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Der lange Weg zum festen Belag auf abgelegenen Strassen
Der lange Weg zum festen Belag auf abgelegenen Strassen Emmental:

Teurer Unterhalt und dreckige Autos – deswegen wollen Gemeinden Naturstrassen mit einem Belag versehen. Für die Baubewilligung gilt es, einige Hürden zu überwinden. 

«Wir wollen auf diesem Wegstück einen Belag einbauen, weil wir dort, was die Baubewilligung anbelangt, die grössten Erfolgsaussichten haben», erklärt der Langnauer Gemeinderat Beat Gerber. Das erwähnte Strassenstück befindet sich im Frittenbach. Bis zur Abzweigung, wo der Hullerngratgraben in den Frittenbach mündet, ist die Strasse bereits heute mit einem Asphaltbelag versehen – und gut einen Kilometer weiter hinten, wo man entweder Richtung Sunnberg oder Fluhnasen abzweigen kann, fährt man wieder über Asphalt. 

Nicht der erste Anlauf

Anwohner setzen sich seit Jahren dafür ein, dass auf dem Zwischenstück ein Hartbelag eingebaut wird; zuletzt mit einem Postulat im Grossen Gemeinderat, welches überwiesen wurde. Auch im Gemeinderat stösst das Ansinnen auf Zustimmung: «Im Herbst und wie jetzt Anfang Frühling ist die Strasse oft in einem schlechten Zustand», meint Beat Gerber, der das Ressort Bauwesen betreut. «Die Schulkinder können den aufgeweichten Weg mit ihren Velos und Töfflis oft kaum passieren. Hinzu kommt, dass die Naturstrasse für die Gemeinde aufwändig und damit auch teuer ist.» Zum einen müsse die Wegequipe die Kiespiste unterhalten. Weil beim Winterdienst nebst dem Schnee auch Kies in das angrenzende Land gepflügt werde, müsse zudem das Land im Frühling gereinigt werden. «Alleine diese Arbeit nimmt rund eine Woche in Anspruch», weiss Gerber. «In einem normalen Jahr gibt die Gemeinde Langnau 15’000 bis 20’000 Franken für diesen Weg aus. Falls es starke Niederschläge gibt und die Strasse verbaut werden muss, kommt ein Vielfaches dazu.» 

Laufende Kosten eindämmen

Am 18. März wird das Gemeindeparlament über einen Kredit von 262’500 Franken für den Einbau eines Belags entscheiden. «Der Betrag ist auf den ersten Blick recht hoch», hält Gemeinderat Beat Gerber fest. «Betrachtet man allerdings die Lebensdauer von rund 25 Jahren, merkt man, dass die Gemeinde wesentlich weniger für die Strasse ausgeben müsste. Hinzu kommt, dass die Strasse für die Anwohner erst noch sicherer und sauberer wäre.» Beat Gerber will sich im Parlament dafür einsetzen, dass der Kredit genehmigt wird. «Eine gute Erschliessung ist auch wichtig für die dezentrale Besiedelung», hält er fest. Genehmigt das Langnauer Gemeindeparlament den Kredit, ist das Bauprojekt einen Schritt weiter. Als nächstes müsste das Baugesuch eingereicht werden (siehe Kasten). 

Ähnliches Vorhaben in Oberburg 

Diesen Schritt weiter sind die Gemeinden Oberburg und Konolfingen, die ebenfalls beabsichtigen, Naturstrassen zu befestigen und in diesen Tagen die entsprechenden Baugesuche publiziert haben. 

Die Gemeinde Oberburg will im Gebiet Gummgraben – zwischen Oschwand und Luterbach – auf einem knapp 400 Meter langen Strassenstück eine Asphalttragschicht einbauen. Die Gründe, die Gemeindeschreiber Martin Zurflüh anführt, sind ganz ähnlich wie jene in Langnau. «Der Unterhalt dieses Juragrienweges ist teuer.» Auch verspricht sich die Gemeinde Oberburg mehr Sicherheit. «Auf der Strasse verkehrt viermal pro Tag der Schulbus. Die Strasse ist eng und vor allem im Winter nicht immer optimal befahrbar», meint Zurflüh. Oberburg rechnet für den Einbau der Asphalttragschicht mit Kosten von 58’000 Franken; der Gemeinderat hat den entsprechenden Kredit im Oktober genehmigt. Vorab hätten umfangreiche Abklärungen stattgefunden, ob das Bauwerk bewilligungsfähig sei, führt der Gemeindeschreiber weiter aus. Aus der Baupublikation ist ersichtlich, dass für das Bauwerk drei Ausnahmen erforderlich sind: Bauen in Waldnähe, Bauen im Gewässerraum sowie Bauen ausserhalb der Bauzone. 

