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Der Verletzlichkeit Raum geben
Der Verletzlichkeit Raum geben Trubschachen:

Schang Hutters Skulpturen prägen bis September das Dorfbild von Trubschachen. Leid tragende Menschen stehen im Zentrum seines künstlerischen Schaffens.



Diese Menschengruppe wirkt zerbrechlich. Auf dünnen Beinen scheinen sie kaum am Boden anzuhaften. Sind sie überhaupt handlungsfähig, so ohne Arme? Dennoch lächeln sie und schauen mit ihren Stupsnasen neugierig in die Welt. «Sie staunen über ihr doch Dasein in der Welt», erklärt der Künstler. Noch stärker reduzierte Stabmenschenfiguren bündelte Schang Hutter zu einem Turm, von einer massiven Kette in Form gehalten, während abstrahierte Figuren ihre langen dünnen Arme wie im Tanz versunken gen Himmel strecken. Nicht zu vergessen seine mitunter eindrücklichsten Figuren, der «KZ-Häftling» und die «Shoah-Figuren», die laut Hutter zeigen, «was die Menschen, wegen den Menschen, aushalten müssen». 

Entsetzen ausdrücken

1954, als der damals 20-jährige Bildhauer Schang Hutter nach München kam, brach für ihn seine heile Welt zusammen. Nicht nur war er mit den zerbombten Häusern und den Kriegsinvaliden konfrontiert. Seine Studienkameraden hatten den Krieg alle hautnah erlebt und erzählten dem jungen Schweizer vom Ausmass des Grauens während des zweiten Weltkriegs. Diese Eindrücke veränderten Schang Hutter als Mensch und prägten fortan sein Schaffen. Doch erst zehn Jahre später war er in der Lage, seinem Entsetzen figürlich Ausdruck zu verleihen. «Ich stellte einen KZ-Häftling dar, der aus Schwäche gestorben ist, als er seinen Befreiern entgegen kroch», kommentiert er seine Bronzeplastik. Schang Hutter lässt die Betrachter seiner Werke an seinem eigenen Berührtsein teilhaben. Seine Figuren sind Mahnmale der Erinnerung. Torhüter zu den schwarzen Tiefen der Vergesslichkeit, in die wir Menschen gerne Ungeheuerliches versenken, um nicht der Tatsache ins Auge blicken zu müssen, dass wir zu schrecklichen Taten fähig sind. 

 

 

Aussenausstellung Schang Hutter: 6. Mai bis 17. Sep--
tember 2017. – 20. Kunstausstellung Trubschachen:
1. bis 23. Juli 2017. www.ausstellung-trubschachen.ch



Frei von Vorurteilen

Die 20. Kunstausstellung Trubschachen steht unter dem Motto: «Mit neuen Augen schauen». Dabei sind in erster Linie die Künstler selbst gemeint. Sie sind es, die unsere Welt immer wieder aus neuen Blickwinkeln betrachten und sie mithilfe neuer Techniken und ungewohnter Perspektiven zeigen. Damit fordern sie auch die Betrachter zum vorurteilsfreien Blick auf. 200 Gemälde und Plastiken unterschiedlicher Künstler von Ferdinand Hodler bis heute werden dieses Jahr in Trubschachen ausgestellt. Dabei bilden 25 Werke von Giovanni Giacometti und die Aussenplastiken von Schang Hutter zwei Schwerpunkte für sich.


 

11.05.2017 :: Stephanie Schmid
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