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Camping

Er: «Schaatz, machst du mir bitte einen Kaffee?» 

Sie: «Tut mir leid, ich habe ihn vergessen.»

Er: «Waas? Du hast den Kaffee vergessen?»

Sie: «Ja, kann ja mal passieren, oder?» 

Er: «Nein, das ist dir noch nie passiert, was ist denn los?»

Sie: «Nichts, ich hab einfach den Kaffee vergessen, das ist alles.»

 

Ich sitze draussen vor unserem Zelt und tue so, als würde ich lesen. Aber eigentlich kann ich mich gar nicht konzentrieren, zu spannend sind die Gespräche rund herum. Schonungslos werden alle Seiten des Menschen offenbart. Die Männer sitzen mit ihren dicken Bäuchen auf ihren Campingstühlen und die Frauen zerren das Luftbett aus dem Zelt und versuchen darauf eine möglichst gute Figur zu machen. Luftbetten sind übrigens total im Trend. Das sind aufblasbare Matratzen. Aber eben nicht zum Schwimmen, sondern um darauf zu nächtigen. Viel edler als die herkömmlichen, mit Plüsch und so. Und ja, wir haben auch solche Luftbetten gekauft. Ich habe mir zum Geburtstag ein Zelt gewünscht. Ein Tunnelzelt. Mit Schlafzimmer und Wohnzimmer. Zum drin stehen. Ich hab echt keine Lust mehr, auf den Knien durch ein Zelt zu kriechen. Und es ist auch nicht so, dass wir jetzt campen, weil es «in» ist. Vielmehr lockt mich das Wasser. Keine bezahlbaren Hotels sind so gut gelegen wie unsere Campingplätze. Da braucht es meist nur ein paar Schritte und schon ist man im See. Nur eines fehlt natürlich: die Privatsphäre. Ich stehe also am Morgen auf und will auf die Toilette. Und weil meine Tochter und ich Nachtmenschen sind, stehen wir dann auf, wenn die anderen bereits frühstücken. Ich mache mich auf den Weg zur Toilette und merke, das ist ein Hindernisparcours, alle sitzen schon draussen. «Guten Morgen», sage ich, «wünsche guten Appetit». Oder: «Ja danke, wir haben gut geschlafen, Sie auch?» Und: «Ja, ich hoffe, es hat noch Gipfeli für uns, ja, wir werden uns beeilen.» Endlich geschafft, der Weg zurück. Die Leute sitzen natürlich immer noch beim Frühstück und jetzt ist nicht klar, ob man noch was sagt oder ob schon alles gesagt ist. Und das Verrückteste: Auf diesem Camping hatte es fast nur Berner, und die schauen offenbar häufig «Telebärn». Das gab dem Ganzen noch eine besondere Note. Denn, wann sieht man schon eine verstrubbelte und verschlafene TV-Moderatorin? Und doch war es super. Irgendwie entstand so ein One-Family-Groove. Wir wurden zum Apéro eingeladen, man half uns, als der Strom-Stecker fehlte und stand uns mit Rat und Tat zur Seite. Wir kommen wieder – Camping olé. 



03.08.2017 :: Michelle Renaud
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