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Das Emmental bejubelt zwei Weltmeister
Das Emmental bejubelt zwei Weltmeister Ski: Das Emmental eine Hochburg des Skisports? Aber ja! Mit Beat Feuz und Luca Aerni holten zwei Emmentaler Gold! Unterschiedlicher hätte deren Ausgangslage kaum sein können.
Die Goldmedaille von Luca Aerni in der Kombination an der Ski-WM in St. Moritz war eine Überraschung hoch drei: Erstens haben ihn seine Trainer erst im letzten Moment überhaupt für den Kombinationswettbewerb aufgeboten, zweitens schaffte er mit Rang 30 in der Abfahrt haarscharf den Sprung in den zweiten Lauf und drittens «hat er gezeigt, dass er einen super Lauf mit vollem Risiko ins Ziel bringen kann», meint Michael Weyermann. Er begleitete Aerni als Trainer im C-Kader massgeblich auf seinem Weg in den Weltcup und steht noch heute in Kontakt mit dem Athleten, der in Grosshöchstetten und im Wallis wohnt. «Ich schätze Luca auch als Person sehr; er ist bodenständig und arbeitet sehr hart», meint Weyermann. Dass der Slalomspezialist auch die schwierige Abfahrt bewältigen konnte, überraschte den ehemaligen Trainer nicht. «Luca hat auch früher immer wieder in Speed-Disziplinen trainiert und ist an Juniorenwelt-
meisterschaften im Super-G und in der Abfahrt an den Start gegangen. Er ist ein Allrounder.»
Aerni stand bereits am Dienstag wieder im Einsatz: Im Teamevent verpasste die Schweiz das Podest mit dem vierten Platz knapp. Die nächste Chance bietet sich dem 23-Jährigen am Sonntag im WM-Slalom.

«Ein unglaubliches Fahrgefühl»
 
Abgeschlossen ist das WM-Abenteuer für Beat Feuz. Im Gegensatz zu Aerni gehörte er in seiner Paradedisziplin Abfahrt zu den grossen Titelanwärtern. «Dass er das runtergebracht hat, ist schlicht Wahnsinn», meint Vater Hans Feuz. «Beat hat den Saisonaufbau so gelegt, dass er im Januar und Februar, also für die Rennen in Wengen, Kitzbühel und an der WM, in Form ist. Umso schöner, dass es nun nach dem Ausfall auf der Streif geklappt hat.» Den Sturz in Kitzbühel überstand Feuz glücklicherweise unverletzt. Was geht dem Vater durch den Kopf, wenn der Junior in die Fangnetze donnert? «Tausend Sachen. Allein sich so etwas anschauen zu müssen, ist schwierig», meint Hans Feuz. Beat Feuz musste in seiner Karriere etliche Verletzungen wegstecken (siehe Kasten). So konnte er letzte Saison erst ab Januar an den Rennen starten, pirschte sich aber rasch wieder an die Weltspitze heran. Wie macht er das? «Er hat unglaublich viel Fahrgefühl und braucht daher weniger Zeit», meint Hans Feuz. Dass er über viel Talent verfüge, habe der Bumbacher bereits als Junior bewiesen. «Beat war den Gleichaltrigen oft einen Schritt voraus», erinnert sich Vater Feuz.

Wenige schaffen es bis ganz oben
Auch Luca Aerni hat bereits als Bub oft zuoberst auf dem Podest gestanden. «Wir haben aber auch miterlebt, wie viele Athleten im Lauf der Zeit ausgeschieden sind. Das ist ein langer Weg; am Ende schaffen es von einer grossen Gruppe nur zwei, drei an die Spitze», meint Mutter Silvia Aerni. Sie kann es auch am Tag nach der Sensation noch kaum fassen, dass ihr Sohn Gold gewonnen hat. Luca Aernis Eltern verfolgen viele Rennen vor Ort; in der Schweiz und den umliegenden Ländern sind sie fast immer dabei. Sie waren am Wochenende nach St. Moritz gereist, obwohl gar nicht sicher war, ob ihr Spross überhaupt in der Kombination wird starten können. «Wir sagten uns: Wir fahren rauf, der Luca muss einfach starten können», berichtet Silvia Aerni. Wegen der späten Selektion war nur ein kleines Grüppchen von Aernis Fanclub an das Kombinationsrennen gefahren. «Luca hatte aber sehr Freude, als er uns gesehen hat», meint die Mutter.
Auf eine viel grössere Fanschar durfte Beat Feuz am Sonntag zählen – obschon dessen Anhänger wegen der Rennverschiebung einen Tag länger ausharren mussten. «Wir waren mit etwa 70 Personen dabei», erklärt Helga Gerber, welche sich im Fanclub um das Administrative kümmert und den Skistar seit seinen Anfängen begleitet. Sie stammt aus Österreich, kam vor 25 Jahren für eine Arbeitsstelle ins Emmental und blieb der Liebe wegen in Bumbach hängen. Was den Skisport anbelangt, herrscht zwischen der Schweiz und Österreich traditionell eine grosse Rivalität. Hatte sie nie ein Problem als Österreicherin einen Schweizer anzufeuern? «Überhaupt nicht. Am Ende sind wir für jeden froh, der heil im Ziel ankommt», meint Helga Gerber.

