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«Das Menschenmögliche tun – der Herrgott gibt das Seine hinzu»
«Das Menschenmögliche tun –  der Herrgott gibt das Seine hinzu» Sörenberg:

Alpen zu segnen in den ersten Wochen des Sommers hat eine lange Tradition. Der Brauch ist bei den Älplern willkommen, auch weil man dem Wetter stark ausgesetzt ist. 



Das Wetter ist das erste Thema über das Älpler Richard Emmenegger und Urs Corradini diskutieren. Corradini ist Diakon des Pastoralraums Mittleres Entlebuch, zu dem die Kirchgemeinden Schüpfheim, Flühli und Sörenberg gehören. «Wir wurden bislang von heftigem Regen verschont», meint der erfahrene Bauer. Corradini hatte seinen Besuch angemeldet, weil beim letzten Mal als er in der Gegend Alpen segnete, niemand dort war. Mancherorts führt er die Segnung auch in Abwesenheit der Bewohner aus und lässt das Blatt mit dem Alpsegen zurück, damit die Leute wissen, dass er dort war. Auf der Alp Schönenboden, welche 200 Meter oberhalb der Talstation der Rothorn-Gondelbahn liegt, ist der Besuch des Diakons willkommen. 

Wer ein steifes Ritual erwartet, wenn ein Vertreter einer katholischen Kirchgemeinde eine Alp segnet, liegt falsch. Der Besuch beginnt mit einem Schwatz. Man ist per Du, erzählt wie es laufe auf dem Betrieb und in der Familie. «Von den Buben konnte leider keiner kommen», erzählt Marianne Emmenegger, nachdem sie dem Gast einen Kaffee serviert hat. 

«Man hat dann ein gutes Gefühl»  

Für die Emmeneggers gehört die Segnung der Alp zu jedem Sommer. Das habe eine lange Tradition, bestätigt auch die 82-jährige Bertha Emmenegger. Was bringt die Segnung? «Man hat dann ein gutes Gefühl», sind sie sich einig. «Man kann das Menschenmögliche machen – der Herrgott gibt das Seine hinzu», beschreibt Richard Emmenegger den Umstand, dass man nicht alles in seinen Händen habe. «Und dann geht es auch darum, danke zu sagen», fügt seine Frau hinzu. Nach dem Ende der Skisaision präsentiere sich die Alp Schönenboden alles andere als schön, sondern vor allem braun. «Und dann erwacht die Natur und wenige Wochen später blühen all die Matten und Weiden. Das fasziniert mich jedes Jahr von Neuem», sagt Marianne Emmenegger. Gegen Ende Mai zieht die Familie mit rund 40 Stück Vieh auf ihre Alp, wo sie bis Anfang Oktober bleibt. 

Mit dem Schicksal hadern? Nein

Nicht immer läuft alles rund. Das musste Urs Corradini heuer auch schon erfahren. Auf einer anderen Alp war ein Kalb vom Blitz erschlagen worden. Hadert man in solchen Momenten mit dem Schicksal? «Nein, sicher nicht», halten die Emmeneggers entschieden fest. «Man muss bei sich schauen und nicht die Schuld bei anderen suchen», sagt Richard Emmenegger, und seine Frau ergänzt: «Man muss bei solchen Ereignissen auch froh sein, dass nicht mehr passiert ist. Auf einer Alp ist man nun mal stärker dem Wetter ausgesetzt als im Tal.» Der Alpsegen, welcher Urs Corradini jeweils spricht, beginnt denn auch mit Lob und Dank:

 

O lobä, zue lobä, i Gottes Name lobä. 

O lobä, zue lobä, im Name Jesu lobä.

 

Bhüet üs Gott Seel, Lyb, Ehr und Guet und aues, was uf der Aup läbe tuet. 

 

Mier bitte Jesus Christ, er mög als guete Hirt nachts wache über üs, dass sich nüd verirrt. 

 

Der lieb Antoni, sankt Loy und heilig Agatha bannit Süch, Blitz, Füür und Hagel wit vo da. 

 

Der heilig Brueder Chlaus und sankt Wändu bewahrit üs vor Zwischt und bösem Händu. 

