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Blumen, Landschaften und Köpfe waren nicht sein Ding
Blumen, Landschaften und Köpfe waren nicht sein Ding Lützelflüh:

Zur Feier von 40 Jahren Malerei stellt der Kunstmaler Fritz Steffen in der Kulturmühle 50 seiner Bilder aus und präsentiert sein reich illustriertes «Querschnitt»-Buch.

 

Ein überfüllter Parkplatz und das Gedränge in den Ausstellungsräumen beweisen es: Hier ist ein Künstler zu Gast, den man kennt. Immerhin ist es seine fünfte Ausstellung in der Kulturmühle. Und dann entdeckt man ihn: Still und bescheiden sitzt er im Rollstuhl in einer Ecke und nimmt von Freunden und Bekannten Gratulationen zu dieser wundervollen Aus-stellung entgegen. Man klopft ihm auf die Schulter, umarmt ihn herzhaft, zollt ihm Anerkennung. Seine Augen leuchten – Bewunderung tut gut. Auch für einen Künstler, der unbeirrt seinen Weg gehen musste, in stetem Ringen mit sich selbst und den Farben und den Bildern, die oft nicht so wollten, wie er. Nie malte er aus Gefälligkeit etwas «Schönes», was die Leute gerne sehen wollten. «Blüemli, Landschafte u Gringe waren nicht mein Ding», spöttelt er bei der Begrüssung. Er fand seine Aufgabe, sein Glück in der Abstraktion, dem Formen von Kreisen, Quadraten und Kreiseln in unendlichen Variationen. 

Kaum Förderung durch den Vater

Am Monitor liest man Zitate aus seinem Buch: «Ich will die Welt nicht abbilden, ich will Geschichten über sie erzählen», und «Ich male, weil ich malen muss.» Das tönt nicht nach entspannter Freizeitbeschäftigung, und das ist es auch nicht. Steffen kämpft, stellt verzweifelt fest: «Die Bilder lassen nicht alles mit sich machen!» Aber auch, er sei einen grossen Schritt weitergekommen, habe sich die Farben «gefügig gemacht».

Manchen Bildern entströmt eine ruhige Harmonie der Farbtöne, in manche glaubt man «hineinsehen» zu können. Bei anderen aber fühlt man eine gewisse Zerrissenheit, erschrickt ob dem abrupten Wechsel, steht wie vor einem Abgrund. «Ich male, was ich fühle, nicht was ich sehe», sagt er. Mag sein, dass sich in seinem Werk sein Leben widerspiegelt, das gewiss kein Sonntagsspaziergang war. Obwohl Fritz Steffen sein Talent zweifellos vom Vater erbte, der als Bauernmaler und Schriftenmaler bekannt war, erfuhr er von ihm kaum Förderung. Er musste als «Brotberuf» eine Feinmechaniker-Lehre machen, obgleich er sich zum Künstler berufen fühlte. Danach arbeitete er lange Jahre als Hilfskraft in Vaters Atelier, ohne eigene Projekte realisieren zu können. 

Cartoonist mit schwarzem Humor

Endlich fand Fritz Steffen den Mut, sich zu befreien. Er bildete sich an der Kunstgewerbeschule und bei renommierten Malern wie Hans Schwarzenbach und Carl Speglitz weiter. Von einer Italienreise brachte er Aquarelle mit, die er 1978 im Bad-Ey, Sumiswald, ausstellte. Das war der Beginn seiner Laufbahn als Kunstmaler. «Ich hatte das grosse Glück, in Christine eine verständnisvolle Lebenspartnerin zu finden», erklärte Steffen an der Vernissage. Denn obwohl er immer wieder Ausstellungen machte und Bilder verkaufte, war doch sie es, die für ein regelmässiges Einkommen sorgte, während er malte und sich um den Haushalt und die Kinder kümmerte. Er machte sich auch einen Namen als Cartoonist mit schwarzem Humor, und er spielte als Schlagzeuger in der Old Man River Jazzband. Bis sich 1998 die Krankheit Multiple Sklerose als drohender Schatten über sein Leben legte. Der Maler liess sich nicht unterkriegen; er malte auch im Rollstuhl weiter. Obwohl er als 70-Jähriger längst das Rentnerdasein geniessen könnte, denkt er nicht daran, den Pinsel aus der Hand zu legen: Malen ist sein Leben.

Ausstellung in der Kulturmühle Lützelflüh vom 7. bis 22. April. Öffnungszeiten:

 

 Freitag, 17 bis 20 Uhr, Samstag/Sonntag, 10 bis 18 Uhr. Sonntag, 15. April, 15 Uhr Konzert mit Fritz-Art-Music.


12.04.2018 :: Gertrud Lehmann
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