Beliebt bei den Nachbarn

Feuz ist auch in Österreich beliebt. Das Dorf von Feuz’ Freundin, Kathrin Triendl, im Tirol, steht voll und ganz hinter dem Schweizer Abfahrer. «Der Fanclub hat auch Mitglieder aus Deutschland, Italien oder Kanada», meint Helga Gerber. Aktuell zählt der Club 400 Mitglieder; «ich habe seit Sonntag ziemlich viele Anmeldungen erhalten», meint sie. Die Fans freuten sich ungemein, dass ihr Idol am Sonntagabend eineinhalb Stunden mit ihnen verbrachte. «Wir konnten mit ihm sprechen und ihm natürlich gratulieren», meint Helga Gerber. Während der Feier konnte Beat Feuz noch beweisen, dass er nicht nur auf der Piste gut abschneidet – er durfte wegen einer Wette zur Schere greifen und die Haarpracht des Fanclub-Präsidenten stutzen! 

Die Weltmeister werden empfangen:
•    Beat Feuz am Freitag, 17. Februar, um 18.00 Uhr
    in der Turnhalle Bumbach.
•    Luca Aerni am Montag, 20. Februar, um 18.30 Uhr
    mit einem Umzug ab Bahnhof Grosshöchstetten. 
Luca Aernis Erfolge
• Weltmeisterschaften 2017 St. Moritz: Gold in der Kombination. • Weltcup Beste Klassierungen: Saison 2015/16, Slalom: 5. Madonna di Campiglio (It) sowie
5. Kitzbühel (Ö).
• Schweizer Meisterschaften Als Aktiver: 2012 Gold Superkombination. 2015 Gold Slalom. Als Junior: 2011 Silber Slalom. 2012 Silber Abfahrt und Super-G.
• Als Junior 2012 Bronze im Team­event. 2013 Silber im Teamevent. 2014 Silber im Slalom und Silber im Teamevent.       
Beat Feuz – Erfolge und Leidensgeschichte

• Weltmeisterschaften 2017 St. Moritz Gold in der Abfahrt; 2015 Beaver Creek (USA) Bronze in der Abfahrt.
• Weltcup Insgesamt sieben Siege. 2010/11: Abfahrt Kvitfjell (No). 2011/12: Super-G Val Gardena (It), Abfahrt Wengen, Abfahrt Sotschi (Russ), Super-G Kvitfjell.
2015/16: Abfahrt und Super-G St. Moritz. Beste Klassierungen in den Weltcup-Schlussklassementen: Saison 2011/12: 2. Gesamtwertung, 2. Abfahrt, 2. Kombination, 3. Super-G.
• Schweizer Meister 2010 Super-G; 2011 Super-Kombination.
• Als Junior 2002 Jugend-Olympiade Gold Slalom. 2005 WM-Bronze Slalom. 2007 WM-Gold Abfahrt, Super-G und Kombination, Bronze im Slalom.  
• Verletzungen 2003 Bruch der Kniescheibe; Comeback Februar 2004. 2007 und 2008 Saisonabbruch wegen Knieverletzungen. November 2010 Meniskusschaden; Comeback im Januar 2011. März 2012 Knochenabriss im Knie. Sommer 2012 Knorpelschaden und Infektion im Knie; Comeback im November 2013. Sommer 2015 Teilabriss der Achillessehne; Comeback Januar 2016.     whz. 
16.02.2017 :: Bruno Zürcher
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