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Die Besitzer der Schlösser haben ihre Spuren hinterlassen
Die Besitzer der Schlösser haben  ihre Spuren hinterlassen Oberdiessbach:

Die Schlösser haben Wurzeln bis ins Mittelalter und eine spannende Geschichte. Verständlich und reich bebildert präsentiert sich der Kunstführer zu diesen Bauten.

Auch wenn bereits einige Publikationen – vor allem zum imposanten, neuen Schloss – erschienen sind, bietet der kürzlich erschienene Schweizerische Kunstführer «Die Schlösser in Oberdiessbach» neue Erkenntnisse. Bekannt war, dass die Pläne für das neue Schloss aus der Feder des Neuenburger Architekten Jonas Favre stammten, welcher auch den Bau persönlich überwachte. Neu ist aber, dass der Erbauer Albrecht von Wattenwyl zuvor diverse Studien für den geplanten Neubau verglich. 1664 wurden ihm von einem Bauverständigen L. Mory aus dem Wallis zwei Projekte unterbreitet. Auch weitere Architekten wurden bei Albrecht von Wattenwyl mit ihren Entwüfen vorstellig, wie einer der Autoren, der ehemalige Leiter der kantonalen Denkmalpflege, Jürg Schweizer, in den Akten im Schlossarchiv herausgefunden hat. Nebst Schweizer zeichnen Barbara Studer Immenhauser, Hans Braun, Armand Baeriswyl sowie Georges Herzog für die 100-seitige Broschüre verantwortlich, welche mehr als 100 Abbildungen enthält. 

Veränderung als Konstante 

Dass die gesamte Schlossanlage in den rund 600 Jahren ihres Bestehens – zuvor lag der Sitz auf dem weiter oben gelegenen Diessenberg – etliche Veränderungen erlebt hat, zeigt eine doppelseitige Grafik. Im 15. Jahrhundert stand im Dorf erst ein Sässhaus samt Scheune und Speicher. Erwähnt in der Auflistung von Diebold Schilling ist weiter ein «fruchtbarer Baumgarten». Nach und nach ist die Anlage erweitert und angepasst worden. Heute ist noch ein Teil der spätmittelalterlichen Ringmauer erhalten, in der sich der einstige Schlosszugang befand. Dort angesiedelt ist das alte Schloss, das heute als Wohnsitz der Besitzerfamilie Sigmund und Martine von Wattenwyl dient. 

Auch das im 17. Jahrhundert erstellte Neuschloss hat Veränderungen erfahren. Beispielsweise war der grosszügige Ehrenhof auf der Südseite des Gebäudes nicht mit einem Gitter abgeschlossen, sondern von einer hohen Mauer umgeben. «Umso wirkungsvoller kamen vorher die zwei kubischen Eckpavillons durch ihren starken Vorkrag aus der Mauerflucht zur Geltung», ist im neu erschienenen Werk zu lesen. Erst um 1800 wurden die heutigen Gitter aufgestellt. 

Zu grosse Bilder eingebaut 

Auch das Innere des Schlosses hat im Lauf der Zeit Änderungen erfahren – wenn auch im Vergleich zu anderen Bauten dieser Zeit recht wenige. Aus dem dritten Viertel des 18. Jahrhunderts stammt etwa das Mobiliar der prunkvollen gemalten Stube, die bereits in einem Inventar aus dem Jahr 1743 so benannt ist. Der Raum ist voll von Gemälden, auch an der Decke. Dort ist Kriegsgott Mars zu sehen, der sich Venus nähert. Der Maler, im Kunstführer ist zu lesen, dass es sich wahrscheinlich um Albert Kauw handelt, hat das Gemälde nach einem Stich von Simon Vouet geschaffen. Das Sujet sei wohl gewählt worden, weil der Bauherr, Albrecht von Wattenwyl, welcher in fremden Diensten am französischen Hof tätig und reich geworden war, ebenfalls seine Rüstung abgelegt hatte «zugunsten einer friedlichen Betätigung als Liebhaber, Kavelierslandwirt und Herrschaftsherr». Er dürfte von dem aus Strassbourg stammenden Künstlers, welcher in Bern tätig war und italienische und französische Stile in seinen Werken vereinte, angetan gewesen sein. In den Türfüllungen und in den Feldern über den Türen in der gemalten Stube sind Werke von Kauw zu sehen. Es ist aber nicht so, dass der reiche Schlossherr die Gemälde in Auftrag gab, vielmehr hatte die Familie Kauw damals verschiedenste Motive und Grössen auf Lager. «Diese Annahme wird dadurch gestützt, dass bei der Demontage dieser Supraporte anlässlich der letzten Restaurierung ersichtlich wurde, dass die Leinwand gar nicht das passende Mass für den Rahmen hatte und die grosszügig bemalten, überschüssigen Teile um den Spannrahmen gefaltet werden mussten.» 

 Trotz intensiver Recherchen bleiben aber auch offene Fragen: «Wie man sich in der Erstausstattung die Wandfelder, in welche seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die bukolische Aubusson-Tapisserien eingespannt sind, vorzustellen hat, ist nach wie vor nicht klar», hält Georges Herzog in seinem Beitrag fest.   

04.01.2019 :: Bruno Zürcher
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