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Brachland und andere Knörze

Die Anfrage dieser Zeitung, ob ich wohl geruhe, weiterhin zu kolumnisieren, zeitigte diesmal unruhige Tage und schlafgestörte Nächte. Es ging, respektive geht um immerhin sieben weitere Texte, um rund 17’000 weitere Zeichen, die zum einen einigermassen Sinn ergeben und zum andern – in welcher Form auch immer – berühren sollen. Als nichtprofessioneller Schreiberling gelangt man da unweigerlich ins Werweissen – und dabei früher oder später zur Erkenntnis, ein wenig beschränkt zu sein. Das tut zwar nicht weh, ernüchtert aber ungemein: Keine Rede von unerschöpflich was den Vorrat an geistreichen Geschichten angeht, von dauernd sprudelnden Inspirationsquellen keine Spur – Trappatonis leere Flaschen grüssen ganz leise aus dem Hinterstübchen.

Aber nicht nur das. Die inwendig brachliegenden Kreativflächen werden durch äussere Vorgaben zusätzlich eingezäunt. Beispiele: Politisches ist tabu. (Keine Chance für ein paar klärende Worte zu dieser unseligen Selbstzerstümmelungs-Initiative von Anfang März, kein Wort über die tragisch-gefährlichen Lachnummern in den weissen und andersfarbigen Regierungstempeln der Welt). Dann müssen die Kolumnen hochdeutsch abgefasst sein. (Schade, wie heimelig würden sich Sätze wie «Zwo Grampolschybe han i däm Scheum für das Waueliwachs ggä!» doch ausnehmen.) Erotisches ist auch nicht gefragt, obwohl ein wenig Sinnesfreude der Kolumne hie und da wohl ganz gut bekäme. Was solls, seit #MeToo weiss man sowieso nicht mehr so genau, wer was und warum unter Sex versteht, respektive zu verstehen hat. Das Lust(!)ige ist, zumindest medial, aus den zwischengeschlechtlichen Beziehungen weitgehend verschwunden. 

Zu allem Übel habe ich mich auch noch mit Onkel Theo verkracht. Er hat sich kürzlich schaurig über Menschen echauffiert, die sich ausserhalb ihrer Behausung grundsätzlich mit dem Auto fortbewegen. Als ich eingewendet habe, dass die weder für ihren mangelnden Gleichgewichtssinn noch allfällige weitere Behinderungen etwas können, ist er ausfällig geworden und hat mich als philanthropischen Warmduscher beschimpft. 

Trotzdem, entgegen aller Vernunft, habe ich der Redaktion für ein weiteres Jahr zugesagt; und gleichzeitig den hier tätigen Logistikfachleuten EFZ Distribution versprochen, die jeweils sackweise anfallenden Liebes-, Schmäh- und Werbebriefe selber auf der Post abzuholen… So, ich höre den Latour im Hintergrund schon ungeduldig «Itz nähmet dä Gränni us der Zytig!» quengeln. Ich habe für diesmal fertig. Gehabt Euch wohl! 

25.01.2018 :: Dieter Sigrist wartet auf den Musenkuss
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