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Brasilien – Aeschau
Brasilien – Aeschau Welcome bei uns zu Gast:

Während drei Tagen besuchen Samanta Chiesorin und Willian Virgovino die Schweiz. Das Ehepaar aus Brasilien ist fasziniert von der guten Infrastruktur und der Schönheit des Emmentals.

 

«Ich staune über die Schönheit der Berge, ich kann mich kaum sattsehen», sagt Samanta Chiesorin. Sie sitzt mit ihrem Mann, Willian Virgovino, auf der Terrasse des Airbnb «Open Loft Gallery» in Aeschau und lässt ihren Blick über die Berner Alpen schweifen. Das Ehepaar stammt aus Curitiba, Brasilien. Für drei Tage machen sie Halt im Emmental, bevor sie nach Italien weiterreisen. «Mein Mann war bereits in der Schweiz und hat mir oft von der schönen Landschaft vorgeschwärmt. Nun haben wir uns entschieden, das Land gemeinsam zu besuchen.» Sie habe bestimmte Vorstellungen von der Schweiz gehabt. Zum Beispiel, dass es hier den besten Käse und die beste Schokolade gäbe und alle in kleinen Bauernhäuschen lebten. Auch herrsche die Meinung vor, dass alles sauber sei und reibungslos funktioniere, zählt die 31-Jährige weitere gängige Klischees auf. Und bis jetzt hätte sich auch einiges bewahrheitet. «Die gesamte Infrastruktur ist einmalig, die Strassen sind in einem sehr guten Zustand», schwärmt Willian Virgovino. 

Abenteuerliche Fahrt

Dass dieser Standard seinen Preis habe, merke er allerdings im Portemonnaie: «Die Schweiz ist für uns sehr teuer. Darum haben wir uns für die Unterkunft in einem Airbnb entschieden.» Auf der Internet-Plattform von Airbnb bieten weltweit Privatpersonen ihr Zuhause– oder ein Teil davon – an. Die Übernachtungsmöglichkeiten sind in der Regel preiswerter als in einem Hotel.Sie hätten zwar bei der ersten Anfahrt auf den Berg zu ihrer Gastgeberin Therese Poncioni leer geschluckt: «Die Strasse ist sehr eng und steigt und steigt. Eine solche Strecke bin ich noch nie gefahren», gibt der 32-jährige Computer-Supporter zu. Dazu sei die Strasse nach einem Regenguss nass gewesen und sie hätten Bedenken gehabt, dass das Auto abrutschen könnte. «Auch waren wir nicht sicher, ob unser Navi überhaupt das abgelegene Haus findet – aber alles ging problemlos», sagt seine Frau erleichtert. 

Weniger anonym als im Hotel

In der «Open Loft Gallery» bewohnt das Paar ein Zimmer mit eigenem Bad und kann die Küche und den Wohnraum mitbenützen. «Wir übernachten auf unseren Reisen meistens privat. Das ist nebst dem Preisvorteil weniger anonym als in einem Hotel», nennt Willian Virgovino einen Grund für ihre Entscheidung. «Das gibt uns die Möglichkeit, die Menschen und Kultur direkter zu erleben.» Sprachlich haben werder das portugisisch sprechende Paar noch ihre Vermieterin ein Problem: Alle sprechen fliessend Englisch. Für ein typisches Geschmackserlebnis hat Therese Poncioni vorgesorgt: Für das Frühstück am kommenden Tag hat sie eine Züpfe gebacken. «Das kennen wir nicht bei uns; wir freuen uns schon darauf.» Bis jetzt haben die Brasilianer grossen Geschmack an der Schweizer Küche gefunden. Natürlich durfte auch das obligate Fondue nicht fehlen. «Wir hatten sogar schon zwei», beichtet Willian Virgovino. «Wenn ich nicht aufpasse, werde ich mit einigen Kilos mehr nach Hause fahren», befürchtet seine Gattin. 

Freundlich, aber reserviert

Am Nachmittag besuchte das Paar nebst dem Kambly Laden auch die Schaukäserei Affoltern. «Wir haben Unmengen an Käse gegessen – es ist wahr, er ist der beste der Welt!», meint die Brasilianerin begeistert. Um sich für das Abendessen mit Esswaren einzudecken, ging es in den nächsten Supermarkt. «Ich empfinde die Schweizer als etwas verhalten, aber freundlich. Wenn man sie anspricht, sind sie reservierter als die Brasilianer», hat Samanta Chiesorin, die im Kundendienst arbeitet, festgestellt. Dafür seien die Verkehrsteilnehmer hier viel ungeduldiger, wirft ihr Ehemann ein. «Mit unserem Mietwagen halten wir uns an die Geschwindigkeitslimiten. Den meisten Autofahrern sind wir zu langsam, da wird schon mal gehupt oder Lichtsignale gegeben.» Aber davon liessen sie sich nicht abhalten, nach Möglichkeit anzuhalten um die Umgebung zu fotografieren. «Uns haben es vor allem die ländlichen Gegenden angetan. Wir waren auch in Zürich, Bern und Luzern, aber die echte Schweiz sieht eher so aus wie hier im Emmental», findet Willian Virgovino. Die Region hat die Gäste aus Brasilien in ihren Bann gezogen. Beide möchten wiederkommen. «Ich möchte die Schweiz meinem Vater zeigen. Die Ruhe und die Natur würden ihm bestimmt gefallen», ist Samanta Chiesorin überzeugt. Und sie gesteht: «Ich könnte mir sogar vorstellen, in der Schweiz zu leben.» 

20.07.2017 :: Veruschka Jonutis
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