 

O lobä, zue lobä, i Gottes Name lobä. Ave, ave, ave liebschti Mueter Maria.

Der Diakon, der seit fünf Jahren im Pastoralraum Mittleres Entlebuch tätig ist und vorher keine Alpsegnungen durchführte, liess sich von Kaplan Simon Zihlmann und Priester Toni Schmid in das Thema einführen. Auf Marbacher Seite pflegt Pfarrer Theodor Zimmermann (77) diesen Brauch. Im Unterschied zu Flühli-Sörenberg segnet er auch alle Talbetriebe. «Das sind 70 bis 90 Heimet», sagt Zimmermann. Heuer sei er etwas in Rückstand und in diesen Tagen noch unterwegs. Einige Älpler seien gar nicht katholisch, die Segnung werde aber dennoch geschätzt. 

Auch Urs Corradini hat festgestellt, dass sowohl katholische wie reformierte Alpbesitzer diesen Brauch schätzen würden. Obwohl die Alpsegnung eine lange Vergangenheit hat, unterliegt auch diese dem gesellschaftlichen Wandel. So ist es für die Emmeneggers kein Problem, dass heute mit Corradini kein geweihter Priester die Segnung vornimmt. 

Einst segneten Kapuziner 

Einst waren in Flühli-Sörenberg Kapuziner Patres unterwegs, um diese Aufgabe zu übernehmen. Urs Corradini hat erfahren, dass bis vier Kapuziner mehrere Tage unterwegs waren, um die Alpen zu segnen. «Mir sind vor allem noch die auffälligen Kutten in Erinnerung geblieben», meint Marianne Emmenegger. Ihre Schwiegermutter erinnert sich, dass man jeweils ein Schälchen Weihwasser und ein Zweiglein bereithalten musste, damit die Kapuziner die Alp segnen konnten. 

Auch Urs Corradini segnet die Alp und ihre Bewohner, nachdem er den Alpsegen gesprochen hat, mit Weihwasser. Dann erhält die Familie Emmenegger das Blatt, auf dem der Alpsegen abgedruckt ist. Für die Rückseite wählt der Diakon jedes Jahr ein passendes Wort aus der Bibel aus. Heuer ist dies der Psalm 23: «Der Herr ist mein Hirte, mir wird nicht fehlen…» Bruno Zürcher 


Das Wetter ist das erste Thema über das Älpler Richard Emmenegger und Urs Corradini diskutieren. Corradini ist Diakon des Pastoralraums Mittleres Entlebuch, zu dem die Kirchgemeinden Schüpfheim, Flühli und Sörenberg gehören. «Wir wurden bislang von heftigem Regen verschont», meint der erfahrene Bauer. Corradini hatte seinen Besuch angemeldet, weil beim letzten Mal als er in der Gegend Alpen segnete, niemand dort war. Mancherorts führt er die Segnung auch in Abwesenheit der Bewohner aus und lässt das Blatt mit dem Alpsegen zurück, damit die Leute wissen, dass er dort war. Auf der Alp Schönenboden, welche 200 Meter oberhalb der Talstation der Rothorn-Gondelbahn liegt, ist der Besuch des Diakons willkommen. 

Wer ein steifes Ritual erwartet, wenn ein Vertreter einer katholischen Kirchgemeinde eine Alp segnet, liegt falsch. Der Besuch beginnt mit einem Schwatz. Man ist per Du, erzählt wie es laufe auf dem Betrieb und in der Familie. «Von den Buben konnte leider keiner kommen», erzählt Marianne Emmenegger, nachdem sie dem Gast einen Kaffee serviert hat. 

«Man hat dann ein gutes Gefühl»  

Für die Emmeneggers gehört die Segnung der Alp zu jedem Sommer. Das habe eine lange Tradition, bestätigt auch die 82-jährige Bertha Emmenegger. Was bringt die Segnung? «Man hat dann ein gutes Gefühl», sind sie sich einig. «Man kann das Menschenmögliche machen – der Herrgott gibt das Seine hinzu», beschreibt Richard Emmenegger den Umstand, dass man nicht alles in seinen Händen habe. «Und dann geht es auch darum, danke zu sagen», fügt seine Frau hinzu. Nach dem Ende der Skisaision präsentiere sich die Alp Schönenboden alles andere als schön, sondern vor allem braun. «Und dann erwacht die Natur und wenige Wochen später blühen all die Matten und Weiden. Das fasziniert mich jedes Jahr von Neuem», sagt Marianne Emmenegger. Gegen Ende Mai zieht die Familie mit rund 40 Stück Vieh auf ihre Alp, wo sie bis Anfang Oktober bleibt. 

