschen, die geteilt worden seien, um dann als zweibeinige Menschen durchs Leben zu gehen, «immer auf der Suche nach der anderen Hälfte». Sybil Schreiber konterte das mit einem Kommentar zu Schneiders «Leibesfülle». Da mache doch der Kugelmensch jetzt Sinn…
Nach einer Zugabe schloss die Lesung in Biglen, die von der Gemeinde- und Schulbibliothek organisiert worden war. «Das war jetzt aber wahnsinnig gut», bemerkte eine Zuschauerin. Ja, manchmal ist man sich im Leben auch einig. 
16.03.2017 :: Kathrin Schneider
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