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Christian Wüthrichs Sammlung gab Impulse für die Keramikforschung
Christian Wüthrichs Sammlung gab Impulse für die Keramikforschung Langnau:

Christian Wüthrich besitzt Gipsformen und Arbeitsmodel der Hafnerdynastie Herrmann. Sie halfen dem Archäologen Andreas Heege, die Langnauer Keramik zu entschlüsseln.



Christian Wüthrich liebt alte Sachen. Im Laufe seines langen Lebens hat er viele Trouvaillen gemacht, die er in seinem Haus aufbewahrt. Über seine Frau, die aus einer Töpferfamilie stammt, verbindet ihn eine besondere Liebe zur Langnauer Keramik. Nach der Auflösung der Töpferei Röthlisberger wanderte ein Teil der Einrichtung ins «Chüechlihus», der andere gelangte in den Besitz der Familie Wüthrich. Darunter eine Kiste mit Arbeitsgeräten vom Sonnweg 15, dem Stammhaus der Töpfer Herrmann, das 1902 abgebrochen wurde. Dass die alten Gipsformen, Model, Stempel kostbares Kulturgut darstellten, das war dem Sammler klar. Im Keller richtete er eine historische Töpferwerkstatt mit Tonbank und Drehscheibe ein. In einem Setzkasten stellte er die kleinen Model aus Ton aus, mit denen die Töpfer Muscheln, Blumen, Kordeln in Serie herstellten, die später als Griffe und Verzierungen an die Gefässe kamen. In einer Kiste lagerte er die grossen Gipsformen für Schafe, Puttenköpfe und Teller.

Wertvolle Anhaltspunkte

Unter den Arbeitsgeräten befand sich auch eine Henkelpresse, ein Rohr mit verschiedenen Schablonen. Mit den Tonsträngen, die dadurch entstanden, formten die Töpfer die Henkel. «Das ist wie ein Sechser im Lotto!», freute sich der Keramikforscher Andreas Heege, als er zum ersten Mal in der Töpferei von Christian Wüthrich stand. Die vielen kleinen und grossen Gussformen lieferten ihm wertvolle Anhaltspunkte, um echte Langnauer Keramik von Kopien zu unterscheiden. Ein paar der Model waren sogar signiert und datiert und stellten einen besonderen Glücksfall dar. Dank ihnen war es ein Leichtes, Töpfer und Werkstatt zu bestimmen. Christian Wüthrich besitzt auch eine Sammlung an Bodenfunden. 1989 wurde auf dem Gelände des Höhewegs 1, der bedeutendsten Hafnerwerkstatt, ein neues Haus gebaut. Kundige Köpfe wussten, dass dort, wo der Neubau hinkam, die beiden Brennhütten standen. Es verwunderte sie deshalb nicht, dass erste Werkzeuge zum Vorschein kamen.

These gestützt

Da der archäologische Dienst kein Interesse zeigte, suchte Christian Wüthrich auf eigene Faust nach den Überresten der Keramikwerkstatt, zusammen mit den Museumsverantwortlichen. Seine Fundstücke nahm der Sammler zu sich nach Hause. Dort verstaute er die Dinge nicht in einer dunklen Kiste, sondern breitete sie auf einer Holzhurde im Keller aus, wo die Fundstücke gut zur Geltung kamen: Ganze Ofenstücke, Kacheln, Scherben von Tellern und Butterfässern, wie Puzzleteile nach Farben geordnet. Die Bodenfunde brachten für den Keramikforscher Heege keine neuen Erkenntnisse, doch sie stützten die These, dass am Höheweg 1 hochwertige Kachelöfen und Keramik hergestellt wurde.

Fundstücke aus der Hafnerei

Das Haus von Christian Wüthrich liegt direkt über dem Sonnweg 1, der dritten bedeutenden Hafnerwerkstatt Herrmann. Als 2014 auf dem Gelände die Bagger auffuhren, alarmierte der Keramiksammler den archäologischen Dienst, der sich inzwischen für Bodenfunde neueren Datums interessierte. Bei den archäologischen Grabungen, die darauf starteten, kamen viele Fundstücke aus der ehemaligen Hafnerei zum Vorschein, aus denen der Archäologe Heege wichtige Erkenntnisse zog. 

Im kürzlich erschienenen Buch «Keramik aus Langnau» wird Christian Wüthrich und seine Sammlung ausdrücklich erwähnt. Seine Schätze und sein Handeln waren für die Keramikforschung von unschätzbarem Wert.

 

Das zweibändige Werk inklusive DVD kann im «Chüechlihus» und auf der Gemeindeverwaltung Langnau zum Jubiläumspreis von 49.50 Franken bezogen werden (bis zum 28. Februar). 



12.10.2017 :: Bettina Haldemann-Bürgi
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