Fahrbahn betonieren in Konolfingen? 

Beim Bauvorhaben der Gemeinde Konolfingen kommt noch eine weitere Komponente dazu: Beim Weg, welcher vom südöstlich von Konolfingen gelegenen Weiler Leimgruben zu einem Wohnhaus hinaufführt, handelt es sich um einen «historischen Verkehrsweg», wie aus der Baupublika-tion ersichtlich ist. Man strebe trotz dieses Schutzes eine sinnvolle Lösung an, sagt der für das Ressort Tiefbau zuständige Gemeinderat Bernhard Burren. «Bei starken Niederschlägen wird der Weg immer wieder ausgewaschen und das Material füllte mehrmals den Keller einer Liegenschaft im Weiler Leimgrube. Nun ist vorgesehen, das rund 115 Meter lange Teilstück auf der ganzen Breite zu betonieren.» Die Betonfahrbahn sei robuster, was das Auswaschen anbelange, hätten Fachleute erklärt. «Der Weg vom Wohnhaus bis in den Lochenbergwald bliebe hingegen ein Feldweg», erklärt Burren. 

Asphalt statt Kies: Was alles abgeklärt werden muss

«Soll eine Naturstrasse asphaltiert werden, rate ich dringend, das Bauvorhaben vorgängig gründlich abzuklären», sagt Max Gerber, Leiter Bauwesen beim Regierungsstatthalteramt Emmental. «Fast alle diese Strassen befinden sich ausserhalb der Bauzone, weshalb vom Amt für Gemeinden und Raumordnung eine positive Verfügung nach Artikel 16 oder 24 des Raumplanungsgesetzes erforderlich ist», erklärt Gerber.  

IVS-Eintrag als Stolperstein 

Ist der Weg im Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz (IVS) eingetragen, muss detailliert abgeklärt werden, ob ein Belagseinbau bewilligt werden kann. Im IVS sind Wege von nationaler, regionaler und lokaler Bedeutung eingetragen. Daneben ist in dem Inventar vermerkt, ob der Weg Substanz aufweist. Damit gemeint ist etwa eine spezielle Fahrbahnoberfläche, Mauern, Brücken oder auch Stundensteine. Das kantonale Tiefbauamt müsse dann entscheiden, ob die Strasse asphaltiert werden könne oder nicht, erklärt Max Gerber. «Andere Schutzgebiete, etwa Baugruppen, welche im Inventar der Denkmalpflege eingetragen sind, müssen bei einem solchen Bauvorhaben ebenso berücksichtigt werden.» Auch Wanderwege könnten bei einem solchen Bauvorhaben zum Stolperstein werden – weil diese nur asphaltiert werden können, wenn besondere Verhältnisse vorliegen oder der Wanderweg umgelegt werden kann. 

Viele Wege entlang von Bächen

Ebenfalls das kantonale Tiefbauamt ist involviert, wenn sich der Weg in einem Gewässerraum befindet. «Hier im Emmental, wo viele Wege entlang der Gräben angelegt sind, kommt das häufig vor», weiss Max Gerber. Die Nähe zu einem Gewässer könne auch die Wahl des Materials beeinflussen. Ähnliches gilt bei einer Strasse, die sich im Wald befindet, was im Emmental naturgemäss auch sehr häufig vorkommt. «Der Einbau von Asphalt, Beton oder Gemischen davon in loser Form ist beim Unterhalt von Feld-, Wald-, Fuss- und Wanderwegen nicht gestattet», erklärt Gerber. Eine Ausnahme würde dann bestehen, wenn Asphaltgranulat mit einer natürlichen Deckschicht überzogen würde. Diese Veränderung der Oberfläche eines Weges ist jedoch in jedem Fall baubewilligungspflichtig. Dasselbe gilt beim Einbau von Betonplatten oder eines andern Belages in Spurrinnen. 



07.03.2019 :: Bruno Zürcher
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