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Die alte Heimat «erfahren»
Die alte Heimat «erfahren» Emmental:

Die beiden Nordamerikaner James und Jack Berger erkundeten mit E-Bikes auf der Herzroute das Emmental – die Heimat ihrer Vorfahren. 



James Berger (74), emeritierter Universitätsprofessor aus Vancouver, mittlerweile Kanadier und sein um zwei Jahre jüngerer Bruder Jack, ehemaliger Hausarzt aus San Francisco, wollten die Schweiz und die Heimat ihres Ururgrossvaters erkunden. Dieser war mangels wirtschaftlicher Perspektiven 1882 in die USA ausgewandert, um sein Glück als Landwirt im Bundesstaat Indiana zu suchen. «Wir hegten schon lange den Wunsch, das Zentrum der Schweiz näher kennenzulernen und haben gedacht, dass wir dies – solange es uns noch möglich ist – per Velo tun sollten», begründete James Berger ihre Tour durchs Emmental. Er fügte an, dass man mit diesem Verkehrsmittel eine Gegend mit allen Sinnen erfassen könne. Die zwei sportlichen Rentner absolvierten die Strecke Thun-Schwanden bei Sigriswil-Langnau-Burgdorf-Madiswill-Willisau-Aegeri in sechs Etappen auf der Herzroute. 

Spektakuläre Landschaft

«Es ist gewaltig, wenn man von Schwanden aus Richtung Berner Alpen schaut und diese eindrückliche, mit Zacken versehene mächtige Wand vor den Augen hat», erzählte ein begeisterter Jack. James fügte auf der Krete beim Weiler Blasen oberhalb von Arni an, dass einfach jeder Ausblick Postkartenniveau habe. «Bei uns in Vancouver dominieren riesige landwirtschaftliche Monokulturen wie Mais und Raps. Hier im Emmental können wir uns an einem «mixed farming» erfreuen», meinte er. Beide Senioren lieben die hügelige Landschaft des Emmentals mit dem mosaikartigen Wechsel von Dörfern, Einzelhöfen, Grasland mit friedlich weidenden Kühen und Äckern. Besonders angetan haben es ihnen die meist an Hängen und Tobeln stockenden Wälder. Der Aufstieg von Signau durch den Hundschüpfenwald stimmte sie schon fast ein wenig euphorisch. Das Nebeneinander von verschiedenen, natürlich verjüngten Baumarten und Bäumen jeden Alters auf kleinster Fläche hat gefallen. Auf der Terrasse des Gasthofes Waldhäusern, mit Blick Richtung Eggiwil, meinte Jack Berger nachdenklich: «Bei uns dominieren halt forstliche Reinbestände und Kahlschlagflächen das Landschaftsbild.» 

Dörfer zerfallen

Besonders schön seien die Bauerhäuser, Speicher und Stöckli. Diese seien gut unterhalten und offenbar auch bei Aufgabe der Landwirtschaft bewohnt; der Blumenschmuck würde das beweisen. «Bei uns ist der ländliche Raum von einer grossen Abwanderung betroffen und deshalb werden viele Gebäude nicht mehr erhalten.» Ganze Dörfer zerfallen; das ergäbe ein unschönes Bild, meinten sie. 

Ein besonderer Höhepunkt war für die beiden Radler die Querung und Besichtigung der alten Schüpbachholzbrücke. Dass ein Bauwerk, das 1839 für Pferdefuhrwerke dimensioniert war, noch heute in Betrieb ist, liess die weitgereisten Besucher staunen. Die Art der Bauweise, ohne Leim und Nägel, mit dem Beil behauenen Balken, bezeichneten sie als «unglaubliche Zimmermannskunst».  

Grosse Kuhglocken als Höhepunkt

Für James Berger war die Reise durchs Emmental, über Hügel, durch Täler und schöne Dörfer einmalig und unvergesslich. «Wir fühlten uns hier zu Hause, auch wenn wir wussten, dass wir keine fernen Verwandten treffen würden», sagte er. Die Organisation der Tour, die E-Bikes und auch die Hotels seien gut gewesen. Bei der Signalisation der Herzroute gäbe es noch Steigerungspotenzial, aber mittels einer App oder hilfsbereiten Leuten hätten sie den richtigen Weg Nummer 99 immer wieder gefunden. 

Als ein Höhepunkt bezeichnete Jack Berger den Kontakt mit einer einheitlich gekleideten Gruppe von jungen, kräftigen und laut sprechenden Burschen, die sich im Garten ihres Hotels an einem Bier erlabten. Auf seine Frage nach ihrem Hobby sagten sie, dass sie einen Auftritt an einer Hochzeit gehabt hätten. «Sie standen auf, holten aus ihren Autos riesige Kuhglocken und führten eine wahre Parade auf, gepaart mit einem ohrenbetäubenden Lärm». Freudig zückte er das Handy und zeigte einen Kurzfilm mit einer bestens gelaunten Treichlergruppe in Aktion. 



Hotelbuchungen und Gepäckservice inklusive

Die Herzroute erstreckt sich von Lausanne nach Rohrschach. Sie trägt die besondere Nummer 99. Die Gesamtlänge beträgt 720 Kilometer und beinhaltet 12'000 Höhenmeter. Die 13 Etappen lassen sich einzeln oder in Mehrtagesreisen absolvieren. Zur Überwindung der teilweise beachtlichen Höhenunterschiede stehen E-Bikes zur Verfügung. Damit können alle Personen, die im Alltag gelegentlich Velo fahren, die Herzroute geniessen.

Eurotrek unterstützt die Herzroute mit einem speziellen Servicepaket: Gepäcktransport auf der ganzen Strecke, Hotelbuchungen und Flyermiete aus einer Hand. Mit diesem «à la carte»-System kann der Kunde seine eigene Route mit Etappenplan und Unterkünften frei wählen. 

 

13.07.2017 :: Walter Marti
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