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Des Wahnsinns fette Beute

«Hilfeeeeee...» Kurz bevor der Wecker klingelte, sass ich kerzengerade mit aufgerissenen Augen im Bett – Aug’ in Aug’ mit meinem Kater Mottek, der ein grosses, schwarzes Etwas quer im Maul mit sich führte. «Hilfeeeee... Der Mottek hat einen Vogel im Maul!» Meine Rufe galten meinem Partner, der schon irgendwo in der Wohnung unterwegs war. Ich malte mir gerade panisch aus, wie die gefiederte Beute im Schlafzimmer gleich gerupft und verspeist würde. «Hilfeeeee...» Der Herbeieilende riss mit einer Pappschachtel in der Hand die Tür auf. Der Kater lockerte vor Schreck kurz den Kiefer und der Piepmatz schoss schnell wie ein Pfeil zum offenen Fenster hinaus. Das kluge Tier hatte sich tot gestellt, als unser Bonsai-Tiger ihn erwischt hatte. Saublöd schaute Mottek aus der Wäsche. Das war ja noch mal gut gegangen. Weniger gut geht es derzeit den Signauer Mäusen, von denen jeden Tag etliche im Katermagen verschwinden. Bei den Mahlzeiten zu Hause lässt Mottek lediglich die Galle liegen – Katzenhalter kennen das. Ein nicht gerade erquickendes Gefühl, mit nackten Füssen in so ein Mäuseorgan zu treten, um in der ganzen Wohnung Blutspuren zu verteilen. Wääääh. Den nicht gefressenen Mäusefang bringt das brave Tier heim, damit wir nicht verhungern, will ich meinen. Andere zahlen Kostgeld, unser roter Bruder leistet seinen Beitrag in graupelzigen Naturalien. Das eine oder andere Mal liegt sogar ein Grasbüschel oder etwas Klee daneben, als wolle er uns einen Fitnessteller servieren. Zum morgendlichen Ritual in diesem Sommer gehört das Absuchen unserer Räumlichkeiten nach erlegtem Kleinstwild und glitschiger Galle. Warum Katzen «Geschenke» nach Hause tragen, dazu gibt es verschiedene Theorien. Eine besagt, dass eine Katze annimmt, dass Menschen sich bei der Jagd zu dusselig anstellen. Und weil eine Samtpfote von Natur aus sehr fürsorglich veranlagt ist, bringt sie Ihnen «Geschenke» zum Üben mit. Herzlichen Dank dafür! Wäre doch nicht nötig gewesen. Üblicherweise verschenken Miezen Mäuse. Aber auch ein Frosch, Siebenschläfer, Baby-Kaninchen, eine Eidechse oder kleine Fledermaus passen in ihr Beuteschema. Da können wir froh sein, dass unser Mottek nur das Mausen nicht lassen kann. Und eine tiefe Dankbarkeit für unser «Schicksal» erfasste mich, als eine Kollegin mir erzählte: «Mein Kater kommt morgens heim, wenn ich noch schlafe, und legt mir tote Mäuse in die Halsbeuge...» Das nenne ich dann mal «des Wahnsinns fette Beute!»


27.07.2017 :: Christina Burghagen Signau
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