Mit dem Schicksal hadern? Nein

Nicht immer läuft alles rund. Das musste Urs Corradini heuer auch schon erfahren. Auf einer anderen Alp war ein Kalb vom Blitz erschlagen worden. Hadert man in solchen Momenten mit dem Schicksal? «Nein, sicher nicht», halten die Emmeneggers entschieden fest. «Man muss bei sich schauen und nicht die Schuld bei anderen suchen», sagt Richard Emmenegger, und seine Frau ergänzt: «Man muss bei solchen Ereignissen auch froh sein, dass nicht mehr passiert ist. Auf einer Alp ist man nun mal stärker dem Wetter ausgesetzt als im Tal.» Der Alpsegen, welcher Urs Corradini jeweils spricht, beginnt denn auch mit Lob und Dank:

 

O lobä, zue lobä, i Gottes Name lobä. 

O lobä, zue lobä, im Name Jesu lobä.

 

Bhüet üs Gott Seel, Lyb, Ehr und Guet und aues, was uf der Aup läbe tuet. 

 

Mier bitte Jesus Christ, er mög als guete Hirt nachts wache über üs, dass sich nüd verirrt. 

 

Der lieb Antoni, sankt Loy und heilig Agatha bannit Süch, Blitz, Füür und Hagel wit vo da. 

 

Der heilig Brueder Chlaus und sankt Wändu bewahrit üs vor Zwischt und bösem Händu. 

 

O lobä, zue lobä, i Gottes Name lobä. Ave, ave, ave liebschti Mueter Maria.

Der Diakon, der seit fünf Jahren im Pastoralraum Mittleres Entlebuch tätig ist und vorher keine Alpsegnungen durchführte, liess sich von Kaplan Simon Zihlmann und Priester Toni Schmid in das Thema einführen. Auf Marbacher Seite pflegt Pfarrer Theodor Zimmermann (77) diesen Brauch. Im Unterschied zu Flühli-Sörenberg segnet er auch alle Talbetriebe. «Das sind 70 bis 90 Heimet», sagt Zimmermann. Heuer sei er etwas in Rückstand und in diesen Tagen noch unterwegs. Einige Älpler seien gar nicht katholisch, die Segnung werde aber dennoch geschätzt. 

Auch Urs Corradini hat festgestellt, dass sowohl katholische wie reformierte Alpbesitzer diesen Brauch schätzen würden. Obwohl die Alpsegnung eine lange Vergangenheit hat, unterliegt auch diese dem gesellschaftlichen Wandel. So ist es für die Emmeneggers kein Problem, dass heute mit Corradini kein geweihter Priester die Segnung vornimmt. 

Einst segneten Kapuziner 

Einst waren in Flühli-Sörenberg Kapuziner Patres unterwegs, um diese Aufgabe zu übernehmen. Urs Corradini hat erfahren, dass bis vier Kapuziner mehrere Tage unterwegs waren, um die Alpen zu segnen. «Mir sind vor allem noch die auffälligen Kutten in Erinnerung geblieben», meint Marianne Emmenegger. Ihre Schwiegermutter erinnert sich, dass man jeweils ein Schälchen Weihwasser und ein Zweiglein bereithalten musste, damit die Kapuziner die Alp segnen konnten. 

Auch Urs Corradini segnet die Alp und ihre Bewohner, nachdem er den Alpsegen gesprochen hat, mit Weihwasser. Dann erhält die Familie Emmenegger das Blatt, auf dem der Alpsegen abgedruckt ist. Für die Rückseite wählt der Diakon jedes Jahr ein passendes Wort aus der Bibel aus. Heuer ist dies der Psalm 23: «Der Herr ist mein Hirte, mir wird nicht fehlen…» 



13.07.2017 :: Bruno Zürcher
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