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Das Räbloch muss entstopft werden – die Frage ist, wie?
Das Räbloch muss entstopft werden – die Frage ist, wie? Eggiwil: Die Engstelle in der Schlucht der Emme war schon häufig verstopft. Bislang löste das Wasser das Problem selber. Nun aber türmen sich dort über 1000 Kubikmeter Material.

Das Räbloch ist eine Daueraufgabe der Schwellenkorporation Eggiwil. Die tiefe Schlucht der Emme ist an ihrer engsten Stelle lediglich 1,14 Meter breit – entsprechend häufig sammelt sich dort Schwemmmaterial an. «Bislang hatten sich die Verstopfungen irgendwann von selber gelöst», erklärt Hans Wittwer, Präsident der Schwellenkorporation Eggiwil. «So viel Holz und Geröll wie jetzt hatte es aber noch nie dort. Wir haben festgestellt, dass pro Jahr 100 bis 200 Kubikmeter dazukommen.» Diesen Sommer sind Vertreter der Schwellenkorporation, der Feuerwehr und des zugezogenen Ingenieurbüros mit Schlauchbooten zum Räbloch vorgedrungen und haben die Verstopfung begutachtet und vermessen. Das Resultat: Rund 1400 Kubikmeter Holz, Geröll, Erdreich und allerlei Unrat lagern in und vor der Engstelle.  

Staugefahr bei Starkregen

«Wir hatten dieses Jahr Glück, dass es nie extreme Niederschläge gab», erklärt der Präsident. «Sonst hätte sich das Wasser womöglich stark aufgestaut. Wir wissen, dass es unterhalb der Verklausung einen Freiraum gibt; wie gross dieser ist, weiss aber niemand.» Besonders gefährdet sind bei den Rückstauungen die Landwirtschaftsbetriebe oberhalb der Schlucht, bei der Räbelibrücke in Schangnau. Dort kam es in der Vergangenheit bereits zu Überschwemmungen. 

Weil sich die Verstopfung nicht von selber lösen will, hat der Vorstand der Schwellenkorporation beschlossen, das Problem aktiv anzugehen. Der Vorstand wird der Mitgliederversammlung einen Bruttokredit von einer Million Franken beantragen. An den Kosten werden sich Bund und Kanton mit 60 bis 80 Prozent beteiligen. «Es ist anzunehmen, dass die Räumung nicht so viel kosten wird. Wir wollen aber einen Nachkredit vermeiden», erklärt Hans Wittwer. «Wir werden die Arbeiten sehr offen formuliert ausschreiben.» Die Unternehmen müssen nicht nur einen Preis offerieren für die Räumung des Räblochs, sie müssen der Schwellenkorporation auch aufzeigen, wie sie das Material abtragen wollen. «Vielleicht gibt es ganz neue Ideen, wie dieses komplexe Problem gelöst werden könnte», erklärt Hans Wittwer. Die Planung sei auch schwierig, weil nicht klar sei, wie viel Material aus der Schlucht geborgen werden müsse. Natürliches Material wie Schwemmholz kann dem Wasser beigefügt werden.  

Sicherheit an oberster Stelle

Die interessierten Firmen werden der Schwellenkorporation auch ein Sicherheitskonzept vorlegen müssen. «Die Sicherheit steht bei dem Vorhaben an oberster Stelle», hält Hans Wittwer fest. Die Arbeiten und Gerätschaften müssen von oben in die tiefe Schlucht geseilt oder geflogen werden, wobei auch das Gelände oberhalb der senkreckten Schlucht äusserst steil ist. Hinzu kommt, dass die Arbeiten am verkeilten Material per se äusserst gefährlich sind. «Vor einigen Jahren, als die Verklausung aber viel geringer war, haben wir selber versucht, diese zu lösen», berichtet der Präsident. Die Arbeiter hätten mit Motorsägen und weiterem Werkzeug versucht, Holzstücke zu lösen. «Die Männer mussten höllisch aufpassen, dass sich das Material nicht plötzlich bewegt und sie verschüttet.» Schliesslich wurde der Versuch abgebrochen – und das Material wurde bei einem Hochwasser von selber talwärts gespült.


Noch einige administrative Hürden  

«Optimal wäre, wenn wir im Sommer oder Herbst 2018 mit den Arbeiten anfangen könnten, wobei natürlich auch das Wetter mitspielen muss», sagt der Präsident der Schwellenkorporation Eggiwil.

Bis zum Baustart gilt es noch einige administrative Hürden zu überwinden. Es muss ein bewilligungsfähiges Projekt vorliegen, kantonale und nationale Amtsstellen müssen ihren Segen geben und schliesslich muss auch der bernische Regierungsrat den Kredit genehmigen. Es wird also noch einiges Wasser die Emme runterfliessen, bis die Bauarbeiten beginnen –
hoffentlich auch durchs Räbloch.


 

Räbloch: Schweizweit einzigartiges Problem

In das Projekt «Räumung Räbloch» involviert ist auch das kantonale Tiefbauamt.  

Im ganzen Kanton Bern gebe es kein vergleichbares Projekt, hält das bernische Tiefbauamt auf Anfrage fest. Abklärungen beim Bundesamt für Umwelt hätten zudem ergeben, dass es sogar schweizweit kein Projekt mit vergleichbarer Problemstellung gebe. 

Ist die Aufweitung des Lochs ein Thema? «Eine Aufweitung wurde mehrfach angesprochen», lautet die Antwort des Tiefbauamtes. «Aufgrund von komplexen rechtlichen Fragen und sehr grossen Vorbehalten seitens Landschafts- und Naturschutz ist eine Aufweitung des Räblochs nach heutigem Stand nicht bewilligungsfähig und daher keine Option.» Die Schlucht der Emme ist im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler eingetragen. 

 

30.11.2017 :: Bruno Zürcher
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